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    Gefährliche Reise

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    Schlafen im Güterzug: Stehender Waggon in Innsbruck

    Verschärfte Identitätskontrollen an Südtirols Bahnhöfen haben die klassischen Flüchtlingsrouten gefährlicher gemacht: Immer mehr Asylwerber reisen in Güterzügen über den Brenner.

    Von Anton Rainer

    Als die beiden Migranten sich endlich dazu durchringen konnten, einen Notruf abzusetzen, hatten sie den gefährlichsten Teil ihrer Reise bereits hinter sich: Bis nach München wollten es die jungen Asylbewerber aus Guinea und Nigeria am vorvergangenen Samstag schaffen – und versteckten sich dafür am Bahnhof Bozen auf dem Waggon eines Güterzuges. Unterhalb eines beförderten Containers und in der Nähe der Wagenräder. Klingt gefährlich, ist es auch: Nicht nur im Mittelmeer, wo seit Anfang des Jahres laut UNO fast so viele Flüchtlinge im Mittelmeer ertranken wie im gesamten Jahr 2015, sorgte der Ausbau strenger Kontrollen für einen Anstieg unsicherer Schlepper-Routen – dasselbe gilt für den Weg auf der Schiene.

    Geld für ein Zugticket hatten der 20- und 22-Jährige zwar nachweislich nicht, es hätte ihnen aber vermutlich ohnehin nichts genützt: Seit vergangenem Frühjahr wurde die Polizeipräsenz an Südtirols Bahnhöfen, Autobahnstrecken und Staatsstraßen massiv verstärkt, kaum ein Asylbewerber schafft noch den Weg über die Grenze. Wer es doch versucht, tut dies unter Lebensgefahr – und immer häufiger auf für den Personentransport völlig ungeeigneten Fahrzeugen.

    Seit einigen Tagen registriert die Münchner Bundespolizei etwa vermehrt Migranten, die mit Güterwaggons aus Italien kommend die österreichisch-deutsche Grenze überschreiten und bei längeren Aufenthalten auf der Strecke oder in Güterbahnhöfen die Waggons verlassen. „Erstmals seit Einführung der Grenzkontrollen“, so bestätigen die Beamten, „nimmt diese Form der illegalen Einreise wieder Gestalt an.“ Was im Falle der beiden bereits in Italien registrierten Flüchtlinge, die sich in der Nähe der Wagenräder versteckt hielten, mit dem Tod hätte enden können, ging zum Glück glimpflich aus. Die Gefahren, die mit einer Fahrt auf der Unterseite eines Güterwaggons verbunden sind, hätten die Afrikaner „angesichts ihrer Perspektivlosigkeit in Italien in Kauf genommen.“

    Nur einen Tag vorher musste eine von zwölf Personen, die ebenfalls auf einem Güterwaggon über Bozen, Brenner und Innsbruck morgens gegen 04:30 Uhr nach München gekommen waren, wegen Unterkühlungserscheinungen und Kreislaufproblemen von Rettungskräften versorgt werden. Kein Wunder: Ein Großteil der aufgegriffenen Flüchtlinge, unter denen sich auch eine Frau befand, schlief auf einem ungesicherten, oben offenen Rungenwagen.

    Der TAGESZEITUNG zugespielte Bilder dokumentieren die Art und Weise, wie auch stehende Güterwaggons am Bahnhof Innsbruck zu spontanen Schlafstätten umfunktioniert werden. Für die Weiterreise nach Deutschland, von der viele der 153.450 seit Jahresbeginn in Italien angekommenen Flüchtlinge nicht abzubringen sind, reicht dann ein vermeintlich sicherer Umstieg auf ein anderes Gleis.

    Für die zwei an der Unterseite eines Waggons mitreisenden Einwanderer endete die gefährliche Reise übrigens mit einer Rückschiebung nach Österreich und Italien. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie es noch einmal versuchen werden.

     

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    Kommentare (1)

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    • yannis

      >>>hätten die Afrikaner „angesichts ihrer Perspektivlosigkeit in Italien in Kauf genommen.<<<

      uuuuund die einzige "bessere" Perspektive in DE ist die viel hohe zu Sozialleistung, insbesondere für illegale Immigranten.
      Es ist höchste Zeit die Sozialleistungen in allen EU Staaten auf einen einheitlichen, natürlich deutlich untern dem Deutschlands, einzuführen.
      Mit Sicherheit das wirksamste Mittel um diese "Abendteuer" Reisen zu beenden.

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