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    Die 2.000-Euro-Sitzung

    Die 2.000-Euro-Sitzung

    Die Gemeinderatssitzung am Dienstag in Leifers dauerte eine knappe Dreiviertelstunde, wobei die meiste Zeit über deren Sinnhaftigkeit gestritten wurde. Den Steuerzahler kostet diese lautstarke Zusammenkunft 2.000 Euro.

    von Karin Köhl

    „Wir haben drei Minuten diskutiert – und den Rest der Zeit gestritten.“ So beschreibt der unabhängige Gemeinderat Roberto Ceol die letzte Gemeinderatssitzung in Leifers. „So kann man mit den öffentlichen Geldern einfach nicht umgehen.“ Ceol wird, wenn er an die Sitzung am vergangenen Freitag denkt, immer noch wütend.

    Auf der Tagesordnung besagter Sitzung standen drei Punkte. Allerdings mussten zwei der Punkte aus organisatorischen und Krankheitsgründen vertagt werden. Übrig blieb ein Verwaltungspunkt, bei dem über die Konzession für die Führung der Sommerinitiativen „Kinderferien – Life & Live“ und „Baby Club“ abgestimmt wurde. Schnell war der Punkt abgehackt – und in der darauffolgenden halben Stunde ging es im Gemeinderat, ziemlich lautstark – um die Sinnhaftigkeit dieser Sitzung.

    „Man kann doch nicht den Gemeinderatsmitgliedern für eine solche Sitzung das volle Honorar ausbezahlen“, ärgert sich Ceol. Von der Oppositon kam deshalb der Vorschlag, man solle die finanzielle Entschädigung spenden oder einfach darauf verzichten.

    Jedem Gemeinderatsmitglied stehen pro Sitzung 75 Euro brutto zu. Das anwesende Personal, beispielsweise die Sekretärin und der Ordnungshüter, werden stundenweise entlohnt. Knapp 2.000 Euro hat die Sitzung am Dienstag der Gemeinde Leifers – und somit dem Steuerzahler gekostet. „Das Geld“, meint Ceol sarkastisch, „hätte man auch den Kindern für die Sommerferien spendieren können, dann hätten sie ein paar tolle Ausflüge unternehmen können.“ Er selbst geht mit gutem Beispiel voran und hat auf das Sitzungshonorar verzichtet.

    Sieglinde Niederstätter Fauster, Vorsitzende des Leiferer Gemeinderates, versteht die Aufregung um diese – das gibt sie zu – ungewöhnlich kurze Sitzung nicht. „Wir haben Sitzungen, die bis spät in die Nacht dauern und manche, die eben kürzer sind, das ist bei Vereinen, Unternehmen und nun mal auch im Gemeinderat so“, erklärt sie.

    Auf der Tagesordnung seien mehrere Punkte gestanden. „Dass bis auf einen Punkt alle wegfallen, konnte man voraussehen. Natürlich hätte ich mir mehr Diskussionsthemen gewünscht. Und dennoch: Auch der behandelte Punkt war wichtig und musste erledigt werden.“

    Auf das Honorar zu verzichten, ist in den Augen der Gemeinderatspräsidentin nicht sinnvoll: „Wenn der Gemeinderat effizient arbeitet, hat er sich sein Honorar verdient – auch wenn die Sitzung einmal nicht bis spätabends gedauert hat.“

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    Kommentare (13)

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    • Meister

      Untätig + geldgeil = Politiker

    • walter

      sicher PDler und SVPler! dan ist alles klar!!!

    • Wolfgang

      Nachdem demokratie nichts mehr kosten darf wird es zeit für die diktatur..da wird nur mehr einer, aber dafür geringfügig höher entlohnt.

      • Maex

        Interessanter Einwurf in einem Land, dessen Geschicke bis vor kurzem und über 2 Jahrzehnte hinweg praktisch von einer Person bestimmt wurden, und zwar in einer alles andere als kostengünstigen Version von „Demokratie“.

      • Hubert

        @ Wolfgang

        unter dem Strich ist es fraglich, ob die Demokratie oder die Diktatur mehr kostet.
        Wenn man bedenkt, dass in beinahe jeder Diktatur bleibende Werte für die Öffentlichkeit geschaffen werden, was nun bei der derzeitigen Demokratie auszuschließen ist, dann wäre es zumindest nachzuweisen, dass die Demokratie besser funktioniert – ich habe leider diesbezüglich keine Unterlagen und mute mir eine blinde Demokratie oder Diktatur – Beurteilung nicht zu, Du schon?

    • Hartmann

      Bei uns in Südtirol haben wir eine Unmenge Geschäftsführer, Direktoren oder Präsidenten irgend welcher Wirtschafts – Sozial- oder Kulturverbände oder was noch lustiger ist: irgend welcher Landeskommissionen mit Entscheidungskraft: die meisten davon sind de facto faschistoide Gebilde, die immer mit den selben Leuten besetzt werden, die nie nachbesetzt werden, wo Wahlen nur mit Bestätigungscharakter stattfinden, die aber die Meinung und die Beitragsflüsse steuern (da gab/gibt es dann keine ordenltich gemachten Ausschreibungen für Publikationen – ein Schelm wer da ans „…amt“ denkt) und als Schutz und Schirm nunmehr auch der Arno-Landesregierung dienen, die damit trotz anderslautender Bekundungen weder politische noch persönliche Verantwortung zu übernehmen braucht, da sie auf die Entscheide der Kommissionen verweisen kann und geteilte Verantwortung ist keine Verantwortung. Also ist Demokratie nach Südtiroler Machart schon eine Art Diktatur der oberen hundert. Aber irgend welche Gelder – auch in Form von Sitzungsgeldern – die fließen immer. Mir kommt innerlich zu Lachen, wenn sich dann selbst ernannte Hüter von Moral, Demokratie oder Landesgeschichte zu Wort melden, oder die „Taktgeber“ von irgend welchen politischen Themen und Meinungen. Das ist dann gepaart mit mediengeiler Präsenz dieser Eliten sowie bezahlter Werbung, damit diese Eltien auch in den einschlägigen Zeitungen und Zeitschriften aufscheinen (dürfen). Die Südtiroler Wirtschaftszeitung hat einmal erhoben, dass Südtirol von maximal 150 Leuten regiert wird. Da können wir in diesen lächerlichen Foren lange vom Leder ziehen: das ist nur ein kleiner Zeitvertreib der „kleinen Leute“ und der unerkannt bleiben wollenden „politischen Bonzen“, die auch hier ihre Pfründe verteidigen. Das war´s schon, mehr ist es nicht!

    • Mabe

      Wenn jetzt schon Gemeinderatssitzungen zu viel kosten dann gute Nacht….Erst neulich haben die Medien geplärrt dass es in den Gemeinden Südtirols viel zu wenige davon gibt.
      Die Entschädigung der Gemeinderäte ist mit 75€ wahrlich kein fetter Verdienst.

      • Batman

        Ich glaube 75€ Sitzungsgeld, das ist mehr als genug, weil die meiste Zeit nur über Schwachsinn diskutiert wird.
        Die meisten Gemeinderäte sind Quacksalber die sich wählen haben lassen, um vom Volk „versorgt“ zu werden.

    • Hartmann

      Die geringe Sitzungspräsenz zeigt ebenfalls, dass wir zu viele Gemeinden haben, die wir nicht brauchen! Die gehören zusammengelegt, dann haben wir weniger Bürgermeister, weniger Gemeinderäte, mehr Präsenz bei Sitzungen und vor allem: weniger politische Kosten!

    • Sepp1

      Die ‚Sitzungelder gehören abgeschafft!!!! Habe nur mehr ein Kopf schüteln übrig, so eine Frechheit

    • epolus

      75Dir € ? Wozu eigentlich….Diese Gemeinderatsvorsitzende scheint nicht viel im Kopf zu hab en – in der Privatwirtschaft wäre sie sofort weg vom Fenster!.

    • wolfgang

      @Hubert zumindest teilweise hast sogar recht..die Pyramiden, die chniesische Mauer, unsere Burgen und Schlösser, den Petersdom und die allermeisten anderen Kirchen..alles haben wir mehr oder weniger diktatorischen Regierungen zu verdanken.Eine Burg wie Schloss Tirol zu bauen, würde heut warscheinlich an den Einwänden der Kommissionen,und Beamten, ganz sicher aber an den Rekursen der Nachbarn scheitern.

    • christian waschgler

      Die versprochenen Steuersenkungen von Renzi haben sich als Steuererhöhungen entpuppt. Seine Sparpläne betreffen nur die Bürger, die nutzlose Politik und die Bürokratie werden noch mehr aufgeblasen. Die „Aktionen“ öffentlicher Stellen werden immer tollwütiger.

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