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    Wundermittel Cannabis?

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    Viele Ärzte zögern bei der Verschreibung von medizinischem Cannabis. Ein Zögern ohne Grund? Verena Mutschlechner hat bislang etwa 80 Patienten Cannabis verschrieben und ist überzeugt, deren Lebensqualität damit erhöht zu haben.

    TAGESZEITUNG Online: Frau Mutschlechner, warum ist Cannabis für die Medizin so bedeutend?

    Verena Mutschlechner: Cannabis ist eine Pflanze, die über 100 Wirkstoffe, die sogenannten Cannabinoide, viele Terpene, also ätherische Öle, und auch Chlorophyll besitzt. Anders als Medikamente, hat jede Pflanze viele verschiedene Wirkstoffe. Die zwei medizinisch interessantesten Wirkstoffe von Cannabis sind Tetrahydrocannabinol, bekannt als THC und Cannabidiol.

    Verena Mutschlechner

    Welche Wirkung haben THC und CBD?

    Der Wirkstoff THC ist psychoaktiv. Er kann zu Stimmungsaufhellungen führen, aber auch Ängste verstärken und Panikattacken hervorrufen. Außerdem ist THC stark appetitanregend und wirkt gegen Brechreiz, deshalb wird Hanf oft bei schweren Erkrankungen wie Magersucht verschrieben. Der zweite Wirkstoff ist Cannabidiol ist im Industriehanf enthalten und hat keine psychoaktive Wirkung. Er wirkt gegen Entzündungen, schmerzstillend, und bei Schizophrenie beispielsweise stark beruhigend.

    Bei welchen Krankheiten wird Cannabis verschrieben?

    Das Gesundheitsministerium akzeptiert die Verschreibung von Cannabis bei folgenden Krankheiten: Neurodegenerative Erkrankungen, die mit Schmerzen und Spastizität verbunden sind, wie beispielsweise Multiple Sklerose, bei chronischen Schmerzpatienten, die auf übliche Schmerzmittel nicht ansprechen, bei Krebspatienten, die sich einer Chemo- oder Strahlentherapie unterziehen, um den Appetit anzuregen, und bei sehr schweren Erkrankungen wie Magersucht, um den Appetit anzuregen und auch bei Glaukom.

     

    Kann sich jeder Patient eine Therapie mit Cannabis leisten?

    Nein, die Patienten, die nach Cannabis fragen, haben meistens einen sehr hohen Leidensdruck und sehr schwere Erkrankungen. Die Therapie ist sehr kostenaufwändig, da sie nur in Einzelfällen von der Krankenkassa bezahlt wird. Jeder Patient muss sich in Südtirol selbst Cannabis in der Apotheke kaufen. Früher hat ein Gramm einer Cannabisblüte in der Apotheke bis zu 50 Euro gekostet, mittlerweile belaufen sich die Kosten auf etwa 18 bis 20 Euro pro Gramm.

    Wie sieht es mit der Kostenübernahme der Cannabis-Therapie in Südtirol aus?

    Jede Provinz kann selbstständig entscheiden, ob die Therapie-Kosten von der Krankenkassa übernommen werden oder nicht. In Südtirol werden die Therapie-Kosten einzelner Patienten, die an Multipler Sklerose leiden, von der Krankenkassa bezahlt. In Trient hingegen hat der Sanitätsbetrieb eine Million Euro zur Verfügung gestellt, um die Kosten von Cannabis bei Krebs- und Schmerzpatienten übernehmen zu können.

    Interview: Silvia Santandrea

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    Kommentare (2)

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    • watschi

      schon komisch, die heilpflanze cannabis ist verboten, nikotin (giftig) und alkohol (giftig) kann man an jeder ecke kaufen.

    • franz

      Die Heilpflanze Cannabis zu therapeutischen Zweck ist ja nicht verboten, wird sogar vom Milirär unter staatlicher Kontrolle angebaut bzw. mit Ärtzlicher Verschreibung verabreicht.
      “73,3 Prozent der Südtirol konsumiert mindestens ein Mal im Jahr Alkohol, damit ist Südtirol Spitzenreiter. Wie erklären Sie sich diesen Wert?“ […]
      Ich würde sagen, kommt auf der Menge an .
      Zu viel Alkohol ist sicher auch ein Problem was aber nicht heißt, dass Drogen nicht weniger schädlich sind bzw. in Südtirol mittlerweilen zum größeren Problem geworden ist.
      http://www.tageszeitung.it/2017/04/12/drogiertes-land/
      Auch weil zum Unterschied von Alkohol mit Maß, Drogen bereits bei geringen Mengen bedeutend gefährlicher sind, abhängig machen zu psychischen und physischen Schäden wie z. B bei Männern zu Unfruchtbarkeit führen.
      Im Gegensatz zu Alkohol brauchen Drogen außerdem längere Zeit um es im Körber abzubauen.
      Folgen-unteranderem die sogenannten LANGZEITWIRKUNGEN
      Abgesehen davon, dass im Gegensatz zu Drogen wie Cannabis -Marijuana und anderen Drogen, ein Glas Wein oder ein Bier zum Essen gesund ist und somit Sinn macht, was man bei Drogen nicht sagen kann.
      ( diesbezüglich ausgenommen sind natürlich Fahrzeuglenker, Jugendliche und Schwangere )

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