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    „Marlene ist abgestürzt“

    Weissteiner Marlene2 .Die Grabspitze war ihr Tod. Die schlimmsten Befürchtungen haben sich am Mittwoch bewahrheitet. Über 150 Rettungskräfte suchten drei Tage lang nach der 16-jährigen Marlene Weissteiner aus Pfunders. Ihr lebloser Körper wurde in der Hochferner Gisse entdeckt.

    von Erna Egger

    Gegen 18.00 Uhr erhielt am Mittwoch die verzweifelte Familie Weissteiner den Anruf des Feuerwehrkommandanten. „Man hat etwas gefunden. Es sieht nicht gut aus“, so die Nachricht, die dem Vater Richard Weissteiner übermittelt wurde.

    Zu diesem Zeitpunkt fehlte jedoch der Funkkontakt zu den Rettungskräften.

    Genaueres konnte den Familienmitgliedern noch nicht mitgeteilt werden. „Die Retter müssen erst vom Berg hinab. Es handelt sich um sehr unwegsames Gelände“, sagte der Feuerwehrkommandant Sebastian Brunner.

    Nur wenig später sollten sich schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten: Marlene Weissteiner aus Pfunders ist tot.

    Ihr lebloser Körper wurde gegen 16.30 Uhr unterhalb der Grabspitze, dem zweithöchsten Gipfel der Pfunderer Berge, auf rund 2.600 Metern Meereshöhe entdeckt. „Sie wurde in der Hochferner Gisse, wie wir sie nennen, aufgefunden“, berichtet Brunner. In einem höhergelegenen Gebiet, als von den Einsatzkräften zunächst vermutet wurde. „Sie ist 200 bis 300 Meter eine Wand hinabgefallen”, so Brunner.

    Für das Mädchen kam jede Hilfe zu spät.

    Vermutungen zufolge dürfte Marlene am Montag noch die Grabspitze mit 3.062 Metern erklommen haben. „Anders kann es nicht gewesen sein. Sonst wäre sie nicht an dieser Stelle abgestürzt. Diesen Gipfel von der Pfunderer Seite zu erreichen, ist sehr schwierig. Wenn jemand diesen Berg von dieser Seite besteigen will, dann muss er schon sehr trittsicher sein. Von der Pfitscher Seite geht es leichter“, beschreibt Brunner.

    Dieser Gipfel wurde dem Mädchen zum Verhängnis:

    Sie dürfte auf dem Rückweg im unwegsamen Gelände ausgerutscht und abgestürzt sein. Nach der Höhe des Sturzes zu beurteilen, dürfte Marlene sofort tot gewesen sein. Der Rettungshubschrauber Pelikan 2 barg den Leichnam mit der Seilwinde aus dem felsigen Gelände und flog den leblosen Körper nach Pfunders.

    Das Gebiet wurde schon tags zuvor abgesucht. „Aber die Stelle war schlecht einsehbar“, so Brunner. Der Körper soll von einem Stein verdeckt worden sein.

    Drei Tage lang suchten über 150 Rettungskräfte nach Marlene. Sie galt seit Montag als vermisst.

    Sie war auf die Alm zu ihrem Vater gegangen, der dort über die Sommermonate als Hirte tätig ist. Zuletzt gesehen wurde die 16-Jährige am Montag gegen 15.00 Uhr auf dem Pfunderer Jöchl. Das Mädchen hatte verirrte Ziegen entdeckt, die sie wieder übers Joch, auf die Pfitscher Seite zu ihrem Weidegebiet treiben wollte. Ein Wanderer soll ihr dabei noch geholfen haben.

    Das ortskundige Mädchen kehrte von diesem Marsch aber nicht mehr auf die Alm zurück: Zuerst suchte der verzweifelte Vater Richard Weissteiner selbst die Gegend ab – ohne Erfolg. Als die Dunkelheit hereinbrach, schlug er Alarm. Um 22.00 Uhr am Montag startete eine großangelegte Suchaktion. Mit rund 150 Mann verschiedener Rettungseinheiten wurde die ganze Nacht über und am Dienstag eine riesige Fläche abgesucht.

    Am Dienstagabend wurde die Suchaktion für die Nacht eingestellt.

    Am Mittwoch in der Früh wurde die verzweifelte Suche nach der 16-Jährigen wieder aufgenommen. Um 7.00 Uhr morgens starteten die Suchmannschaften erneut. „Die Suchaktion läuft wieder auf Hochtouren“, schilderte der Feuerwehrkommandant von Pfunders, Sebastian Brunner, am Vormittag.

    Rund 90 Mann von der Feuerwehr Pfunders, der Bergrettungen der Umgebung mit Hundestaffeln, Beamten der Finanzwache und Carabinieri standen im Einsatz. Am Nachmittag wurde das Suchgebiet ausgedehnt. Zwei Hubschrauber, der Pelikan 1 und jener der Finanzwache, standen ebenfalls im Einsatz. „Es wurde teilweise dasselbe Gelände wir tags zuvor abgesucht, aber wir kämmen mittlerweile auch den Kessel rund um die Brixner Hütte ab und Richtung Sterzinger Hütte“, führte Brunner am Nachmittag aus.

    Auch auf Pfitscher Seite wurde das Einsatzgebiet erweitert. „Wir stöbern alles ab, wo nur möglich. Von der Kreuzspitze bis hin zum Burgumer Berg bis hin zur Sterzinger Hütte. Am Nachmittag suchen wir nicht nur oberhalb der Waldgrenze, sondern auch Richtung Tal“, so Hermann Knollenberger, Kommandant der Feuerwehr Kematen in Pfitsch.

    Besonders das Gelände rund um den Großbergbach wurde unter die Lupe genommen. Mehreren Hinweisen wurde nachgegangen – ohne Ergebnis.
    Ganz Pfunders zitterte drei Tage lang um das Mädchen. Die Solidarität war groß: „Auch ortskundige Einheimische, die weder bei der Feuerwehr noch bei der Bergrettung sind, haben sich auf die Suche gemacht“, berichtete Brunner.

    Zweitweise herrschte Ratlosigkeit: „Wir können nichts mehr ausschließen. Wir wissen nicht, wo wir noch suchen sollen. Es ist nicht zu glauben, dass wir sie nicht finden“, sagte Brunner noch am Nachmittag.

    Seit Mittwoch, 16.30 Uhr herrscht die traurige Gewissheit:

    Marlene ist in den Bergen abgestürzt.

    Ganz Pfunders hatte um das Mädchen gezittert und gebangt.

    Ihr Tod  hat große Bestürzung und Trauer im Tal und weit darüber hinaus ausgelöst.

    Ganz Südtirol hat um das Schicksal des Mädchens aus Pfunders gebangt.

    Marlene Weissteiner hinterlässt ihren Vater Richard und ihre Mutter Helga Weissteiner sowie einen älteren Bruder.

    UND DAS HABEN WIR BISLANG BERICHTET:

    UPDATE +++ Mittwoch 18.30 Uhr +++

    Die 16-jährige Marlene Weissteiner ist tot. Die Leiche des Mädchens aus Pfunders ist am Mittwoch unterhalb der Grabspitze entdeckt worden.

    Nun ist das eingetreten, was viele Menschen in Südtiroler befürchtet haben.

    Marlene ist tot!

    Seit Mittwochnachmittag herrscht traurige Gewissheit:

    Die 16-jährige Marlene Weissteiner wurde laut Angaben der Carabinieri unterhalb der Grabspitze tot aufgefunden. Das Mädchen ist auf rund 2.500 Metern Meereshöhe in der Hochferner Gisse auf einem schmalen Weg ausgerutscht und rund 100 Meter in einen Abhang gestürzt.

    Ein hochrangiger Carbiniere um 18.30 Uhr zu TAGESZEITUNG Online:

    „Wir haben das Mädchen tot aufgefunden, mehr kann ich derzeit nicht sagen, weil meine Kollegen noch vor Ort sind, lassen wir sie in Ruhe arbeiten.”

    Der Tod des Mädchens – auch für die Retter und Suchmannschaften ein trauriges Ereignis.

    Die Leiche wurde mit dem Rettungshubschrauber geborgen.

    Mehr Infos gibt es in Kürze auf TAGESZEITUNG Online und am Donnerstag in der Print-Ausgabe.

    +++ UPDATES von MONTAG und DIENSTAG +++

    Großangelegte Suchaktion in den Pfunderer Bergen: Seit Montagabend wird nach der 16-jährigen M.W. aus Pfunders gesucht. Das Mädchen wurde am Mittwochnachmittag tot aufgefunden.

    Die 16-jährige M.W. war am Montag auf die Alm zu ihrem Vater gegangen. Von dort aus trieb sie Ziegen auf die Weide.

    Doch das junge Mädchen kehrte nicht mehr zurück.

    Gegen 17.00 Uhr schlug der Vater Alarm und verständigte die Suchmannschaften. Zuletzt gesehen wurde die 16-Jährige gegen 15.00 Uhr auf dem Pfunderer Jöchl. Dort haben Wanderer ein Foto gemacht.

    Eine großangelegte Suchaktion mit rund 150 Mann ist seit Montagabend im Gange: Am Mittwochnachmittag Im Einsatz stehen die Freiwilligen Feuerwehren von Pfunders, Weitental, Vintl, die Bergrettung Vintl, die Hundeführer der Bergrettung von Brixen und dem Pustertal, die Bergrettung Sterzing, die Finanzwache und die Carabinieri.

    Für zweckdienliche Hinweise bitten die Retter, die Notrufzentrale 118 zu verständigen.

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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