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100 Prozent optimistisch

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Die landwirtschaftlichen Genossenschaften bleiben zuversichtlich und gehen von guten Auszahlungspreisen aus. Der Blick auf Obst-, Milch- und Weinwirtschaft.

Das Geschäftsklima in der Südtiroler Landwirtschaft bleibt positiv. Im Jahr 2017 waren die Erzeugerpreise bei fast allen Genossenschaften zumindest „befriedigend“, in etwa 40 Prozent der Fälle sogar „gut“. Im Hinblick auf 2018 ist die Stimmung leicht verhaltener, alle Befragten gehen aber weiterhin von zufriedenstellenden Auszahlungen aus.

Dies ergibt sich aus der Frühjahrsausgabe des Wirtschaftsbarometers vom Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) der Handelskammer Bozen.

Die Stimmung ist vor allem in der Weinwirtschaft optimistisch. Im vergangenen Jahr konnten drei Viertel der Kellereien ihren Umsatz steigern, mit besonders guten Verkaufszahlen in Südtirol und in Italien. Auch die Exporte entwickelten sich positiv. Alle Weingenossenschaften konnten somit „befriedigende“ – in den meisten Fällen „gute“ – Auszahlungspreise an die Winzer gewährleisten.

Darüber hinaus wurde verstärkt investiert, insbesondere in Maschinen und Bauten. Die Weinlese war aufgrund Spätfrost- und Hagelschäden um etwa 20 Prozent geringer als in den Vorjahren, die Qualität wird aber von den Kellermeistern positiv bewertet, was auch für 2018 befriedigende bis gute Auszahlungspreise erhoffen lässt. Einige Sorgen bereiten hingegen die steigenden Betriebskosten.

Das Geschäftsklima ist auch in der Milchwirtschaft positiv: Die Hälfte der Milchhöfe und Sennereien bewertet die Auszahlungspreise im Jahr 2017 als „gut“, die andere Hälfte immerhin als „befriedigend“.

Der Südtiroler Markt entwickelte sich sehr günstig, und der Absatz konnte auch auf dem italienischen Markt erhöht werden. Die Steigerung der Verkaufspreise konnte die wachsenden Produktionskosten wettmachen und die Rentabilität wurde erhalten. Auch die Investitionen haben bei fast allen Milchgenossenschaften zugenommen.

Für 2018 erwartet man ein weiteres Wachstum der Umsätze, vor allem in Italien, und die Auszahlungspreise an die Milchbauern dürften befriedigend ausfallen.

In der Obstwirtschaft ist das Geschäftsklima etwas verhaltener, denn die letzten Jahre waren von verschiedenen Problemen gekennzeichnet, die die Apfelpreise stark gedrückt haben: von der Überproduktion in Europa, dem russischen Embargo, bis hin zu den Krisen in Nordafrika.

Die Auszahlungspreise an die Obstbauern im Jahr 2017 werden zwar von fast allen Genossenschaften positiv bewertet, allerdings nur selten als „gut“. In den letzten zwölf Monaten sind aber die Marktpreise deutlich angestiegen, weil die Ernte 2017 europaweit durch Spätfröste erheblich beeinträchtigt wurde.

Auch in Südtirol verursachten Frost und Hagel Ernteausfälle, mit einer Produktionsreduzierung von etwa 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Vermarktung läuft aber aufgrund des reduzierten Angebots gut und derzeit liegen die Lagerbestände um die Hälfte unter dem Niveau des Vorjahres. Daher gehen heuer alle Genossenschaften von (mindestens) befriedigenden Auszahlungspreisen aus.

Die Reaktionen

Handelskammerpräsident Michl Ebner unterstreicht die Wichtigkeit von gezielten Informationsaktionen: „Die Bevölkerung soll für hochwertige landwirtschaftliche Produkte sensibilisiert werden. Die italienischen Handelskammern unterstützen zum Beispiel das Programm ‚Latte nelle scuole‘, mit dem Schülern in ganz Italien Milchprodukte angeboten werden.“

Leo Tiefenthaler, Obmann des Südtiroler Bauernbundes und der Kellerei Tramin, sagt:

„Die Genossenschaften sind für die bäuerlichen Betriebe von enormer Bedeutung. Daher bin ich mit dem Ausblick der Verantwortlichen, die natürlich den besten Einblick in den Marktverlauf haben, sehr zufrieden. Erfreulich ist, dass auch die Obstgenossenschaften, die schwierige Vermarktungsjahre hinter sich haben, von besseren Preisen ausgehen. Die Milchhöfe und Kellereigenossenschaften sehen die Zukunft ebenfalls positiv.“

Georg Kössler, Obmann des Südtiroler Apfelkonsortiums:

„Aufgrund der Ausdehnung der Apfelanbauflächen – nicht nur im gesamten EU-Raum sondern auch außerhalb – sieht sich der Apfel aus Südtirol auf den Märkten mit zunehmender Konkurrenz konfrontiert. Dies beeinflusst das Preisgefüge natürlich wesentlich. Aufgrund der niedrigen Erntemengen im Jahre 2017 ist die laufende Vermarktungssaison allerdings absolut atypisch: Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem. Dies wird sich in jedem Fall stark auf die Auszahlungspreise auswirken.“

Joachim Reinalter, Obmann des Sennereiverbandes:

„Unser Ziel ist es, den Mehrwert der Südtiroler Milchprodukte verstärkt hervorzuheben. Nur so gibt es eine Chance, auf dem italienischen Markt jenen Milchpreis zu erwirtschaften, der die erschwerten Produktionsbedingungen der Landwirte abgilt. Das Erfolgsrezept liegt weiterhin in der Nachhaltigkeit und in der Konzentration auf Qualität.“

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