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Promillefreie Zone

In Südtirol wurden 2014 insgesamt 639 Führerscheine wegen Trunkenheit am Steuer entzogen. 2008 waren es noch 1.160.

„Die Prävention ist die erste und wichtigste Maßnahme, um Alkoholproblemen entgegen zu wirken“, unterstrich Gesundheitslandesrätin Martha Stocker am Donnerstag auf einer Medienkonferenz. Diese hätten nicht nur einen Einfluss auf einzelne Menschen, sondern auf das gesamte Gesundheitssystem.

„Dank medialer Kampagnen und einer guten Netzwerkarbeit kann es gelingen, die Bevölkerung für einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zu sensibilisieren“, so Stocker.

Dies zeigten laut der Landesrätin auch die aktuellen Zahlen:

So wurden im vergangenen Jahr 2014 in Südtirol insgesamt 638 Führerscheine wegen Trunkenheit am Steuer entzogen, weniger als in den Jahren davor (1.160 im Jahr 2008 und 750 im Jahr 2013). „Wer unter Alkoholeinfluss fährt, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern gleichzeitig auch seine Mitfahrer und andere Verkehrsteilnehmer“, machte Gesundheitslandesrätin Stocker bewusst.

Der Leiter des Forum Prävention, Peter Koler, erläuterte Zielsetzungen, Schwerpunkte und Inhalte der neu aufgelegten Kampagne, die am 30. Oktober startet.

„Wer fährt, trinkt nicht“, „Null Alkohol weniger Risiko“, „Danke fürs verantwortungsvolle Fahren“ und „„Promillefreie Zone“ sind dabei die Aussagen, die mittels Straßenschildern, auf öffentlichen Bussen, mit Radiospots, Webbbanner und über die sozialen Netzwerke bis zum Frühjahr 2016 kommuniziert werden.

Die Pressekonferenz der Landesrätin mit den Experten am Donnerstag in Bozen

Die Pressekonferenz der Landesrätin mit den Experten am Donnerstag in Bozen

Koler verwies auch auf bereits gestartete und parallel weitergeführte Initiativen des Forums Prävention zum Thema Alkohol wie etwa die „10 Punkte für Feiern mit Niveau“ in Zusammenarbeit mit den Gemeinden, den Maturaballwettbewerb und die Freizeitprojekte „Af Zack“.

Dabei rief Koler die Grundhaltungen und Zielsetzungen der Prävention in Erinnerung.

Dazu gehört es Trinkmuster zu fördern, die das individuelle Risiko sowie die schädlichen Folgen für die unmittelbare Lebensumwelt und für die Gesellschaft mindern.

Auch soll schädlicher Alkoholkonsum durch Grenzmengeempfehlungen und die Förderung der sogenannten „Punkt-Nüchternheit“ verringert werden, sprich die Empfehlung in bestimmten Situationen wie etwa im Straßenverkehr nicht zu trinken.

„18,5 Prozent der Südtiroler trinken täglich Alkohol: Damit liegen wir unter dem gesamtstaatlichen Durchschnitt“, so Koler. in Problem stelle jedoch das so genannte Binge Drinking dar: der Konsum von mehr als fünf Alkoholeinheiten pro Gelegenheit. „Mehr als um die Zahlen geht es darum, Jugendlichen Räume und Zeiten des Gebraucht-Werdens und des Sich-sinnvoll-eingringen-Könnens zu bieten, wo sie Erfolg und Anerkennung erfahren“, unterstrich Koler bei der heutigen Medienkonferenz.

Der Psychiater und Psychotherapeut des Dienstes für Abhängigkeitserkrankungen des Gesundheitsbezirks Bozen, Verantwortlicher der Einrichtung „Territoriale Alkohologie“ und klinischer Verantwortlicher des Ambulatoriums „Hands“, Alberto Degiorgis, beleuchtete das Thema aus medizinischer Sicht.

Degiorgis wies unter anderem darauf hin, dass die Menge des Alkohols in einem Glas Bier, Wein oder Schnaps immer dieselbe sein.

Ein Konsum mit so genanntem niederem Risiko umfasse dabei zwei bis drei Alkoholeinheiten für die Männer und ein bis zwei für die Frauen täglich an maximal fünf Tagen in der Woche.

„Mehr als 3000 Menschen mit Alkoholproblemen haben sich im vergangenen Jahr an Südtiroler Gesundheitseinrichtungen gewandt – eine relativ stabile Zahl“, erklärte Degiorgis.

Der Trend der vergangenen Jahre zeigt laut Degiorgis, dass Jugendliche immer früher Alkohol konsumieren sowie einen Anstieg des gefährlichen Konsums außerhalb des Essens. Der Arzt ging auch auf die Unterschiede zwischen Frauen und Männern ein.

„Bei Frauen handelt es sich meist um eine stille und leise Abhängigkeit“, so Degiorgis.

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