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OneCoin-Chef festgenommen

Der Chef der Kryptowährung OneCoin wurde in Los Angeles verhaftet. Mehrere Milliarden Euro seien in das Pyramidensystem geflossen. Einige Südtiroler wurden steinreich – hunderte bis tausende andere zittern um ihr Geld.

von Heinrich Schwarz

Wie die TAGESZEITUNG in den letzten Jahren mehrfach berichtete, zog sich die Schlinge um die Kryptowährung OneCoin immer weiter zu. Jetzt kam es zu einem neuen Höhepunkt: Der Firmenverantwortliche Konstantin Ignatov aus Bulgarien wurde am Flughafen von Los Angeles von den US-amerikanischen Behörden festgenommen. OneCoin habe Verbraucher weltweit um mehrere Milliarden Euro geprellt.

Doch der Reihe nach:

Über OneCoin

OneCoin wird als Kryptowährung beworben. Je früher man einsteige, desto mehr könne man von der Wertsteigerung profitieren, hieß es auf Verkaufsveranstaltungen. Im Internet können über sogenannte Ausbildungspakete, die zwischen 110 und 27.500 Euro kosten, OneCoins gekauft werden. Das Problem: OneCoins können – bis auf wenige Ausnahmen – nicht ausgegeben werden.

Warum dennoch weltweit über drei Millionen Menschen einstiegen, liegt einerseits am Traum vom großen Geld und andererseits am besonderen Vergütungssystem: Wer andere Personen anwirbt, erhält zehn Prozent des von diesen Personen investierten Geldes. Man kann sogar auf vier Ebenen mitverdienen. Werbe ich also einen Freund an, der danach ebenfalls eine Person anwirbt, erhalte ich auch eine Provision auf die Käufe dieser Person usw. Und es gibt weitere Bonuszahlungen.

Einige Südtiroler bauten dank dieses Geschäftsmodelles ein riesiges internationales Netzwerk auf, wurden in kürzester Zeit Multimillionäre und standen sogar in Kontakt zu der seit eineinhalb Jahren verschollenen bzw. untergetauchten OneCoin-Gründerin Ruja Ignatova. Teilweise haben sie das sinkende Schiff längst wieder verlassen. Wegen der Präsenz dieser Südtiroler ist OneCoin hierzulande weit verbreitet.

Verbot und Razzia

Verbraucherschützer und Behörden wurden bald aktiv. Nach einer Meldung der Verbraucherzentrale Südtirol ordnete die italienische Wettbewerbsbehörde AGCM vor zwei Jahren einen Vermarktungsstopp von OneCoin an und bestrafte OneCoin-Firmen mit 2,6 Millionen Euro. Es handle sich nämlich um ein gesetzlich verbotenes Pyramidensystem, dessen ausschließliches Ziel die Aufnahme neuer Konsumenten sei. Nach einem Rekurs behängt das Verfahren noch.

In Deutschland deckte die Finanzaufsicht unerlaubte Finanztransfergeschäfte mit OneCoin-Geldern in Höhe von 360 Millionen Euro binnen eines Jahres auf. Es wurden Ermittlungen wegen möglichem Betrug und Geldwäsche aufgenommen.

Anfang 2018 wurde auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft Bielefeld eine Razzia in der OneCoin-Zentrale und in Partnerunternehmen in Bulgarien durchgeführt. Es wurden Beweismittel beschlagnahmt und Zeugen angehört.

OneCoin begab sich in die Opferrolle und sprach in einer Stellungnahme von einer Kampagne gegen das Unternehmen – mit dem Ziel, den Ruf zu schädigen und das Geschäft zu zerstören. OneCoin sei niemals an kriminellen Aktivitäten beteiligt gewesen. Zudem sei die angebotene Kryptowährung besser als andere.

Und OneCoin erklärte, dass aufgrund der Ermittlungen ein erheblicher finanzieller Schaden entstehe, der zu einem Konkurs führen könnte.

Die Festnahme

Während die OneCoin-Verantwortlichen gegenüber den über drei Millionen Mitgliedern den Eindruck vermittelten, die Behörden seien daran Schuld, wenn das Projekt der „Finanzrevolution“ – wie es auf der Website heißt – scheitert, haben die US-amerikanischen Behörden nun andere Fakten geschaffen: Wie in einer Pressemitteilung des US-Justizministeriums bekanntgegeben wurde, wurde am 6. März Konstantin Ignatov am Flughafen von Los Angeles festgenommen. Er übernahm nach dem Verschwinden seiner älteren Schwester Ruja Ignatova die OneCoin-Führung. Ignatov wird Betrug vorgeworfen.

Laut den amerikanischen Behörden – es handelt sich bis zu einem Richterspruch nur um Anschuldigungen – handelt es sich beim 2014 gegründeten Unternehmen um ein Pyramidensystem, das eine betrügerische Kryptowährung vermarkte. Durch Falschdarstellungen über OneCoin hätten die Opfer weltweit Milliarden von Euro bzw. Dollar investiert. Die Verbraucher seien getäuscht worden, indem man ihnen ein geringes Risiko und hohe Renditen versprochen habe.

Zusammengefasst: Die Kryptowährung wurde nach Auffassung der Ermittler nur gegründet, um Investoren zu betrügen.

Im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen, die die Transaktionen der Investoren aufzeichnen, habe OneCoin keinen wirklichen Wert. Es werde keine Methode zur Verfolgung des Geldes geboten. Im Gegensatz zu Bitcoin etwa werde OneCoin zentral und damit intransparent verwaltet. Nur wenige hätten von OneCoin profitiert.

Der Wert von OneCoin sei nicht aufgrund von Angebot und Nachfrage kontinuierlich gestiegen, sondern aufgrund einer internen Festlegung.

Milliarden im Umlauf

Die US-Ermittler haben herausgefunden, dass die OneCoin-Firma allein zwischen Ende 2014 und Herbst 2016 einen Erlös von 3,35 Milliarden Euro und einen Gewinn von 2,23 Milliarden Euro erzielte.

Ein Teil der von Verbrauchern investierten OneCoin-Gelder soll auf einer Reihe von Konten in verschiedenen Staaten gelandet sein, um die Herkunft zu verschleiern. Das Geld soll unter anderem mithilfe eines amerikanischen Anwaltes, der bereits vor einem halben Jahr verhaftet wurde, gewaschen worden sein. Etwas mehr als eine Milliarde Euro konnten die Ermittler bereits orten.

Konstantin Ignatov muss sich jetzt vor Gericht verantworten. Ihm droht eine Haftstrafe von maximal 20 Jahren. Nach seiner Schwester Ruja Ignatova wird weiter gesucht. Ihr wird neben Betrug auch Geldwäsche vorgeworfen.

„Geringe Chancen“

Die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) und das Europäische Verbraucherzentrum Bozen (EVZ) sind erfreut über die Festnahme des OneCoin-Chefs und dass die US-Behörden nun das bestätigt haben, was VZS und EVZ vor drei Jahren der italienischen Wettbewerbsbehörde gemeldet hatten – nämlich den Verdacht auf ein pyramidenförmiges Verkaufssystem.

Die Verbraucherschützer betonen jedoch, dass diese Verhaftung den Bürgern, die Geld in OneCoin investiert haben, nur schwerlich helfen werde, die investierten Summen wiederzuerlangen. „Die Chancen sind sehr gering. Aber die Verbraucher können versuchen, die überwiesenen Beträge zurückzufordern. Wir stellten bereits früher einen Musterbrief auf unsere Website, in dem man sich auf die neuesten Entwicklungen in den USA beziehen kann“, heißt es vom EVZ.

OneCoin solle auf jeden Fall eine Warnung sein, bei bestimmten Anlageformen besser aufzupassen – vor allem wenn im Zentrum nicht der Verkauf von Produkten steht, sondern die Anwerbung neuer Mitglieder, so die Verbraucherschützer.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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