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Shed / Shed

Finbar Ward interessieren Strukturen, die dem Schutz von aufgestapeltem Holz dienen.

Der Londoner Künstler Finbar Ward, der erste „Artist in Residence“ in der Galleria Doris Ghetta, untersucht in St. Ulrich Strukturen, die dem Schutz von aufgestapeltem Holz dienen.

Ein Shed, also „Schuppen“, ist eine einfache überdachte Struktur, die als Lager im Garten verwendet wird, wahrscheinlich ist das englische Wort abgeleitet vom Shade (Schatten); das Verb „to shed“ wiederum bedeutet vergießen, loslassen, auf den Boden fallen lassen.

Finbar Ward (* 1990), der erste „Artist in Residence“ in der Galleria Doris Ghetta, untersuchte und dokumentierte in den ersten zwei Wochen seines Aufenthalts in St. Ulrich Strukturen, die dem Schutz von aufgestapeltem Holz dienen. Dabei faszinierten ihn sofort die höchst unterschiedlichen Herangehensweisen an die zu diesem Zweck errichteten Unterstände. Manchmal waren sie gut sichtbar zum Stolz der Besitzer auf der Veranda oder im Garten postiert, manchmal am Straßenrand zu finden oder im Wald versteckt. Bedeckt mit Wellblech oder Planen, die mit Steinen beschwert werden, erhalten und schützen all diese Strukturen Holz in seiner variablen, gehäuften Form. Die Art und Weise, wie dieses für das Tal symbolträchtige Material gelagert und bewahrt wird, lässt direkte Rückschlüsse auf den Eigentümer und Erbauer der Struktur ebenso wie auf ihre unmittelbare Umgebung zu. Mal zeigt sich das familiäre, häusliche Ambiente, an anderer Stelle ein robuster, zweckmäßiger Bau oder gar eine dekorative, „tourismuskonforme“ Ästhetik – jede Form ist dabei einzigartig. Die künstlerische Praxis von Finbar Ward war lange Zeit auf einen nicht-hierarchischen Gebrauch von Material fokussiert. Diese Materialforschung zeigt sich in wesentlichen Details seiner Arbeit, die aus bewahrten Abfallprodukten der Arbeit in seinem Studio besteht. Als Metapher für den Prozess, das Scheitern und die laufend getroffenen Entscheidungen lässt Ward dem Verschnitt ebenso viel Aufmerksamkeit zukommen, wie dem eigentlichen Ergebnis. Während seiner Residenz in Gröden hat Ward ein neues Werk geschaffen, in dem seine Recherche zu den von ihm beobachteten Systemen zur Lagerung von Holz und seine Wertschätzung für die bei der Atelierarbeit entstehenden Abfälle, die normalerweise beiseite gefegt werden, zusammenkommen. Basierend auf einer Reihe von dokumentarischen Skizzen hat Ward Strukturen entworfen und gebaut, die der Lagerung und dem Schutz von Abfällen dienen, die er in den Ateliers und Werkstätten von Künstlern und Herstellern in der Region gesammelt hat.
Shed / Shed unterstreicht Finbar Wards Wertschätzung für das lokale Handwerk und seine Holzarbeiten und unterstreicht den Respekt vor Holz als dem für St. Ulrich prägenden Material. Seine Haltung findet ihren Ausdruck in diesem Sammeln und Bewahren von bei der Arbeit zu Boden gefallenen Fragmenten.

Finbar Ward wurde 1990 in London geboren, er lebt und arbeitet in London. Er studierte amWimbledon College of Art, University of the Arts London  und The Ruskin School of Drawing and Fine Art, Oxford University.

Termin: Eröffnung am 9. Oktober um 19.00 Uhr in der Galerie Doris Ghetta, Pontives St. Ulrich. Einführung: Sabine Gamper

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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