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    Die Royals

    Wer am Wirtshaustisch sitzt und gscheit über die Fehler anderer redet, macht sich’s zu einfach, und das gilt für viele Bereiche. 

    von Renate Mumelter

    „Mistfilm“ hätte ich nach dem Besuch von „A Royal Night Out“ von Julian Jarrold in Stammtischmanier spontan gesagt. Der Film erzählt von den britischen Prinzessinnen Elisabeth und Margaret am Ende des Zweiten Welktkriegs und davon, wie es den beiden Mädchen gelingt, ihre strengen Eltern dazu zu überreden, dass sie sich zum Feiern des Sieges ausnahmsweise unters Volk mischen dürfen. Die Erlaubnis interpretieren die beiden dann absichtlich etwas falsch und erleben eine Nacht lang Abenteuer, Margaret im Rausch, Lilibeth sogar mit einer eine zart aufkeimenden Liebe zu einem netten und hübschen Piloten samt Frühstück im Armenviertel. Beim Morgengrauen bricht wieder die Realität aus, soziale Gefüge werden zurechtgerückt, und alles nimmt seinen gewohnten Gang. In Wirklichkeit waren die zwei Prinzessinnen zwar auch unterwegs, aber nur auf einer königlichen Party. „Mistfilm“, wie gesagt, denn wen interessiert schon, was Prinzessinennen gern  gemacht hätten. Mich nicht. Andere interessiert das offensichtlich schon, das beweisen immer neue Royals-Filme zur Genüge.

    Julian Jarrold hat seine Geschichte zwar etwas zu eindimensional und linear aufgebaut, aber richtig fad wird sie auch nie, denn sie ist hervorragend gespielt, von viel Swing begleitet und mit viel Liebe zum Detail ausgestattet. In Stars und Film ist offensichtlich viel Geld investiert worden, wie die üppigen Massenszenen zeigen. Da haben sich viele Menschen etwas angetan. Wenn ich „A Royal Night Out“ jetzt flugs als Mist abtue, nur weil mich das Thema nicht anmacht, tu ich dem Film unrecht. Schnelle Urteile sind eben immer so eine Sache, in allen Bereichen.

    A Royal Night Out (GB 2015), 97 Min., Regie Julian Jarrold, Bewertung: Gut gemachter, leichter Royal-Film für Menschen, die das Thema mögen. Empfehlenswert die OMU-Vorführung am Montag.

    Was es sonst noch gibt:
    „Io e Lei“ von Maria Sole Tognazzi,„Amarcord“ von Fellini (nur am Mittwoch), beide im Filmclub.

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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