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    Der Tausend-Loch-Platz

    golfplatz-flashWenn die Raben Hunger haben, verwandeln sie einen schönen Rasen in einen Acker. Auf der Suche nach Engerlingen richten sie am Golfplatz in Olang erheblichen Schaden an.

    von Silke Hinterwaldner

    Ein Golfplatz wie eine Mondlandschaft. Wenn Paul Fischnaller in diesen Tagen morgens auf den Rasen blickt, muss er fast immer tief durchatmen – und sich dann an die Arbeit machen. Sand und Erde auffüllen, andrücken und säen, damit das Gras schnell nachwachsen kann.

    Paul Fischnaller ist als Greenkeeper am kleinen Golfplatz in Olang zuständig für die Platzpflege. Jedes Jahr Ende August und Anfang September beobachtet er – freilich etwas besorgt – die Jagd auf Engerlinge. Denn die Löcher im Rasen stammen nicht, wie man aufgrund des großen Ausmaßes meinen möchte, von Maulwürfen oder gar von Wildschweinen. Es sind vielmehr vor allem Raben, die in diesen Tagen den Engerlingen auflauern, die sich unter dem kurzen Gras verstecken.

    „Das ist der Kreislauf der Natur“, sagt Paul Fischnaller, „immer um diese Zeit beginnt das Schauspiel. Es ist zwar lästig und unschön und es macht viel Arbeit, aber dagegen kann man nichts unternehmen.“ Er hat sich mittlerweile daran gewöhnt, dass die Vögel auf die Jagd gehen, aber viele Gäste im Hotel Mirabell, das direkt an den Golfplatz anschließt, reagieren immer wieder mit Staunen auf darauf, wie sich ein Rasen praktisch über Nacht in einen Acker verwandeln lässt.

    „Welche Tiere sind hier im Einsatz?“, fragen sie dann. Und Greenkeeper Fischnaller erklärt ihnen, dass Junikäfer ihre Eier mit Vorliebe in kurzes Gras legen, da bietet sich ein Golfplatz besonders gut an. Im Spätsommer kommen die Engerlinge aus den tieferen Schichten hoch, um sich von den Graswurzeln zu ernähren.

    Ihre natürlichen Feinde befinden sich meist in der Luft, jedoch auch Igel oder Marder ernähren sich gern von Engerlingen. Aber sobald Raben oder Krähen ihren Angriff starten, ist es bald vorbei mit dem schönen Grün. Zusammen mit den Käferlarven reißen sie die angefressenen Grasbüschel aus.

    „Das schaut dann in der Folge oft brutal aus“, sagt Fischnaller, „aber solange sich nur Raben über den Rasen hermachen, bin ich beruhigt.“ Nachdem sich aber auch immer mehr Wildschweine in den Wäldern des Pustertales aufhalten, befürchtet er, dass irgendwann der Zeitpunkt kommen könnte, an dem diese Wildschweine noch weit größere Schäden anrichten können.

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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