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Blaues Beben

vintl f parteitagFreiheitliches Erdbeben in Vintl: Wo die Blauen einst eine Hochburg hatten, werden sie jetzt von der Bildfläche verschwinden. Die sieben amtierenden Gemeinderäte sind von der Landesleitung enttäuscht und gründen eine Bürgerliste.

von Silke Hinterwaldner

Vor fünf Jahren schien die Welt noch in Ordnung. Die Freiheitlichen konnten in Vintl einen Erdrutschsieg feiern, sie bekamen sagenhafte 33,1 Prozent – und sieben Blaue zogen stolz in den Gemeinderat ein.

Seitdem haben sie ständig Anfragen eingereicht, neue Themen aufgeworfen, Frühschoppen und Diskussionsrunden veranstaltet. Die Vintler Freiheitlichen waren sicher eine der aktivsten Ortsgruppen im ganzen Land.

Und jetzt? Jetzt kehren die sieben Gemeinderäte ihrer Freiheitlichen Partei den Rücken. Das ist sicherlich ein besonders harter Schlag für die Landesleitung, passiert dieser Schritt doch vor allem ihretwegen. Rentenskandal, Dildoskandal und die fehlende Unterstützung auf Ortsebene haben dazu geführt, dass sich die Vintler lieber von der Mutterpartei abkehren, um gegebenenfalls nicht mit ihr unterzugehen. Denn: Bei den vorgezogenen Gemeindewahlen in Bruneck habe sich gezeigt, wie beliebt die Freiheitlichen bei den Wählern sind: Obwohl das Team um Bernd Ausserhofer sehr rührig war, haben die Brunecker Blauen eine arge Schlappe einstecken müssen.

„Wir machen etwas Partei unabhängiges“, sagt Hannes Zingerle. Will heißen: Die sieben Gemeinderäte von Vintl möchten weiterarbeiten, aber ohne die Freiheitlichen auf Landesebene. Sie bereiten gerade eine Art Bürgerliste für Vintl vor, innerhalb der jeder einer Partei seines Herzens angehören kann, aber es gibt keine Pflicht zu den freiheitlichen Idealen zu stehen.

Hannes Zingerle war selbst Jugendsprecher der Freiheitlichen auf Landesebene. Und, nicht zu vergessen, er würde in den Landtag nachrücken, sollte einer der Mandatare ausscheiden. Trotz allem: Hannes Zingerle hat heuer noch nicht einmal seine Parteimitgliedschaft erneuert. Er ist einfach enttäuscht. Enttäuscht davon, wie sich seine Mandatare im Rentenskandal verhalten haben, enttäuscht davon, dass sich die Freiheitlichen Landespolitiker in Vintl kaum blicken ließen und enttäuscht davon, wie mit ihm persönlich umgesprungen worden ist.

Zur Erinnerung: Die Freiheitliche Partei warf ihm vor den Kassa-Zettel aus dem Beate-Uhse-Shop fotografiert, an die Medien weitergeleitet und so der Partei geschadet zu haben. „Und das alles obwohl ich Jahre lang für die Partei gelaufen bin und mich eingesetzt habe“, sagt Zingerle. Er ist vor einem halben Jahr aus dem Vorstand der Freiheitlichen ausgetreten.

LESEN SIE IN UNSERER PRINT-AUSGABE:

* Wie die Freiheitlichen-Spitze verzweifelt versucht, die Vintler zum Bleiben zu bewegen.

 

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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