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Glasfaser für alle

kompatscher-glasfaser-moserDie aus der Spaltung der Brennercom hervorgegangene Gesellschaft Infranet AG ist seit dem 1. Januar operativ. Dem fünfköpfigen Verwaltungsrat steht Philipp Moser als Präsident vor. Die Pläne sind groß.

von Heinrich Schwarz

Unter die Brennercom-Affäre wurde ein Schlussstrich gezogen, das Land kann sich jetzt voll auf seine ambitionierten Breitband-Pläne konzentrieren.

Zur Erinnerung: Im Sommer 2015 hatte die nun von der Athesia kontrollierte Brennercom AG das Land und die drei anderen öffentlichen Teilhaber – die Selfin, die Brennerautobahn AG und die Stadtwerke Brixen – aus der Gesellschaft geworfen. Es folgten fast 15 Monate lange Verhandlungen, ehe Ende September die Spaltung der Brennercom beschlossen wurde: Die Athesia bedient mit der Brennercom den Telekommunikationsbereich und setzt die Providertätigkeit fort, während sich die vier öffentlichen Teilhaber zu einer neuen Gesellschaft zusammenschließen und den Breitbandbereich übernehmen.

Die neue öffentliche Gesellschaft heißt Infranet AG, das Land ist mit einer Beteiligung von 83 Prozent Mehrheitsaktionär. Das buchhalterische Reinvermögen beträgt 19,76 Millionen Euro: 11,1 Millionen Euro setzen sich aus materiellen Gütern (Netze, Hardware, Anteile am Brennercom-Sitz) zusammen und 1,2 Millionen Euro aus immateriellen Gütern (Verträge, Lizenzen). Hinzu kommt eine Ausgleichszahlung der Brennercom von 7,5 Millionen Euro, die im Rahmen der Scheidung zwischen den Öffentlichen und den Privaten ausgehandelt wurde. Auch Personal geht an die Infranet über.

Die neue Gesellschaft ist seit dem 1. Januar 2017 operativ. Die Mitglieder des fünfköpfigen Verwaltungsrates sind bereits ausgewählt worden. Präsident ist Philipp Moser, IT-Unternehmer und bis vor kurzem Präsident des Südtiroler Wirtschaftsringes. Er wurde wie die Meraner Rechtsanwältin Roberta Sommavilla vom Land nominiert. Die Selfin ist mit dem Algunder Bürgermeister Ulrich Gamper, die Stadtwerke Brixen mit Astrid Michaeler und die Brennerautobahn AG mit Walter Pardatscher vertreten.

Infranet dürfte aber nicht allzu lange bestehen bleiben. Es handelt sich nämlich um eine Art Übergangsgesellschaft. Über Infranet soll jetzt alles schrittweise zusammengeführt werden, was sich im öffentlichen Bereich um das Glasfasernetz kümmert.

Derzeit ist das Land für die Errichtung der Hauptleitungen bis zu den Glasfaserknotenpunkten zuständig, während die Rundfunkanstalt RAS Letztere installiert. Und Infranet besitzt jetzt die Netze der Brennercom. „Wir wollen, dass die Gemeinden einen einzigen Ansprechpartner haben“, so Landeshauptmann Arno Kompatscher.

Sind alle Kompetenzen gebündelt, sollen Synergien mit Alperia geschaffen werden. Denn auch Alperia kümmert sich mit ihrer Tochtergesellschaft ST Fibernet um den Glasfaserausbau. Ziel wäre es, Infranet in Alperia einzugliedern. „Wie wir das Ganze aufstellen, wird derzeit noch geprüft, damit wir EU-beihilfenrechtlich in Ordnung sind“, erklärt Kompatscher.

„Letztendlich soll es jedenfalls eine einzige Gesellschaft geben, die für die gesamte Breitband-Infrastruktur des Landes zuständig ist“, so Präsident Philipp Moser. Landeshauptmann Kompatscher rechnet aufgrund der Synergieeffekte mit Einsparungen von mindestens 60 Millionen Euro für den Ausbau der Infrastruktur.

Die Gesellschaft will sich künftig auch um die Netze auf Gemeindeebene kümmern. Derzeit sind bekanntlich die Gemeinden für die sogenannte letzte Meile zuständig, also für die Glasfaserverbindungen von den Knotenpunkten zu den einzelnen Gebäuden. Viele Gemeinden haben aber Schwierigkeiten mit der Realisierung. „Wir machen das deshalb gemeinsam und wollen dabei die europäischen Finanzierungen ausnutzen“, betont Arno Kompatscher.

Mit Gemeinden, die die letzte Meile bereits realisiert haben, will das Land hingegen eine Ablöse vereinbaren. Und wenn eine Gemeinde oder eine Genossenschaft ihre Infrastruktur nicht verkaufen will? „Das wäre kein Problem. Man wird sicher geeignete vertragliche Formen finden“, meint Kompatscher. „Es wird wohl mehrere Modelle geben“, sagt auch Philipp Moser.

Ganz am Ende steht jedenfalls ein großes Ziel: das ganze Land mit schnellem Internet zu versorgen. Momentan bereitet vielen ländlichen Gemeinden die Suche nach einem Anbieter große Sorgen.

Dieses Problem soll sich von alleine lösen, wenn das Land das gesamte Netz verwaltet. „Wir werden den Providern das Netz nur dann zur Verfügung stellen, wenn sie ein Standardangebot für jeden Kunden in Südtirol vorsehen. Damit garantieren wir, dass auch entlegene Täler von günstigem Breitband-Internet profitieren“, erklärt Arno Kompatscher, der hinzufügt: „Natürlich können auch günstigere Angebote vorgesehen werden. Das überlassen wir dem freien Markt.“

Am heutigen Montag kommt der Verwaltungsrat der Infranet AG erstmals zusammen. Gleichzeitig erfolgt am Sitz der Brennercom auch die offizielle Schlüsselübergabe an die Infranet mit Philipp Moser und Brennercom-Präsident Ferdinand Willeit.

Ende Januar, so Landeshauptmann Arno Kompatscher, soll Klarheit darüber bestehen, wie das ambitionierte Glasfaserprojekt aufgestellt wird.

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