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    „Unter den Teppich“

    „Unter den Teppich“

    Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz fordert eine Umweltverträglichkeitsprüfung zum Bozner Flughafen. 

    Andreas Riedl

    Andreas Riedl

    Ist eine Zunahme des Stickoxid-Ausstoßes um über 500 Prozent unerheblich? Kann man Fluglärm unabhängig von anderen Lärmquellen betrachten? Sind 70 und mehr Flugbewegungen pro Tag vernachlässigbar? Eine ganze Reihe von Fragen wirft der Dachverband für Natur- und Umweltschutz zum Umweltscreening in Sachen Flughafen-Ausbau in Bozen auf und fordert: eine ordentliche Umweltverträglichkeitsprüfung muss her.

    In diesen Tagen sind die Experten des UVP-Beirats gefordert, die Umweltauswirkungen der Ausbaupläne für den Bozner Flughafen einzuschätzen. Werden diese als „erheblich“ eingestuft, müssen die Ausbaupläne ein ordentliches UVP-Verfahren durchlaufen. „Alles andere wäre bei einem Projekt dieser Größenordnung absolut unerklärlich“, so der Präsident des Dachverbandes, Klauspeter Dissinger.

    Sein Verband hat in seiner Stellungnahme zum Umweltscreening eine Reihe von Fragen und Zweifeln aufgeworfen und noch einmal unterstrichen, wie sehr ein Flughafenausbau Mensch und Natur belasten würde. „Schließlich geht es um bis zu 70 Flugbewegungen pro Tag – im Durchschnitt!“, so Dissinger. Dies sei vor allem wegen des Lärms ein enormes Problem. „Im Konzept spielt man dieses Problem herunter, weil man die Überlagerung von Lärmquellen in einem ohnehin schon stark belasteten Gebiet ausblendet“, so der Dachverbands-Präsident.

    Das zweite Problem, das weitgehend unter den Teppich gekehrt werde, sei jenes der Emissionen. Die Emissionswerte im Konzept seien unvollständig berechnet, etliche Emissionsquellen würden außer Acht gelassen, erklärt Andreas Riedl, Geschäftsführer des Dachverbands: Es fehlten etwa die Warteschleifen, die Flugzeuge über Bozen ziehen müssten, es fehlten die Emissionen des Zubringer-Verkehrs. „So kommt man zu Daten, die sich von denen von der TU Wien 2007 berechneten völlig unterscheiden“, so Riedl.

    Allerdings kommt man selbst mit diesen unvollständigen Berechnungen und im Vergleich zum Masterplan zu enormen Mehrbelastungen. „Auf den Low Case des Konzeptes ist es allein bei den Stickoxiden eine Steigerung um ca. 300%, im Vergleich zum Base Case bereits über 500% und hin zum High Case immerhin +700%“, heißt es in der Stellungnahme des Dachverbandes. Und weiter: „Legt man den drei Szenarien des Konzeptes die Ist-Situation der Emissionen des Bozner Flugplatzes zugrunde, sind diese an sich bereits erheblichen Steigerungen viel wesentlicher. Und dies alles in einem Gebiet, dass ohnehin schon über den Grenzwerten der EU liegt.“

    Damit spricht der Dachverband ein weiteres grundsätzliches Problem an. Als Referenz werde im Konzept stets der Masterplan herangezogen. „Dieser ist aber nie verwirklicht worden, man müsste die Situation deshalb mit dem Ist-Zustand vergleichen, um die Folgen richtig einschätzen zu können“, so Riedl, der zudem zu bedenken gibt, dass belastbare Daten und Fakten fehlen: das Flughafen-Konzept geht von beispielhaften Daten aus und empfiehlt „unbedingt“ selbst eine Marktstudie.

    Die für das Umweltscreening eingereichten Unterlagen berücksichtigten nicht alle für eine Beurteilung der zu erwartenden Umweltauswirkungen notwendigen Informationen, so das Fazit des Dachverbandes. „In jedem Falle ist aufgrund der oben angeführten Argumente eine ordentliche Umweltverträglichkeitsprüfung zwingend notwendig, um die Auswirkungen dieses Vorhabens in seiner ganzen Tragweite abschätzen zu können.“

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    Kommentare (12)

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    • besserwisser

      Die sollen doch endlich aufhören rumzuschwätzen! Ein Flughafen und jeder Flug belastet, und dass können noch so viele Experten nicht wegreden.
      Wenn Du bei schönem Wetter im Unterland oder im Überetsch im Freien bist und die Flieger hörst dann ist das eine Belastung und eine Störung – so ist es nun mal.
      Ich würde zur Belohnung der HGV Chefs, der Politiker usw. die vom Untergang Südtirols reden wenn das Flughäfchen nicht kommt bei jedem Anflug und bei jedem Abflug eine Ehrenrunde über ihre jeweiligen Villen ansetzen. Ich kann mir vorstellen dass diese Leute sicherlich auch in touristisch attraktiven Orten stehen haben!!!

    • lissnamol

      Ich würde nun einfach mal abwarten, was beim Umweltscreening rauskommt, oder? Und Ehrenrunden brauchts auch keine, die kosten nur Geld und nutzen der Umwelt wohl auch nicht. Wenn die Behauptungen der Gegner durch das Umweltscreening nicht gestützt werden sollten, wie wollen wir dann damit umgehen?
      Und zu den Warteschleifen: Die werden doch nur dann notwendig, wenn die Landepiste nicht frei gegeben ist, bzw. wenn die Flugzeuge auch welchen Gründen auch immer gleichzeitig zur Landung ansetzen wollen. Also, man kann alles übertreiben, um Argumente gegen die Inbetriebnahme dieses Flughafens zu finden, net wohr.

    • gerecht

      die FürFlughafen sind gegen eine weitere Umweltverträglichkeitsprüfung …
      warum wohl?
      mal sicher nicht vom Märchen eines Südt.Politikers,
      die Flugzeuge sorgen für bessere Luftqualität …

    • pantone

      Die Flughafengegner und damit an vorderster Front der Dachverband für Natur – und Umweltschutz, rüsten sich für die finale Schlacht.

      Dass da über alle Maßen übertrieben wird, wen stört es, sofern es dem Ziel nützt.

      z.B. „bis zu 70 Flugbewegungen am Tag – im Durchschnitt“. Absolut lächerlich diese Behauptung. Wenn die Flugzeuge auch nur mit 50 Passagieren beladen wären, so würde das ja 3.500 Passagiere täglich bedeuten. Bereits nach 100 Tagen somit wären es 350.000 Passagiere. Ja was ist, hat man nun Angst, dass es 1.000.000 Passagiere im Jahr werden oder dass die 170.000 nicht einmal nach 5 Jahren erreicht werden?
      Auch die anderen Punkte scheinen mir reichlich be den Haaren herbeigezogen.
      Bei einer solchen Argumentation hätte die Politik ihre Aufgabe wahrnehmen sollen:
      alle Vor – und Nachteile gegeneinander abwägen und eine Entscheidung treffen, die auf längere Sicht das Beste ist.

    • sigmundkripp

      Die Diskussion um den zu erwartenden Fluglärm wäre viel kürzer und klarer, wenn sich alle Beteiligten beim nächsten Kaufhausbesuch in Innsbruck einfach eine Weile VORS Kaufhaus stellen und hören. Ganz still sind und einfach nur hinhören!

    • schuld an erhöhten schadstoffwerten ist eh das schlechte wetter… so zumindest laut umweltlandesrat

    • markusgufler

      Einfach genial: „Schließlich geht es um bis zu 70 Flugbewegungen pro Tag – im Durchschnitt!“, so Dissinger
      Ok, dann versuch ich jetzt mal mit der selben Dramatik die Erfolge des FC-Bayern zu kommentieren: Der FCB hat 2015 seine Spiele mit bis zu 8:0 gewonnen – im Durchschnitt!
      Alles klar, oder? 😉

      Na im Ernst jetzt, die Strategie dahinter ist doch relativ klar: Man braucht irgendwo her ein paar hohe Werte – zur Not behauptet man sie halt einfach selbst – damit man sie dann mit anderen „Studien“ hochrechnen kann und auf möglichst dramatische Werte kommt die für eine Titelzeile und einen Stammtisch-Sager taugen.

      • latemarbz

        Gut Markus Gufler, ich rechne mal , dass du bei der SVP eine Karriere startest (auch aufgrund der Kommentare auf salto) und dich im politischen Geschäft gut auskennst. Sie haben das Geld
        um sich ihre Studien in Auftrag zu geben – wie wissen was das heißt! Entweder, der die Studien erstellt tut schon nichts anderes als bereits bestehende „Studien“ hochrechnen oder die Politik oder Ihre Experten machen das so. Aber danke für den Tipp!

      • latemarbz

        Dewr Markus isz ein guter Kommentierer – auch auf salto.bz
        Gut Markus Gufler, ich rechne mal , dass du bei der SVP eine Karriere startest (auch aufgrund der Kommentare auf salto) und dich im politischen Geschäft gut auskennst. Sie haben das Geld
        um sich ihre Studien in Auftrag zu geben – wie wissen was das heißt! Entweder, der die Studien erstellt tut schon nichts anderes als bereits bestehende „Studien“ hochrechnen oder die Politik oder Ihre Experten machen das so. Aber danke für den Tipp!

    • lissnamol

      markusgufler hat recht: zur Not einfach mal was behaupten. Das gilt auch für den Sager der „5 Flüge pro Stunde“. Das ist schlicht und ergreifend erfunden. Im Entwicklungskonzept für den Flughafen (zu finden auch unter http://www.forum-flughafen.info) steht, dass in der Spitzenzeit pro Stunde fünf Flugbewegungen technisch möglich sind. Unter Flugbewegung werden eine Landung oder ein Start verstanden. Bei den 5 Flugbewegungen sind auch die Sport- und Hobbyflugzeuge eingerechnet. Und zur Spitzenzeit: Das ist nicht auf den Tag bezogen, sondern auf jene Zeit, wo die Reiseintensität am größten ist. Das sind in Wahrheit einige Tage bzw. Wochenendtage im Jahr.

    • roadrunner

      Ob für oder wider den Flughafen, ist egal. Eine interessante Lektüre, welche für einige „aha’s“ sorgen könnte, liefert dieser Artikel (Mobilität):
      https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/tourismusreport2015/

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