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    „Volle Wahlfreiheit“

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    2016 haben 1000 Arbeitnehmerinnen nach Ende der gesetzlichen Mutterschaft gekündigt, weil sich die Bedürfnisse am Arbeitsplatz mit jenen zuhause nicht vereinbaren ließen.

    Eltern sollen die volle Wahlfreiheit haben und sich – möglichst ohne Nachteile – für ein Familienmodell entscheiden können.

    Auf dieses Ziel arbeiten mehr als ein Dutzend Familienorganisationen im vom ASGB ins Leben gerufenen Forum Zukunft Kind zusammen.

    Vor kurzem hat sich das Forum mit Gleichstellungsrätin Michela Morandini zu einem Gedankenaustausch getroffen.

    Wie kann der gesellschaftliche Wert von Familie gesteigert werden? Wie schafft man für Eltern volle Wahlfreiheit? Wie kann man ihren Bedürfnissen entgegenkommen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Gesprächs zwischen Vertretern des Forums und Gleichstellungsrätin Morandini, die berichtete, dass ein großer Teil der bei ihr eingehenden Anfragen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf betreffe. So fürchteten viele Neo-Eltern einen Karriereknick, wenn sie sich für eine Elternzeit entscheiden.

    „Wenn eine Auszeit für die Familie als Entscheidung gegen den Arbeitgeber gesehen wird, dann hat Familienarbeit noch nicht den gesellschaftlichen Stellenwert, den sie sich verdient“, heißt es aus dem Forum, das deshalb eine breit angelegte Sensibilisierungsarbeit in diesem Sinne fordert.

    Für immer mehr Eltern gehe die Entscheidung für die Familie sogar mit dem Verlust des Jobs einher. „2016 haben 1000 Arbeitnehmerinnen nach Ende der gesetzlichen Mutterschaft gekündigt, weil sich die Bedürfnisse am Arbeitsplatz mit jenen zuhause nicht vereinbaren ließen“, erklärt der ASGB-Vorsitzende Tony Tschenett. Er hat am Montag erneut den Vorschlag lanciert, der Staat solle für diese Eltern zwei Jahre lang die Kosten übernehmen, die sie im Unternehmen verursachten, anstatt Arbeitslosengeld auszuzahlen. „Verknüpft mit einer Arbeitsplatzgarantie würde man so den Wiedereinstieg ermöglichen“, so Tschenett.

    Einig sind sich Gleichstellungsrätin und Forum Zukunft Kind darüber, dass derzeit noch zu wenig über alternative Arbeitsmodelle nachgedacht werde, die den Bedürfnissen der Eltern entgegenkommen. „Auch das ist eine Frage der Kultur und der Wertschätzung der Familie“, so das Forum. Alle gesellschaftlichen Kräfte müssten gemeinsam ein neues Denken entwickeln, nicht zuletzt, indem man Best-Practice-Beispiele einem breiten Publikum vorstelle. So könne man zeigen, dass Familienfreundlichkeit einen – auch wirtschaftlichen – Mehrwert darstelle.

    Das Forum Zukunft Kind ist Mitte Oktober 2016 vom ASGB ins Leben gerufen worden und umfasst mehr als ein Dutzend Organisationen, Vereine und Verbände, die sich in Südtirol mit Erziehung, Bildung und Familie befassen. Im Forum wird darüber nachgedacht, wie Bildungs-, Erziehungs- und Familienarbeit, Bildungs- und Familienpolitik gestaltet werden müssen, um den Familien in Südtirol bestmögliche Chancen zu bieten und ihnen gesellschaftlich zu jener Bedeutung zu verhelfen, die sie tatsächlich haben.

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