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Der 60-Milliarden-Euro-Deal

Die Fusion der beiden Agrarkonzerne Bayer und Monsanto wird heftig kritisiert: EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann erklärt, welche Folgen die Fusion haben könnte und ob die EU dieses Vorhaben noch verhindern kann.

TAGESZEITUNG Online: Herr Dorfmann, die EU-Kommission will den Milliarden-Deal zwischen Monsanto und Bayer genau überprüfen. Was denken Sie über diese Fusion?

Herbert Dorfmann: Die Übernahme von Monsanto durch Bayer ist eine sehr große Fusion, doch ähnliche Fusionen finden öfters statt. Es ist allerdings so, dass gerade im Bereich der Agrarchemie in letzter Zeit viele Fusionen zwischen großen Betrieben stattgefunden haben. Die Zweifel, ob die Fusion kartellrechtlich in Ordnung ist, sind verständlich, denn wenn solche Giganten entstehen, ist die Frage, ob der Wettbewerb noch gegeben ist, berechtigt. Doch es geht nicht nur um die Fusion von Bayer und Monsanto, es geht auch um den Zusammenschluss weiterer Konzerne. Dieser Sektor reduziert sich somit auf sehr wenig Anbieter weltweit.

Inwiefern?

Mit immer weniger Anbietern ist die Gefahr für Wettbewerbsverzerrungen groß. Für den Wettbewerb ist diese Fusion sicherlich keine positive Entwicklung, weder für die Bauern, welche die Produkte kaufen müssen, noch für die Verbraucher. Es ist begründet, dass die EU-Kommission mit der zuständigen Kommissarin Margrethe Vestager diese Fusion genau überprüfen will, denn das ist eine der Aufgaben der Europäischen Union.

Warum konsolidiert sich zurzeit der Agrarchemie-Bereich auf einige wenige Unternehmen?

Man muss wissen, dass vor allem im Bereich der Pflanzenschutzmittel die Hürde für die Neuzulassung von Produkten so hoch und so teuer ist, dass sich das nur mehr riesige Unternehmen leisten können. Diese hohen Zugangsschwellen sind im Interesse der Verbraucher. Sogar die Zulassung von neuen Medikamenten ist einfacher als die Neuzulassung von Pflanzenschutzmitteln. Deswegen konzentriert sich der Agrarchemie-Markt zunehmend, mit der Folge, dass einige wenige Unternehmen seit etwa zehn Jahren ständig wachsen.

Warum will die Europäische Kommission die Übernahme von Monsanto durch Bayer prüfen?

Die Wettbewerbshüter der Europäischen Union müssen jede größere Fusion genauer kontrollieren, bei der Zweifel bestehen, ob die Wettbewerbsregeln eingehalten werden. Bei Monsanto und Bayer reden wir immerhin von einer Fusion der zwei größten Anbieter im Agrarchemie-Bereich, die jährlich einen Umsatz von über 20 Milliarden Euro und einen Übernahmewert von 60 Milliarden Euro haben. Die Kommission hat Bedenken, dass die Übernahme zu höheren Preisen, einer geringeren Qualität, weniger Auswahl und geringerer Innovation führen könnte. Sie überprüft deshalb, ob der Wettbewerb in den verschiedenen Bereichen noch gegeben ist und die Bauern nicht ein paar riesigen Konzernen ausgesetzt sind.

Wie kann die Europäische Union eingreifen?

Die EU muss der Fusion zustimmen. Ohne die Zustimmung der Europäischen Union und der Wettbewerbsbehörde darf die Fusion nicht stattfinden. Bei der Fusion der Chemieunternehmen Dow Chemical und DuPont etwa, die erst vor Kurzem stattgefunden hat, hat es mehrere Auflagen vonseiten der EU gegeben, sodass Teile des Konzerns abgestoßen werden mussten. Ich gehe davon aus, dass es beim Zusammenschluss von Bayer und Monsanto nicht zu einem totalen Zusammenschluss kommen wird, Teile des Konzerns werden wahrscheinlich beiden Seiten abstoßen und verkauft müssen, um den Wettbewerb weiterhin garantieren zu können.

Wie geht die Kartellbehörde bei der Überprüfung vor?

Es geht darum zu prüfen, welchen Marktanteil das neue Unternehmen auf den Märkten in ganz Europa einnehmen würde. Die Kartellbehörde untersucht, ob die Marktbeherrschung problematisch werden könnte. Es gibt einen Richtwert, der besagt, dass kein Unternehmen über 40 Prozent des Gesamtumsatzes in einem Sektor haben darf. Sonst kommt der Verdacht auf, dass Oligopole entstehen, wo sich wenige Unternehmen den Markt aufteilen.

Könnte die Europäische Union eine Fusion verhindern?

Die EU-Kommission hat zwar die Macht, den Zusammenschluss zu verhindern, doch es wird nicht passieren. Bei solchen Verfahren kommt es meist dazu, dass den Unternehmen Auflagen vorgeschrieben werden, beispielsweise, dass bestimmte Sektoren nicht fusioniert werden dürfen. Das bedeutet für die betroffenen Unternehmen dann, dass sie diese Sektoren oder Teile des Unternehmens weiterverkaufen müssen.

Eine Fusion von Bayer und Monsanto wird also zustande kommen?

Ja, davon gehe ich aus. Aber sie wird mit Auflagen der Wettbewerbshüter stattfinden.

Kritiker meinen, es sei offensichtlich, dass eine Fusion der beiden Agrarchemie-Konzerne Bayer und Monsanto den Wettbewerb einschränken wird. Was sagen Sie dazu?

Man muss die Entwicklung im Ganzen sehen. Die weltweite Entwicklung auf dem Agrarmarkt ist besorgniserregend. Wir haben weniger als eine Handvoll großer Anbieter und es besteht die Gefahr, dass sowohl Forschung und Entwicklung, als auch Produktpreise beeinflusst werden. Für diese Entwicklung gibt es viele Ursachen, vor allem muss man sagen, dass diese Branche viel weniger rentabel ist als die Branche der Medikamente, wo diese Unternehmen ja auch tätig sind. Es wird viel mehr Geld in die Entwicklung von Medikamenten gesteckt, weil der Markt einfach rentabler ist. Am Agrarchemie-Markt gibt es im Bereich der Pflanzenschutzmittel seit Jahren kaum neue Entwicklungen. Ich bin überzeugt davon, dass das weder für die Bauern, noch für die Konsumenten eine positive Entwicklung ist.

Interview: Silvia Santandrea

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (6)

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  • checker

    Ach hören Sie auf, als kleiner Provinzpolitiker, hier Lobbyarbeit für ein paar Grosskonzerne zu betreiben. Solche Fusionen sind immer schlecht für den Verbraucher, das Gefasel der angeblichen Neuentwicklungen die wir brauchen ist Schafskäse. Es soll noch angemerkt werden, dass leider jetzt schon beide Firmen mehr oder weniger dieselben Shareholder haben.
    Die SVP sollte Dorfmann hier massregeln, als kleine Provinz hat man hier keine Lobbyarbeit fûr Grosskonzerne zu betreiben.
    Dies ist fehlgeleitete Politik für unser Land

  • andreas

    Monsanto ist der Hersteller von Glyphosat, einer der meist gehassten Konzerne weltweit und direkt und indirekt für den Tod einiger Bauern verantwortlich, entweder durch den Einsatz ihrer Mittel oder dadurch, dass sie Bauern von ihrem Saatgut abhängig gemacht haben, diese es sich nicht mehr leisten konnten und Suizid begangen haben.

    Merkel ist für die Verlängerung der Genehmigung für Glyphosat, was, wie bei der Autoindustrie, typischer Protektionismus ist.

    @checker
    Wen außer dich interessiert eigentlich die Meinung eines Dorfmann zu diesem Thema?
    Diese Fusion wird weder Dorfmann, noch wird sie in der Parteizentrale der SVP entschieden.

  • morgenstern

    Herr Dorfmann, dieser Hauch an Kompetenz kann ihrer Ahnungslosigkeit nicht gefährlich werden.

  • realist

    Die Glyphosat-Problematik zeigt eindeutig die Macht der Konzerne auf.
    Trotz Alternativen wird so ein umstrittenes Herbizid weiter zugelassen
    Nur die Konzentration auf noch mehr Macht, bewirkt eine solche Fusion.
    Denn beide Konzerne sind wirtschaftlich gesehen eine der erfolgreichsten weltweit.
    Wenn die Macht (zb. bei Glyphosat) so weit reicht, dass die Politik den kürzeren ziehen „muß“

    Warum sollte dann noch so ein Konzern überdurchschnittlich viel Geld in die weitere Forschung u. Entwicklung stecken, wenn sie ohnehin fast alles bestimmen.
    Trotz großer bedenken.

    Das Resultat dieser Fusion:
    Unterm Strich weniger Investitionen.
    Mehr Gewinn auf Kosten anderer.

  • rota

    Damit es ein für allemal klar ist: die Laimburg ist keine Geschäftsstelle für Monsanto und Syngenta oder Bayer und im Felsenkeller befindet sich kein Depot dieser Firmen. Genauso wenig machen SVP Politiker Werbung für diese Firmen oder irgendwelche Freihandelsabkommen wie CETA TTIP. Und der Bischof ruft nur auf die 10 Gebote einzuhalten.

  • meintag

    Und unsere „selbständigen“ Bauern müssen den Dreck ausbringen und sind stolz darauf Sklaven einer Massenmörder Industrie anzugehören.

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