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„Stocker hat keinen Finger gerührt“

„Stocker hat keinen Finger gerührt“

Der SVP-Abgeordnete Albrecht Plangger gibt die Geburtenstation von Sterzing noch nicht auf und kündigt eine Gegenoffensive an: „Sonst wird Schlanders auch noch zugesperrt.“

Tageszeitung: Herr Plangger, die Parteispitze fordert Sie auf, damit aufzuhören, in Rom gegen die Landesregierung zu arbeiten …

Albrecht Plangger: Die Landesregierung hat sich dazu entschieden, bei der Schließung der Geburtenstationen alleine durchzumarschieren. Das lassen wir uns nicht gefallen. Ich bin der festen Überzeugung, dass hier noch längst nicht alle Mittel ausgeschöpft wurden.

Das heißt?

Ich bin gerade im Zug auf den Weg nach Florenz. Noch heute (am Donnerstag, A.d.R.) treffe ich mich mit dem Generaldirektor des Sanitätsbetriebs der Toskana, um die Situation zu besprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Wir müssen uns mit den Regionen zusammenschließen, die dasselbe Problem wie wir haben: mit dem Trentino, der Lombardei, dem Veneto und mit der Toskana. Alle diese Regionen finden keine Doktoren.

Und müssen deshalb einige Ihrer Geburtenstationen schließen?

Dabei haben wir kein Sicherheitsproblem. Diese Regionen sind nicht mit Sizilien zu vergleichen, wo 90 Prozent der Kinder per Kaiserschnitt geboren werden. Es ist die Aufgabe der Politik, im Interesse der Bevölkerung zu arbeiten. Bei den Geburtenstationen wurde viel zu wenig getan. Nur der Landeshauptmann hat etwas getan – Martha Stocker aber hat keinen Finger gerührt. Die Unsicherheit wird weiter zunehmen. Wenn wir jetzt nichts unternehmen, dann wird mit demselben Argument auch Schlanders zugesperrt. Denn in drei, vier Monaten haben wir dort das gleiche Problem mit den Ärzten. 

Die Richtlinien der Staat-Regionen-Konferenz sehen den 24-Stunden-Dienst von vier Fachärzten vor …

In Sterzing und Schlanders wird dieser Dienst gewährleistet. Ich sehe das Problem, das jetzt ins Feld geführt wird, also gar nicht. Die Fachärzte stehen bei uns rund um die Uhr auf Abruf bereit. Es kann sein, dass sie sich zu bestimmten Stunden im Labor oder in einer anderen Abteilung aufhalten. Aber wenn sie gebraucht werden, sind sie sofort zur Stelle. Das müssen wir gegenüber Rom auch klar zum Ausdruck bringen – dafür haben wir die Autonomie. Wir können uns nicht mit der Region Sizilien vergleichen, wo es eine hohe Sterblichkeit gibt, weswegen diese Kriterien überhaupt erst eingeführt wurden. Bei uns hat es bei den Geburten nie gehapert. Wir setzen die Kriterien zu 120 Prozent um. In Sizilien fehlen die Ärzte auch – aber man behauptet einfach, dass man sie hat. Wenn wir die Geburtenstationen schließen, dann kostet uns das ein Schweinegeld. Nehmen Sie nur das Krankenhaus Cavalese als Beispiel: Die Menschen in den Talschaften sind zwei Stunden vom nächsten Krankenhaus entfernt. Wenn wir die Geburtenstation in Cavalese schließen, kostet uns das unterm Strich mehr, als wenn wir sie offenlassen.

Interview: Matthias Kofler

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