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    Südtirol ist Sizilien

    Südtirol ist Sizilien

    Am Bozner Landesgericht hat der Betrugsprozess gegen den sizilianischen Geschäftsmann Francesco Lombardo und seine hiesigen Helfer, Ex-Hockeyspieler Alessandro Badiani und Ex-Freundin Claudia Eberhofer, begonnen. Lombardo soll mindestens neun Unternehmer betrogen haben.

    Von Thomas Vikoler

    Der Olanger Hotelier Rodolfo Barbieri hat nie Anzeige gegen seinen Geschäftspartner Francesco Lombardo erstattet. Nicht einmal gegenüber seinem Steuerberater protestierte er gegen den mutmaßlichen Betrug. Und nun sitzt Barbieri im Gerichtssaal A des Bozner Tribunals und berichtet über den sonderbaren Deal, den er am 5. September 2008 mit dem vor 51 Jahren in Sizilien geborenen und in Lugano (Schweiz) wohnhaften Lombardo abschloss.

    Er trat an eine Firma Lombardos den Fruchtgenuss für sein Hotel (Hotel Olangerhof) ab. Lombardo zahlte dafür zunächst 15.000 Euro. Die übrigen 750.000 Euro, die für den Fruchtgenuss vereinbart wurden, hätte Lombardo mittels Scheck zahlen müssen, doch er hinderte den Hotelier laut Anklageschrift daran, ihn einzukassieren (er wäre ohnehin nicht gedeckt gewesen). Lombardo kündigte eine Banküberweisung an.

    Drei Wochen später, am 22. September 2008, ereignete sich Kurioses: Wirt Barbieri überwies auf ein Konto namens OTC bei der Raika Sillian in Osttirol 750.000 Euro und schloss mit Lombardo eine Vereinbarung, diesen Betrag für ihn zu verwalten.

    Dieses Geld habe er, so berichtet Zeuge Barbieri bei der Auftaktverhandlung am Bozner Landesgericht vor einem Senat unter Vorsitz von Carla Scheidle, nie wieder gesehen. Lombardo erhielt den Fruchtgenuss, der mehrere Jahre andauerte, faktisch für 15.000 Euro.

    Warum der (mutmaßliche) Geschädigte nicht formell Anzeige gegen seinen Vertragspartner erstattete, lässt sich erahnen.

    Der Hotelier aus Olang ist nicht der einzige, der in der Anklageschrift als Geschädigter aufgelistet ist. Es finden sich die Namen von weiteren acht Südtiroler Unternehmern und die Agentur der Einnahmen, welche die nicht erfolgte Versteuerung von 1,89 Millionen Euro aus (mutmaßlich) illegaler Geschäftstätigkeit geltend macht.

    Es gibt einen weiteren Lokalbezug in dieser Geschichte:

    Zwei der Mitangeklagten sind Südtiroler, nämlich der 44-jährige Bozner Alessandro Badiani, ein ehemaliger Hockeyspieler des HC Bozen und 2013 zeitweilig in U-Haft im Hausarrest genommen, und die gebürtige Innichnerin Claudia Eberhofer, 42, die für einige Zeit als „Freundin“ Lombardos auftrat.

    LESEN SIE IN DER PRINT-AUSGABE:

    * Wie der Brunecker Wirtschaftsberater Werner Kammerer geleimt wurde.

    * Auch der Eppaner Unternehmer Günther Mederle ist unter den Geschädigten. 

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