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    Falscher Titel

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    Der Präsident der Freien Uni Bozen, Konrad Bergmeister, rügt Ex-Senator Oskar Peterlini: Er solle sich nicht zu Unrecht als Professor bezeichnen.

    Von Matthias Kofler

    Konrad Bergmeister kann sich noch genau an die Aussprache mit Oskar Peterlini erinnern. Im Jahr 2011 habe es ein Vieraugengespräch zwischen dem Präsidenten der Freien Universität Bozen und dem damals noch amtierenden SVP-Senator gegeben. Bergmeister wies den Politiker in dem Gespräch höflich darauf hin, sich nicht öffentlich mit dem Titel „Professor“ zu schmücken. Denn der Titel stehe ihm nicht zu.

    Peterlini promovierte 2010 an der Fakultät für Politikwissenschaft in Innsbruck mit einer Dissertation zum Thema Föderalismus und Autonomien in Italien. Seit 2011 nimmt der Unterlandler an der Freien Universität Bozen Lehraufträge zu rechtlichen Themengebieten wahr.

    Nur: Den akademischen Titel „Professor“, der in der Regel mittels einer Habilitation erworben wird, besitzt Peterlini nicht.

    „Es gab 2011 ein paar Geschichten, die mir nicht gefallen haben“, erinnert sich Bergmeister an Peterlinis leichtfertigen Umgang mit dem Professoren-Titel. „Ich habe ihn deshalb darauf aufmerksam gemacht, dass er sich nicht als Professor bezeichnen soll, weil er die dafür notwendigen Voraussetzungen nicht erfüllt.“ Er sei vielmehr ein Lehrbeauftragter.

    Der Ex-Senator hat die Aufforderungen nur zum Teil befolgt. Heute bezeichnet sich Peterlini nämlich als Vertragsprofessor. Wie Konrad Bergmeister erläutert, darf der Altmandatar streng genommen auch diesen Titel nicht führen. „In Italien wird die Bezeichnung Vertragsprofessor zwar verwendet, im Ausland heißen sie aber Lehrbeauftragte“, so der Präsident der Freien Universität. Wenn Peterlini also im deutschsprachigen Ausland auftritt oder Publikationen verfasst, darf er sich nach der wissenschaftlicher Gepflogenheit nicht als Vertragsprofessor bezeichnen. Diese Bezeichnung würde falsche Schlüsse auf seine wissenschaftliche Befähigung nach sich ziehen.

    Es ist so wie bei der Diskussion um den Doktor-Titel: Die italienische Bezeichnung „dottore“, die nach einer einfachen Laurea erworben wird, wird in Südtirol häufig als „Doktor“ übersetzt. Dieser akademische Grad darf im Ausland aber nur nach einer Promotion geführt werden. „Das ist leider diese typische Südtiroler Titel-Wirtschaft“, bedauert Bergmeister – und begründet damit auch die Tatsache, dass er Peterlini nicht auch das Führen der Vertragsprofessoren-Bezeichnung untersagt hat.

    Dass die Geschichte mit der Titel-Rüge genau jetzt von SVP-Insidern wieder aus der Mottenkiste geholt wird, hat einen einfachen Grund: Oskar Peterlini tritt vehement als Gegner der italienischen Verfassungsreform – und von Landeshauptmann Arno Kompatscher auf. Damit hat er sich innerhalb des Edelweißes aber wenig neue Freunde gemacht.

    +++ Update +++

    Auf Wunsch der Freien Uni Bozen wird Folgendes präzisiert:

    Inhaltlich stimmt der Verweis auf die falsche Titelführung des ehemaligen Senators Oskar Peterlini. Präsident Bergmeister hat auf Nachfrage der Tageszeitung hin Auskunft zur korrekten Titelführung im akademischen Ambiente – Professor, Vertragsdozent, Lehrbeauftragter – gegeben. Er hat – zumal nicht selbst Mitglied der SVP – in diesem Gespräch aber in keinster Weise den Bogen zu aktuellen politischen Belangen wie der Verfassungsreform geschlagen.

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    Kommentare (11)

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    • steve

      Habe bei Peterlini schon länger den Eindruck, dass es ihm weniger um sein Land als vielmehr um seine Person geht…

    • franz02

      Da sollte der gute Bergmeister mal genauer bei seinen festangestellten „Professoren“ vor allem in Brixen schauen, wie es mit deren Laufbahn und wissenschaftlicher Qualifikation aussieht, nicht nur bei den in Ungnade gefallenen ehemaligen Politikern. Auch bei all den möglicherweise getürkten Wettbewerben wäre genaueres Hinschauen notwendig. Auch zum Schutz des guten Rufs der Professoren, die eine ordentliche Laufbahn haben und eine gediegene Lehrtätigkeit vorweisen.

      • zusagen

        ich finde die Titel werden vor allem verwendet um andere erst mal zu blenden und einzuschüchtern. Ob jemand wirklich was drauf hat erfährt man sowieso erst wenn tatsächlich was geleistet wurde. Das trifft aber leider bei weitem nicht so häufig zu

    • zusagen

      so ergeht es auch mir @steve, wenn Peterlini von Heimat spricht fühle ich mich sofort als Fremder

    • andreas69

      Da sind sich wohl zwei eitle Herren aneinander geraten. Zickenalarm sozusagen! Die politische Linie macht es aus, welche Titel dir zustehen und welche nicht. Wenn sich hunderte Südtiroler in der öffentlichen Verwaltung als DR. bezeichnen, obwohl sie nur einen Bachelor oder ein Masterstudium absolviert haben, stört dabei niemanden. Es wird offensichtlich mit verschiedenen Maßbändern gemessen.

    • rota

      Was haben Universität und Schützen gemeinsam: richtig die Titel und Chargen und die auffälligen Gewänder, ach ja, auffällige Denkweisen haben sie auch.

    • hansjoerg

      Bin gleicher Meinung es geht nur um ihn selber seine ganzen Äußerungen es geht nur um ihm selber

    • prof

      Herr Peterlini ist zwar sehr redegewandt,aber es spricht gegen ihn da er jetzt in jenen Teller spuckt (SVP) aus dem er jahrelang gegessen hat und jetzt noch eine fürstliche Rente bezieht,also sofort Maul halten.
      Herr Bergmeister sollte einmal anfangen einige seiner vielen super honorierten Ämter zurückzulegen,andernfalls ist er wohl auch Geldgeil und Machtgeil.

    • oskarpeterlini

      Korrekter Titel
      In der heutigen Ausgabe bezichtigt mich die Tz der Verwendung eines falschen Titels. Universitätspräsident Prof. Bergmeister, auf den sich die Tz bezieht, beklagt bereits seinerseits in einer Richtigstellung, wie seine Worte verdreht wurden. In Absprache mit ihm, der sich darüber sehr geärgert hat, habe ich folgende Richtigstellung verschickt: Ich habe den Titel Contract-Professor verwendet, wie er in der Ausschreibung meiner ersten Stelle in diesem Rang, damals für Autonomie- und Regionalrecht, vorgesehen war. Ich hatte die Stelle gewonnen und deshalb diesen Titel verwendet. Also wüsste ich nicht welchen falschen Titel ich mir zugeschrieben hätte.
      Richtig ist allerdings, dass in Südtirol eine Anlehnung an die deutschen Bezeichnungen für alle akademischen Grade, statt der Übersetzungen aus dem Italienischen, überlegenswert wäre. Mir, der ich das echte Forschungsdoktorat habe, ist es zwar recht und gleich, wenn alle Magister sich in Südtirol den Doktortitel als Übersetzung aus dem Italienischen zuschreiben. Warum sollen sich auch die Italiener Dottori nennen und die Südtiroler nicht? Aber jene, die hintertückisch mit Steinen werfen, sollten nicht vergessen, dass Sie selbst im Glashaus sitzen. Ich selbst will gerne, was meinen Lehrauftrag an der Uni betrifft, mit gutem Beispiel vorangehen und auf den in der Ausschreibung vorgesehenen Titel verzichten, in der Erwartung, dass alle jene, die mich bezichtigen, dem guten Beispiel folgen und auf ihr falsches Doktorat verzichten.
      Dr. Oskar Peterlini

    • oskarpeterlini

      Die Richtigstellung von Prof. Bergmeister ist folgende, wie er sie mir freundlicherweise übermittelt hat, und nicht, wie sie oben als Update wiedergegeben wird:

      Sehr geehrter Herr Peterlini,

      im Anschluss an den Tageszeitungs-Artikel „Falscher Titel“ habe ich heute Vormittag dem Redakteur Matthias Kofler wie folgt geschrieben:

      „Präsident Bergmeister hat auf Ihre Nachfrage hin Auskunft zur korrekten Titelführung im akademischen Ambiente – Professor, Vertragsdozent, Lehrbeauftragter – gegeben. Er hat – zumal nicht selbst Mitglied der SVP – in diesem Gespräch in keinster Weise den Bogen zu aktuellen politischen Belangen geschlagen. Da Sie wahrscheinlich auf einen Hinweis hin recherchiert haben, sollten Sie Ross und Reiter beim Namen nennen, nicht aber eine falsche Verknüpfung herbei führen, die für den Leser irreführend und für den Interviewpartner enttäuschend ist.“

      Freundliche Grüße,

      Vicky Rabensteiner

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