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Die DNA-Spur

Der Mörder des Spatzen-Managers Karl Heinz Gross hat offenbar seinen genetischen Fingerabdruck am Tatort hinterlassen. Führen vier Haare nach 20 Jahren endlich zum Täter?

von Artur Oberhofer

Den Tag wird Stefan Gross nie vergessen.

Am Morgen des 7. März 1998 lag der achtjährige Bub im Bett, als sein großer Bruder weinend ins Zimmer kam. Stefan Gross frage den Bruder, was los sei. „Schlaf weiter“, lautete die Antwort.

Kurz darauf erfuhr Stefan Gross: Sein Vater Karl Heinz ist tot. Vermutlich ein Mord. „Die Nachricht riss mir den Boden unter den Füßen weg“, so Stefan Gross zum „stern“.

Fast 20 Jahre sind seit dem Mord von Magdeburg vergangen. Der oder die Täter, die für den Tod des damals 38-jährigen Managers der Kastelruther Spatzen verantwortlich sind, laufen noch immer frei herum. „Es sind noch immer viel zu viele Fragen offen“, bedauert Albin Gross, der Keyboarder der Spatzen und Bruder des Opfers.

So wie die Witwe von Karl Heinz Gross und die vier Kinder des getöteten Spatzen-Managers hoffen auch die Kastelruther Spatzen noch immer, dass der Fall irgendwann aufgeklärt werden kann. „Es ist zwar viel Zeit vergangen“, sagt Albin Gross, „aber man hört immer wieder von Mordfällen, die nach Jahrzehnten aufgeklärt werden können.“

Der mysteriöse Tod von Karl Heinz Gross im März 1998 in Magdeburg wurde am Mittwoch in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst?“ rekonstruiert (siehe dazu den eigenen Info-Kasten). Es sieht nicht danach aus, dass unter den 15 eingegangenen Hinweisen der entscheidende dabei gewesen wäre.

Dennoch gibt es einen Paukenschlag!

Nach Informationen der TAGESZEITUNG gibt es im Fall Karl Heinz Gross eine DNA-Spur, die zum Täter führen konnte.

Dabei handelt es sich um vier Haare, die am Mantel des Opfers gesichert wurden.

Es könnte also sein, dass der Täter seinen genetischen Fingerabdruck am Tatort bzw. an Kleidungsstücken des Opfers hinterlassen hat.

Sicher ist: Die vier Haare stammen weder von den Mitarbeitern der Kfz-Werkstätte in Magdeburg-Rothensee, in der Karl Heinz Gross am 6. März 1998 seinen Transporter reparieren ließ, noch von den Mitgliedern des Rettungsteams, das auf der Steinkopfinsel den schwerstverletzten Karl Heinz Gross versorgte.

Die inzwischen aufgelöste „SoKo Spatz“ hat seinerzeit 800 Personen befragt, gegen fünf Verdächtige wurden intensiv ermittelt. Ohne Ergebnis.

Auch ein Abgleich der am Tatort gesicherten DNA mit den DNA-Profilen, die in der DNA-Analyse-Datenbank (DAD) des deutschen Bundeskriminalamtes zentral aufbewahrt werden, erbrachte kein Ergebnis.

Die Tatsache, dass sie im Besitz von DNA-Spurenmaterial ist, das vom Täter stammen könnte, war auch der Grund, warum sich die Magdeburger Polizei jetzt an „Aktenzeichen XY“ gewandt hat. Denn selbst das beste DNA-Spurenmaterial nützt den Mordermittlern nichts, wenn sie keinen Verdächtigen haben, dem sie die DNA-Spur zuordnen können.

Das Ziel der Fahnder: Sie möchten Licht in die 118 entscheidenden Minuten bringen.

Am frühen Nachmittag des 6. März 1998 brachte Karl Heinz Gross seinen Wagen in die Werkstatt. Um 16.37 Uhr telefonierte er mit seinem Bruder Albin, dabei schimpfte er über die Mechaniker. Gegen 17.00 Uhr versuchte Karl Heinz Gross seine Frau anzurufen. Erfolglos. Um 18.15 Uhr fand ein Lkw-Fahrer den stark blutenden Karl Heinz Gross in einer verlassenen Lagerhalle.

Was ist in diesen 118 Minuten passiert?

Der Regen zerstörte leider viele Spuren! Reifenspuren. Schuhabdrücke.

Die Polizei geht davon aus, dass die Person, die Karl Heinz Gross auf die Steinkopfinsel gebracht hat, ortskundig war. „Kein Mensch geht hier entlang, wenn er nicht muss“, so heißt es.

Ein Raubüberfall scheidet als Tatmotiv aus. Karl Heinz Gross hatte 7.000 D-Mark bei sich. Schmuck. Ein modernes Mobiltelefon.

Vielleicht findet sich nach 20 Jahren ein Verdächtiger, der einem DNA-Test unterzogen werden kann.

Obwohl die Spatzen eine Belohnung von 50.000 Euro ausgesetzt haben, gab es bislang keinen goldenen Tipp.

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