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Verbotenes Konzert

Der Bozner Bürgermeister Renzo Caramaschi verbietet (spät) ein Konzert der neofaschistischen Band „Compagnia dell’anello“ auf Schloss Runkelstein. Die Schlösserstiftung machte dabei keine gute Figur.

von Thomas Vikoler

Die Gruppe „Compagnia dell´anello“ mit Sitz in Padua gibt es sei 40 Jahren. Sie hat nie einen Hit gelandet, was auch besser so ist. Denn die Band, die ihren Namen vom Fantasy-Roman „Herr der Ringe“ ableitet, ist von ausgewiesen faschistischer Gesinnung. Laut eignem Bekenntnis wurde sie deshalb gegründet, weil ansonsten für Faschisten niemand singen würde.

Hätte die Antifa Meran nicht am Freitag auf das für kommenden Samstag auf Schloss Runkelstein geplante Konzert der „Compagnia dell´anello“ hingewiesen, wäre wohl Folgendes passiert: Ein Aufmarsch von Neofaschisten auf der Bilderburg, möglicherweise mit linker Gegendemo. Oder, wie vor einem Konzert der Band am 25. April 2017, in Mailand ein kollektiver römischer Gruß aller Besucher

Doch das wird es, zum Segen der Stadt, alles nicht geben: Bozens Bürgermeister Renzo Caramaschi hat am Samstag – über den zuständigen Vizebürgermeister Christoph Baur – die gemeindeeigene Schlösserstiftung angewiesen, das Konzert abzusagen.

„Da ist wohl etwas schiefgelaufen“, kommentierte Caramaschi gestern.

Am 3. April hatte ein „Kulturverein“ namens Casaitalia bei der Schlösserstiftung ein Ansuchen für eine Diskussionsveranstaltung (Titel: „Le stanze dell’ Occidente“) und ein Konzert der „Compagnia“ gestellt. Unterzeichner des Antrags: Mirko Gasperi, bekannter Exponent der faschistischen Casapound in Bozen. Davor gab es einen Besuch von Casapound-Exponenten auf Runkelstein, bei dem auch der Gemeinderat Andrea Bonazza anwesend war. „Sie wirkten sehr passioniert und zeigten großes Interesse an den Fresken“, erinnert sich Schlösserstiftungs-Präsident Helmut Rizzolli.

Doch Verdacht, dass das Konzert am 28. April zu einem Faschisten-Treffen werden könnte, schöpfte der frühere Stadtrat laut eigenem Bekunden nicht. „Wir können ja nicht bei jedem Verein, der bei uns ansucht, das Statut verlangen“, rechtfertigt sich Rizzolli.

Dabei hätte eine kurze Internet-Recherche genügt, um zu erfahren, aus welchem Holz die Organisatoren und die eingeladene Band geschnitzt sind. Bekennende Faschisten – Fantasy-Affinität hin oder her.

Inzwischen wurde dem ansuchenden Verein mitgeteilt, dass das Konzert aus Gründen der öffentlichen Sicherheit nicht stattfinden könne. Ebenso zog die Gemeinde Ritten, zu der Schloss Runkelstein gehört, die Lizenz für die Veranstaltung zurück.

Antifa Meran hatte das Konzert als einen „weiteren Versuch der Neofaschisten, durch ein auf den ersten Blick harmloses Musikfest rechtsextreme Propaganda zu betreiben“ bezeichnet.

Das wirkte offenbar – jedenfalls bei Bürgermeister Caramaschi.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (3)

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  • wollpertinger

    Vom Internet-Auftritt der Südtiroler Tageszeitung erwarte ich mir selbstverständlich kein perfektes Deutsch, hat ja schon die gedruckte Ausgabe ihre liebe Mühe mit so unbekannten Begriffen wie Rechtschreibung, Grammatik, Satzlehre usw. Trotzdem möchte ich darauf hinweisen, dass ein „verbotenes Konzert“ ein Konzert ist, das trotz Verbotes stattgefunden hat, während im Falles eines Konzertes, das wegen eines Verbotes nicht stattfinden konnte, die richtige Schlagzeile lauten müsste „Konzert verboten“. Ich schreibe dies nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einem nachsichtigen Lächeln und der Hoffnung, dass man sich mindestens bei der tz doch ein wenig auf die Regeln der deutschen Sprache besinnen möchte. Bei STOL und Südtirol News ist eine solche Hoffnung ja leider aussichtslos, aber vielleicht versucht man mindestens bei der tz, etwas besser als die schwache Konkurrenz zu sein.

  • andreas

    „Verbotenes Konzert“ als Titel ist richtig.
    Ein Konzert, welches verboten wurde.

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