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Das grüne Bier

Das grüne Bier

Klauspeter Dissinger beschreitet neue Wege: Der Präsident des Dachverbandes für Natur und Umweltschutz hat mit seiner Frau in Milland eine Bierbrauerei eröffnet.

von Erna Egger

Den Dissinger kennt man – und das nicht nur in Brixen. Seit Jahrzehnten betreibt er in der Bischofsstadt ein Schuhgeschäft. Den Verkauf überlässt der Geschäftsführer lieber seinen Verkäuferinnen. Viel lieber und ausgiebiger beschäftigt er sich jedoch mit seiner Wetterstation – das Studieren der Wolken und der Temperaturen ist eine seiner großen Passionen – oder er ist mit dem Rad bzw. den Skiern in den Bergen unterwegs.

Politisch ist er kein unbeschriebenes Blatt: Seit jeher der Grünen Gesinnung nahe,  saß Dissinger jahrelang für die Grüne Bürgerliste im Gemeinderat, bis diese die Oppositionsrolle verließ und eine Koalition mit der SVP einging. Das passte Klauspeter Dissinger gar nicht, er trat aus der Fraktion aus, blieb jedoch als unabhängiger Gemeinderat in der Ratsstube.

Seit Jahren steht er als Präsident dem Dachverband für Natur- und Umweltschutz vor, dort kämpft er gegen Autbahnen und den Flughafen an. „Ob Schuhgeschäft oder Dachverband, ich werde beides weiterbetreiben“, versichert Dissinger in Anspielung auf sein neues Geschäftsfeld.

Dabei passt das Gewerbe, in dem er sich seit Kurzem betätigt, eigentlich gar nicht in das Bild, das man von Klauspeter Dissinger hat.

Er versucht sich als Bierbrauer. „In diesem Bereich bin ich aber vollkommen der Frauenhand untergeordnet“, lacht er.

Vor zwei Jahren hat Dissinger mit seiner Frau Dagmar Gnieser eine Geschäftsidee ausgearbeitet: „Wir sind beide Bierliebhaber. Wir wollten eine Wirtshausbrauerei realisieren: Während es in Bozen und im Passeiertal zwei und in Franzensfeste, Lana sowie Bruneck jeweils eine gibt, fehlt dieses Angebot in Brixen“, berichtet Gnieser, die die Ausbildung zum Biersommelier absolviert hat.

Das Ehepaar beteiligte sich daraufhin an der Ausschreibung zur Neugestaltung des alten Schlachthofs, rasselte mit dem Projekt jedoch knapp durch.

Den Wettbewerb für den Umbau und die Führung gewann die Betreibergesellschaft „Alter Schlachthof GmbH“, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stilwerkstadt GmbH, eine gemeinsame Unternehmung des Brixner Wirtschaftsprüfers Wilhelm Obwexer und des Klausner Bauunternehmers Hubert Felderer.

„Wir haben dieselbe Punkteanzahl für das Konzept erhalten, das Denkmalamt gab dann jedoch dem Konkurrenzprojekt aus architektonischen Gründen einen Punkt mehr“, berichtet Gnieser.

Das Ehepaar Dissinger ließ die Idee der Wirtshausbrauerei fallen, überarbeitete  das Konzept und entschloss sich, auf Bierproduktion umzusteigen. Die Investitionen waren beträchtlich: „Es ist ein kostspieliges Projekt, der Einbau des Sudhauses und der Gär- und Lagertanks war nicht billig. Die Investitionssumme möchten wir aber nicht nennen“, wehrt Dissinger ab.

Vor einem Monat ging die Brauerei „köstlan- Brauwerkstatt Brixen“ in der Handwerkerzone Milland in Betrieb.

„Wir produzieren zur Zeit sieben Sorten Craft-Biere, also geschmacksintensive, kunstfertig gebraute Biere. Das Bier mit dem Namen ‚köstlan’ ist ungefiltert und wird ohne Konservierungsstoffe hergestellt“, führt Dissinger aus.

„Wir setzen auf Vielfalt, charakterstarke Biere und hohe Qualität der Rohstoffe“, ergänzt Gnieser.

Für den Geschmack und die Zubereitung zeigt sich ebenfalls eine Frau verantwortlich: „Unsere Braumeisterin Monika Sieghart stammt aus Bayern, sie ist in der Craft-Bier-Szene sehr bewandert. Sie braut viel Bier im Trentino und ist schon seit 14 Jahren in Italien. Wir sind sehr froh, dass wir sie für unser Projekt gewinnen konnten, das Produkt ihrer Braukünste kommt sehr gut an“, so Gnieser.

Das Ehepaar Dissinger will von einer Marktlücke profitieren: „Ich habe schon vor 20 Jahren in den USA Craft-Bier getrunken. In Deutschland hat sich in dieser Hinsicht in den letzten Jahren sehr viel getan, in Südtirol besteht noch großes Potential. Hierzulande bekommt man vielfach nur Bier von den großen Brauereien angeboten, die Geschmacksvielfalt ist sehr dürftig“, kommentiert Gnieser.

Das Bier der Brauerei „köstlan“ wird in Flaschen verkauft.

Erste Abnehmer hat das Ehepaar Dissinger bereits gefunden: Die neuen Betreiber des jetzigen alten Schlachthofes haben das Brauprodukt auf die Speisekarte gesetzt. „Wir haben auch schon einen sehr guten Vertriebspartner gefunden, der unsere Bierspezialitäten weiteren ausgesuchten Betrieben anbieten wird“, so Gnieser.

Das nächste Unterfangen des Ehepaares: Am 11. August wird in Köstlan ein Shop eröffnet, in dem die verschiedenen Biersorten verkostet und gekauft werden können. „Wir wollen auch Kurse, Seminare und Besichtigungen in der Brauerei anbieten“, sagt Dissinger.

 

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