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    Diagnose Hirntod

    Diagnose Hirntod

    Bildschirmfoto 2015-06-04 um 10.32.03Peter Zanon, Neurologie-Primar im Krankenhaus Bozen, sieht in der Organspende eine große Chance für Südtirols Patienten – und klärt Fehlinformationen über die Hirntod-Diagnose.

    TAGESZEITUNG Online: Herr Zanon, Sie haben vor wenigen Tagen in Brixen über die Notfallmedizin und die Organ-Transplantation gesprochen. Worum ging es da?

    Peter Zanon: Mir ging es hauptsächlich darum, die neurologische Sicht auf das Thema zu beleuchten. Die Diagnose Hirntod bereitet vielen Menschen Sorgen.

    Gerade Personen, die selten mit dem Thema zu tun haben, befürchten oft Fehler bei der Feststellung des Hirntods. Sind das berechtigte Ängste?

    Nein, hier werden absolut keine Fehler gemacht. Es gibt genaue Gesetze, die bei der Feststellung des Hirntods eingehalten werden müssen. In dieser Frage sind viele Fehlinformationen in Umlauf, bei den Patienten selbst gibt es diese Bedenken eigentlich selten.

    Wie sieht es bei den Familien aus?

    Peter Zanon

    Peter Zanon

    Für die Familie kommt die Beschäftigung mit dem Thema Organspende immer ganz plötzlich. Es kann passieren, dass ein Mensch beispielsweise bei einem Unfall so schwer verletzt wird, dass er den Hirntod erleidet. Dass wir hier nicht von Personen sprechen, die im Bett sterben oder schon „blau“ im Gesicht sind, ist klar.

    Wie wird der Hirntod überhaupt festgestellt? Wie ist das gesetzlich geregelt?

    Da könnte man jetzt stundenlang erzählen. Die Gesetzeslage stammt aus dem Jahre 1993, damals wurde der genaue Todeszeitpunkt festgelegt. Erst 2008 wurde dann festgelegt, dass die Todesfeststellung neurologisch gemacht wird. In den 60er Jahren hat man Hirntote auf der Intensivstation beatmet, aber man durfte sie gesetzlich nicht für tot erklären.

    Wer trifft dann schlussendlich die Entscheidung? Wer erklärt den Patienten zum Organspender?

    Ein Arzt alleine trifft keine Entscheidung. Das Gesetz will den maximalen Schutz für den Bürger. Es werden alle Reflexe getestet bis zur Hauptuntersuchung, dem EEG. Erst wenn da keine Aktivität mehr festgestellt wird, wird ein Ärztegremium einberufen. Es ist nicht so, dass das am Unfallort schnell gemacht werden kann. Da wird kein Risiko eingegangen.

    Ab Sommer kann die Willenserklärung zur Organspende auch in der Gemeinde abgegeben werden. Ein Fortschritt oder zusätzliche Bürokratie?

    Bürokratie ist das nicht, es ist einfach eine zusätzliche Möglichkeit, vor dem Tod die Entscheidung zu treffen. Aber das ist weiterhin nicht verpflichtend. Positiv ist, dass die Diskussion aufgeworfen wird, vor allem für jene Personen, die auf ein Organ warten.

    Interview: Anton Rainer

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    Kommentare (23)

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    • Batman

      Herr Zanon, warum könnt ihr mit den Organen einer Leiche nichts mehr anfangen? Weil diese Organe tun weder etwas richtig noch falsch, sie tun gar nichts mehr!. Weil ihnen die Information fehlt, das heißt Bewusstheit die zur Funktion führt.
      Manche Ärzte müsste man auch mal im Kopf untersuchen, ob da oben wirklich alles noch funktioniert! Übrigens, was kostet so eine Transplantation und die Organe dazu kriegt man von den Gehirngewaschenen spendiert?

    • Batman

      Vielleicht sollte der Herr Zanon, Studien an einer Leiche machen. Dort hat er reine Organe die gar nix tun, weder richtig noch falsch, weil ihnen die Information (Seele?) fehlt.

    • walter

      So, der Hirntod ist also ausschlaggebend! Dann könnte man den System Trollen hier im Forum schon die Organe entnehmen!!! 🙂

    • bubu

      ich wünsche niemanden in einer Situation zu gelangen wie die eines Angehörigen der ein Organ benötigt. ORGANSPENDE RETTET LEBEN! FERTIG AUS AMEN.

      • Puschtra

        Wie wir aus unzähligen Fällen wissen, bedeutet Organentnahme auch Tod. Unzählige arme Bauern haben in 3.Welt Ländern eine Niere verkauft und vegetieren seither kraftlos vor sich hin, Kinder verschwinden, Häftlinge werden hingerichtet und sofort ausgeweidet.
        Auch in Deutschland wurden finanzkräftige Organ-Kunden bevorzugt behandelt.
        Also, hier von moralischen Pflichten und zu reden ist pure Heuchelei.

        • Walter Mair

          @Puschtra
          Sie sehen das richtig!! Auf der ganzen dritten Welt gehen gesunde Menschen in ein Krankenhaus und kommen , so wie ihre finanzielle Lage es erlaubt, mit einer Niere weniger oder nicht heraus. Mit dem einverstanden sind die, die sonst verhungern müssten. Oft ist es auch der Fall, dass man es ohne Einverständnis des Patienten vollzieht. Je nach Bedarf.. Dieses Organ wandert nach Amerika oder nach Europa an den meist Bietenden. (sic) ! Es gibt unter den Primaren der ganzen Welt schwarze Schafe, die das Elend eines Familienvater/Mutter ausnutzen. um CASH zu machen. Von Moral und Nächstenliebe kann hier nicht die Rede sein! Man verkauft uns zwar diese Handlung als humanitäre Aktion, doch die Realität sieht anders aus!

          • Walter Mair

            Sollte es die Möglichkeit geben, dass die Mutter oder der Vater seinem eigenen Kind eine Niere/ Leber oder sonst was zu spenden, dann bin ich absolut einverstanden. Dann gibt es Kontrolle. Alles Andere ist für mich persönlich, mit äußerster Vorsicht auf zu nehmen! Es gibt so Etwas wie Charma. Dem werden wir auch mit der Organspende nicht ausweichen können.Die Würde ist nicht das Problem. Würde spielt sich in anderen Dimensionen ab. Wir sind einmal Materialisten.Unsere Gesellschaft hat uns so geprägt. Ich glaube an ein Leben nach dem Tod. Nicht so wie uns die katholische Kirche das weismachen will, sondern dass wir ins große Gesamte wieder zurückkehren. Die Kirche ist logisch auf der Seite der Organspender. Ihre Scheinheiligkeit kennt keine Grenzen.Wenn man die Geschichte dieser Pharisäer verfolgt hat, weiß,dass für sie NUR der MAMMON zählt! Alles Andere ist Klamauk und geheuchelte Menschlichkeit!!

    • Liliana Stahnke

      Organspende ist tödlich und schadet dem Mensch über das Sterben hinaus. Es wird dem Menschen die Würde genommen sein Sterben /seine Transformation zu vollenden. Er/Sie/ Es wird seelisch an den Empfänger gebunden meist da wo das Herz ist und kann nicht frei entscheiden solange die Abstossung nicht funktioniert.
      Es wird zwar anerkannt, das mit dem Organ auch Zell-Informationen mitgenommen wären und will das ganze so auf eine untere Stufe abwiegeln. ich sage, ein transplantiertes Herz ist kein Plattenspieler oder eine DVD. es sind seelische Bindungen die da mitwirken. Der Mensch der auf eine Organ wartet sollte lieber auf seine Würde achten und seine Transformation nicht auf Kosten der Menschen die umgebracht werden hinaus zögern.
      Sagt ein Raupe zur anderen, meinst du das wir Schmetterlinge werden wenn wir keine Raupen mehr sind?
      Antwort, ist noch kein Schmetterling zurück gekommen …..Nach dem Sterben kommt das Leben nicht der Tod. „Wer an mich glaubt wird leben selbst wen er stirbt.“. sagt Jesus Christus. Ja, amen.

    • Liliana Stahnke

      Vielleicht ist es nicht so bekannt, es wird mittlerweile anerkannt, dass der Hirntod nicht der Tod des Menschen ist. Jedoch gibt es auch schon ethisch-juristische Winkelzüge weshalb es trotzdem zur Organentnahme kommen wird. Einem Menschen im Hirntod nimmt man keine Zukunft so die Sichtweise der verwegenen Ahnungslosen. Man würde durch die Organentnahme nur den Sterbeprozess beenden nicht verursachen und somit könnte man wegen Tötung oder Mord bezichtigt werden.

    • Pikdame

      Ich vertraue den Ärzten bei der Diagnose und dem Verfahren, auch wenn die Skandale in letzter Zeit immer lauter werden. Hirntod ist ein sehr wichtiges Thema für die Organspende, welche wiederum Leben rettet. Daher sollten wir unbedingt ausreichend über die Diagnosemethoden aufgeklärt werden und wie zum Beispiel die Ärzte ausgebildet werden. Es ist ein Jammer zu sehen, dass viele Leute gehemmt sind einen Organspenderausweis zu erlangen, weil sie sich unsicher sind. Es sollte Aufklärung stattfinden; das ist der wichtigste Punkt.
      Viele wissen nicht: Was bedeutet eigentlich Hirntod? Inwiefern werden spirituelle Bedürfnisse miteingebunden?
      Ich finde es wichtig in diesem Thema Initiative zu ergreifen und möchte allen Lesern und Interessenten einmal diese Petition ans Herz legen:

      https://gesundheit-aktiv.de/misch-dich-ein/organspende-wir-wollen-alles-wissen/petition.html

    • svp - 70 jahre käse

      Ich trau dem System Stocker, Kompatscher, …nicht. Dass dieses System mit meinen Organen auch noch Geschäfte macht, sehe ich nicht ein.

    • Alex

      Wenn I hin bin nochr isch mir Wurscht ob sie mit (Herz,Niere,Augen usw) verbrennen,bleibt sowieso lei a Heifele Asche übrig.

    • silvia Matthies

      Hirntodfehldiagnosen als „Fehlinformationen“ abzutun, ist schon sehr gewagt. Zumal mittlerweile auch erfahrene Hirntoddiagnostiker Alarm schlagen. Vielleicht gibt es ja in Oesterreich eine zertifizierte Ausbildung für Ärzte, die den Hirntod diagnostizieren dürfen. In Deutschland gibt es das nicht. Welche Auswirkungen das haben kann, zeigt der folgende Bericht: https://www.youtube.com/watch?v=dkcDtfLjqnQ

      Hirntod diagnsotizieren

    • devilhard

      Organspenden retten Leben. Und aus. – damit müsste bereits alles gesagt sein.

      Aber wenn ich mir die Kommentare hier durchlese, schrecklich.
      Um ein paar „Argumente“ zu entkräften:

      @Batman:
      Das Problem bei ‚Leichen‘ ist, dass Verwesungsprozesse unmittelbar nach dem Tod bereits einsetzen. Das heißt bereits nach Minuten ist ein Organ unbrauchbar. Bei einem Hirntod wird lediglich der Körper eines Menschen künstlich am Leben erhalten (Beatmungsgeräte, etc.), nachdem das Gehirn unwiderruflich abgestorben ist – und selbst zu verwesen begonnen hat.

      Zum finanziellen Aspekt einer Organspende: Weder bekommt ein Organspender eine finanzielle Entschädigung, noch wird einem Empfänger das Organ in Rechnung gestellt. Niemand verdient am (legalem) System der Organspenden, es werden ‚lediglich‘ Leben gerettet.

      @Puschtra, Walter Mair:
      Es ist wahr, dass ein illegaler Markt für Organe existiert – und dass in einzelnen Fällen Patienten bevorzugt werden. Aber die beste Möglichkeit diese Praktiken auszutrocken ist und bleibt eine möglichst hohe Spendenbereitschaft in der Bevölkerung.
      Wenn beide Nieren versagen und man weiß, dass man bald Spenderorgane erhalten wird, wird niemand – sei er noch so unmenschlich, etc. – das Risiko eingehen und illegal Organe aus beispielsweise China erwerben.

      @Liliana Stahnke:
      Organentnahmen können gar nicht tödlich sein. Wird der Hirntod eines Patienten festgestellt, ist dieser bereits tot – Selbst wenn eine Organentnahme abgelehnt wird, werden die ‚lebens’erhaltenden Machinen abgeschalten. Das heißt, selbst FALLS Sie einen hirntoten Menschen nach ihrer Definition noch als lebendig bezeichnen – so wird er doch nie wieder lebendig und befindet sich bereits unwiederruflich auf dem Weg zu seinem Tod.

      Und für gläubige oder anderweitig spirituelle Menschen, zur Verbindung Bewusstsein/Seele & Körper: Ich denke, dass jeder der an eine unsterbliche Seele glaubt, versteht dass beide getrennt voneinander existieren. Das heißt, egal wie sehr im Tod an einem Körper herumgewerkelt wird, betrifft dies doch nicht das Leben nach dem Tod. Oder sprechen Sie Unfallsopfern bzw. generell jedem der eines unnatürlichen Todes oder an einer Krankheit stirbt die Unversehrtheit ihrer Seele ab?

      @silvia Matthies:
      Sie sprechen die größte (ich glaube aber auch mehr oder weniger die einzige) Gefahr bei Organspenden an, da gebe ich Ihnen Recht. Zwar gilt, dass ein hirtoter Mensch unwiderruflich verstorben ist – es gibt keinen einzigen Fall weltweit der auf das Gegenteil hindeuten würde. Allerdings kann es bei der Diagnose eines Hirntodes durchaus zu Fehldiagnosen kommen, so dass der betroffene Mensch noch gar nicht (hirn)tot ist, sondern beispielsweise in einem extrem tiefen Zustand eines Komas. Deshalb ist Aufklärung & Ausbildung von betroffenen Ärzten durchaus wichtig zu nehmen.
      Diese Gefahr sollte man als möglicher Spender allerdings nicht überschätzen – Es sind zumindest nur sehr sehr wenig Fälle weltweit bekannt geworden. Außerdem gilt für alles bei dem Menschen involviert sind: Menschen machen Fehler, das kommt immer vor – auch bei Ärzten. Würden Sie deshalb eine lebensnotwendige Operation nicht durchführen lassen? Fahren Sie deshalb kein Auto mehr? Steigen in kein Flugzeug, in keinen Bus?

      Außerdem sollte man, wie oben erwähnt, nicht vergessen: Üblicherweise werden ‚lebens’erhaltenden Maßnahmenn abgeschaltet, sollte der Tod des Patienten festgestellt werden. Das heißt, egal ob man nun Organspender ist oder nicht, der Fehler könnte einem nun das Leben gekostet haben – So unwahrscheinlich dieser Fall auch ist.
      Es ist aber die Entscheidung eines jeden Einzelnen ob er dabei die Leben mehrerer anderer Menschen rettet.

      Um mich zu wiederholen:
      Organspenden retten Leben.

      Menschen die einer möglichen Organentnahme entgegentreten, und damit verhindern dass möglicherweise mehrere Menschenleben gerettet werden können… für mich besteht dabei kein Unterschied zu Menschen die aktiv andere Menschen mit in den Tod reißen.

    • silvia Matthies

      @t devilhard
      Im Falle von falschen Diagnosen können Organspenden aber auch den Spender das Leben kosten. Bisher gibt es keinerlei Meldepflicht für falsche Diagnosen. Sie werden- zumindest in Deutschland- nicht nachuntersucht. Nichteinmal dann, wenn die Angehörigen sich mit konkreten Vorwürfen an die Vertrauensstelle der Bundesärztekammer wenden. Das tun sie natürlich nur. wenn sie vorher einem sachkundigen Neurologen oder Neurochirurgen die Akten gezeigt haben und der ihnen attestiert, dass die Hirntoddiagnostik fehlerhaft war. Trotzdem geschieht nichts unter dem Motto: „Nicht sein kann was nicht sein darf“
      Sehr lesenswert ist der Kommentar zur mangelnden Qualitätssicherung bei der Hirntoddiagnostik von Prof. Claudia Wiesemann in der Süddeutschen Zeitung. Prof. Wiesemann ist Ärztin und Mitglied des Deutschen Ethikrates.
      http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/hirntod-diagnostik-annaeherungen-an-den-tod-1.2505783

    • Batman

      @devilhard: „Das Problem bei Leichen ist…“ 🙂 🙂 🙂
      Vielleicht wäre es bei Ihnen, wie beim Herrn Zanon, endlich an der Zeit für einen Paradigmenwechsel, denn Sie argumentieren auf der Basis einer längst überholten Weltanschauung.

    • Monika

      Zitat von Prof Pichelmair, ehemaliger Transplantationsmediziner,

      „wenn wir die Gesellschaft über die Organspende aufklären ,bekommen wir keine Organe mehr“

    • silvia Matthies

      Es ist schon sehr seltsam, wenn Fakten, die in jedem Lehrbuch über den Hirntod stehen, in der Öffentlichkeit als Panikmache und unwissenschaftlich abgetan werden: zum Beispiel der rapide Blutdruckanstieg innerhalb von 30 Sekunden, wenn der Spenderkörper aufgeschnitten wird. Oder die von den Ärzten nicht selten übersehenen Sedativa oder Schmerzmittel, die für eine gewisse Zeit einen Hirntod vortäuschen können. Vor allem bei den vielen alten Spendern aus Alten- und Pflegeheimen ist das problematisch. Denn sie bekommen oft einen Medikamentencocktail, der nur durch sehr umfangreiche Laboranalysen entdeckt werden kann. Ist dafür die Zeit und vor allem auch das Geld da? Ich bezweifele es.

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