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„Eine Frage der Ehre“

Der Konflikt zwischen der Freiheitlichen-Führung und drei blauen Ex-Abgeordneten spitzt sich jetzt erneut zu: Obmann Andreas Leiter Reber hat den „Alt“-Mandataren eine Mahnung ins Haus geschickt.

von Artur Oberhofer

Schon aus der Anrede lässt sich ableiten, dass sich die Blauen und die Ex-Blauen nicht mehr grün sind.

Freiheitlichen-Obmann Andreas Leiter Reber ist mit den drei ehemaligen Landtagsabgeordneten der Blauen, Walter Blaas, Roland Tinkhauser und Tamara Oberhofer inzwischen sogar per Sie!

Das belegt eine „Mahnung“, die der F-Chef den drei Ex-Abgeordneten vor wenigen Wochen hat zustellen lassen und die der TAGESZEITUNG vorliegt.

Um was geht es?

Der von der TAGESZEITUNG im Spätsommer vergangenen Jahres aufgedeckte Finanzskandal bei den Blauen sowie der Rausschmiss von Roland Tinkhauser hatten zum totalen Wahlfiasko der Blauen bei den Landtagswahlen im vergangenen Herbst geführt.

Und die damit verbundenen Turbulenzen sind noch längst nicht ausgestanden. Im Gegenteil!

Zwar bemüht sich die auf zwei Einheiten zusammengeschrumpfte blaue Rumpfmannschaft, die internen Probleme zu übertünchen und zur Tagesordnung überzugehen.

Doch bei den Blauen mag partout keine Aufbruchsstimmung aufkommen. Die vom Parteiobmann bereits vor Monaten groß angekündigte Reform hat noch immer nicht stattgefunden. Die Bezirke liegen brach. „Da läuft gar nichts mehr“, sagt ein Insider.

Und hinzu kommt: die Blauen haben massive Geldprobleme.

Da die blauen Strategen fest damit gerechnet hatten, dass sie mit fünf – im schlimmsten Fall mit vier – Mandataren in den neuen Landtag einziehen würden, wurde im Wahlkampf geklotzt. Über 210.000 Euro hat die Partei ausgegeben. Gemessen am kläglichen Ergebnis kann man sagen: Das Geld wurde in den Sand gesetzt. Da mit Ulli Mair und Andreas Leiter Reber nur mehr zwei blaue Mandatare den Einzug ins Hohe Haus geschafft haben, sind die Freiheitlichen auf einem riesigen Schuldenberg sitzengeblieben, den nun die Ex-Obfrau und der Obstbauer aus Marling abarbeiten müssen.

Ein Insider verrät: „Die Blauen pfeifen jetzt aus dem letzten Loch.“

Wie delikat die Situation ist, belegt auch der Schriftverkehr zwischen dem Parteiobmann und den Ex-Mandataren. Bereits mit Schreiben vom 27. Dezember vergangenen Jahres hatte Andreas Leiter Reber den „geschätzten freiheitlichen Abgeordneten der abgelaufenen Legislatur 2013-2018“ die Rute ins Fenster gestellt.

Roland Tinkhauser (Foto: F)

Damals schrieb der F-Chef:

… nach Sicht der Buchhaltung haben wir festgestellt, dass noch nicht alle Abgeordneten die vereinbarten Parteiabgaben (20%) auf die Mandats-Abfertigung (…) entrichtet haben.“

Bis Jahresende sollten sie das gefälligst erledigen, bat der Obmann.

Walter Blaas, Roland Tinkhauser und Tamara Oberhofer sind dieser Forderung bislang nicht nachgekommen, wie eine „Mahnung“ belegt, die den drei Ex-Mandanten am 5. Februar dieses Jahres ins Haus geflattert ist.

Das Schreiben enthält gar keine Anrede.

Darin heißt es lediglich:

„Auf unsere Zahlungserinnerung vom 27. Dezember 2018 haben wir bis heute keine Rückmeldung bekommen. Bitte überweisen Sie den fälligen Betrag bis spätestens 15. Februar 2019 auf unser Konto.“

Konkret fordert die blaue Führung von den drei Ex-Abgeordneten jeweils 20 Prozent auf deren Abfertigung – das macht pro Kopf rund 9.500 Euro aus. Von Roland Tinkhauser fordert die Partei außerdem noch rund 5.000 Euro an Parteiabgaben, die der Ex-Abgeordnete nach seinem Rausschmiss (verständlicherweise) nicht mehr an die Partei abgeliefert hat.

Es geht also um einen Gesamtbetrag von knapp 35.000 Euro.

Die Ex-Abgeordneten wollten in dieser heiklen Phase keine Stellungnahme abgeben.

Dass sie das Geld freiwillig bezahlen, darf bezweifelt werden.

Tatsächlich haben die drei Ex-Abgeordneten gute Argumente. Erstens war der hundsteure Wahlkampf ausschließlich auf das Trio Ulli Mair, Andreas Leiter Reber und Florian von Ach zugeschnitten.

Während Roland Tinkhauser wegen seiner Kritik an den finanziellen Machenschaften von Ehrenobmann Pius Leitner von einer Kandidatur ausgeschlossen worden war, wurden Walter Blaas und Tamara Oberhofer im Wahlkampf völlig geschnitten, weil der Obmann unbedingt seinen Freund und Buggler Florian von Ach in den Landtag bringen wollte.

Vor dem Hintergrund dieser eklatanten Ungleichbehandlung sind die Ex-Abgeordneten nicht bereit, dafür auch noch Geld hinzublättern.

Also dürfte der Streit sich wohl auf die anwaltliche  bzw. gerichtliche Ebene verlagern.

Der frischgebackene Generalsekretär der Blauen, Otto Mahlknecht, sagte gegenüber der Tageszeitung, dass die drei Ex-Mandatare sich schriftlich zur Zahlung der Parteiabgaben bzw. zur Abführung von 20 Prozent der Mandatsabfindung verpflichtet hätten. Aber noch mehr, so Mahlknecht, sei es eine „Frage der Ehre“. Die drei Ex-Mandatare, so der F-„General“, „müssen selbst entscheiden, ob sie diese Ehrenschulden begleichen oder nicht“.

 

 

 

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