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    Abgetauchter Anwalt

     

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    Der Meraner Anwalt Thomas Ladurner kämpft am Bozner Landesgericht für seine Unschuld. Das Urteil soll am 15. Mai ergehen.

    von Thomas Vikoler

    Er war einmal ein Mann mit Einfluss in der Passerstadt Meran. Thomas Ladurner, 38, blieb einige Zeit nach seiner Verhaftung im Mai 2014 Präsident des SSV Meran. Nun sitzt Ladurner im Saal B des Bozner Tribunals und hört der Zeugenaussage seines ehemaligen Vorgesetzten Stefan Thurin zu. Ein Zeuge der Verteidigung.

    „Nach der Verhaftung war es für uns unvereinbar, dass Dr. Ladurner bei uns weiterarbeitete“, sagt der Zeuge, Sozius der Rechtsanwaltskanzlei Thurin, Zeller, Vinatzer in Meran. „Ich hatte seitdem keinen Kontakt mit ihm. Er ist regelrecht abgetaucht und arbeitet heute in einem kleinen Zimmer bei einem Notar“, berichtet Thurin.

    Ein offensichtlicher Abstieg, der offensichtlich mit dem laufenden Strafverfahren zusammenhängt. Dabei ist Ladurners Anwalt Fabrizio Francia überzeugt, dass sein Mandant zu allen sieben Anklagepunkten freigesprochen werden müsste. Wegen fehlender Schuldbeweise. Die Anklage gegen den früheren Sachwalter einer betagten Meranerin lautet auf Unterschlagung, Amtsmissbrauch, Falscherklärung und der Übervorteilung einer wehrlosen Person.

    Francia hinterlegte gestern einen Verfahrensakt aus dem Jahre 2009, mit dem die Unzuverlässigkeit der Belastungszeugin Olga Barisheva untermauert werden soll. Barisheva, die ukrainische Haushälterin der betagten Frau, hatte Ladurner in einer Strafanzeige schwer belastet – sich aber vor Gericht in zahlreiche Widersprüche verstrickt. Barisheva hat wegen desselben Falles bereits einen gerichtlichen Vergleich über ein Jahr und neun Monate Haft abgeschlossen und hält sich inzwischen in ihrem Herkunftsland auf.

    Worum geht es im alten Verfahrensakt? Um eine ähnliche Ermittlung wie jene gegen Ladurner, die aber wegen der erwiesenen „Unglaubwürdigkeit“ von Barishevas Aussagen eingestellt werden musste.

    Zeuge Thurin sagt vor Gericht, er habe Mitarbeiter Ladurner empfohlen, von Sachwalterschaften abzulassen. Diese seien in den meisten Fälle „defizitär“ für die Kanzlei.

    Die Beweisaufnahme im Prozess gegen Ladurner ist so gut wie abgeschlossen, das Urteil soll am 15. Mai ergehen.

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