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„Hundehalter in der Pflicht“

Pit Bull Terrier (Foto: 123rf)

Ab einem Gewicht von 25 Kilo kann ein Hund einen Menschen problemlos töten, weiß ein Mitarbeiter des tierärztlichen Dienstes. Er erklärt warum es einen Hundeführerschein braucht und wie die Lage in Südtirol ist.

von Christian Frank

Des Menschen bester Freund. Dieses Attribut wird neben einem exquisiten Geruchssinn den Hunden dieser Welt gerne nachgesagt. Der Hund gilt als das erste vom Menschen gehaltene Haustier.

Die gemeinsame Geschichte reicht gut 20.000 Jahre zurück, als man die Vierbeiner domestizierte, ihnen Einlass in Haus und Hof gewährte und sie sich fortan als treue Begleiter profilierten.

Umso schockierender sind dementsprechend Schreckensnachrichten von tödlichen Beißattacken, so wie sie kürzlich aus dem süditalienischen Salerno kamen. Ein 15 Monate altes Kleinkind wurde im Garten eines Einfamilienhauses von zwei Pitbulls angegriffen. Sie rissen es dem Onkel aus den Armen und machten sich über ihn her. Trotz der Intervention der Mutter konnte das Leben des Buben nicht mehr gerettet werden.

Bei den Hunden handelte es sich um jene einer Freundin der Mutter des verstorbenen Kindes. Leider sind solche Vorkommnisse in letzter Zeit keine Rarität. Man erinnere sich an den vergangenen Februar, als ein Mann in Rom während einer Joggingrunde von einem Rottweiler tödlich angegriffen wurde, oder an den letzten Oktober in Österreich, als sich drei American Staffordshire Terrier aus der Kontrolle ihrer Besitzerin rissen und eine 60-jährige Joggerin tödlich attackierten.

Solche Vorfälle befeuern eine lange im Raum stehende Debatte. Gibt es von Natur aus aggressive Hunde, oder kann man solche Horrorattacken auf die unzulängliche Haltung der Besitzer zurückführen, beziehungsweise benötigen manche Hunde eine strengere Handhabe?

Für den Konsumentenschutz Codacons hat sich die Frage bereits beantwortet.

In einer Presseaussendung heißt es: „Es besteht kein Zweifel daran, dass es Hunderassen gibt, die für den Menschen potenziell gefährlich sind, und dass ihre Verbreitung auf dem Gebiet auch aufgrund von Moden und aktuellen Trends rasch zunimmt.“

Laut Codacons kommt es in Italien jährlich zu rund 70.000 Hundeattacken auf Menschen, eine Zahl, die in den letzten Jahren mehr oder weniger konstant geblieben ist.

Der Präsident Carlo Renzi fordert bei ausgesprochen kräftigen und gefährlichen Hunden die obligatorische Einführung eines Hundeführerscheins und rüttelt damit Erinnerungen an die „schwarze Liste“ wach. Diese beinhaltete eine Bestandsaufnahme von mutmaßlich gefährlichen Hunderassen, wurde jedoch 2009 wieder abgeschafft.

Ein Mitarbeiter des tierärztlichen Dienstes, der tagtäglich mit der Materie in der Praxis konfrontiert wird, weiß, wie es um die Gefahr bestellt ist.

„In Südtirol gibt es verhältnismäßig wenige Angriffe von sogenannten Kampfhunden, wenn man betrachtet, wie viele solcher Hundetypen in unserem Land gehalten werden“, beschwichtigt der Mitarbeiter, merkt jedoch an, dass wenn es zu einer solchen Hundeattacke kommt, es sich nicht bloß auf ein paar Kratzer und Schrammen beschränkt, „Wenn ein solcher Kampfhund angreift, dann sind es schon schwerwiegendere Verletzungen, und wie wir anhand der letzten Vorfälle sehen können, könnn diese auch tödlich enden.“

Eine Tatsache, die für den Mitarbeiter nicht zu leugnen ist, sind die genetischen und zuchtbezogenen Unterschiede zwischen verschiedenen Hundetypen: „Es gibt Hunde wie den Schäferhund, Rottweiler und Dobermann als beispielsweise Wachhund gezüchtet wurden. Diese Hunde haben natürlich andere Veranlagungen. Gewisse Terrierarten haben zum Beispiel einen gesteigerten Jagdtrieb.“

Der momentan akuteste Vorfall, mit dem der Mitarbeiter konfrontiert ist, handelt von einem Entlebucher Sennenhund: „Das sind typische Hofhunde, die ein sehr ausgeprägtes territoriales Gespür haben. Solche Hunde bringen natürlich eher ein protektives Verhalten zu Tage“

Eine Schwarze Liste für bestimmte Rassen findet der Mitarbeiter jedoch als zu kurz gegriffen, da er, auf seine berufliche Erfahrung berufend, bei Hundeattacken alle möglichen Hundearten vertreten sieht und es als kaum sinnvoll erachte allesamt zu verbieten.

Eine Art Führerschein zur Haltung der Vierbeiner würde er jedoch begrüßen: „Es wäre sinnvoll, eine Art Befugnis für Hunde ab einer gewissen Gewichtsklasse zu erteilen.“ Bei kleineren Hundetypen würden sich die Verletzungen bei Angriffen in Grenzen halten, doch der Mitarbeiter weiß: „Ab 25 Kilogramm kann ein Hund einen Menschen problemlos töten. Da hat der Mensch keine Chance.“

Die große Verantwortung liege nämlich nach wie vor beim Hundehalter, der, so der Mitarbeiter, oft nicht den Anforderungen gewachsen ist, die bestimmte Hundetypen mit sich bringen.

„Ein Hund mit einer gewissen Kraft, Masse und genetischen Veranlagung benötigt auch eine bestimmte Haltung.“

Die Zucht zu beachten sei das um und auf, weiß der Mitarbeiter, so sei beispielsweise ein deutscher Jagdterrier auf die sogenannte Raubwildschärfe gezüchtet, sprich das kompromisslose Verfolgen und rasche Töten der Beute.

Es liege somit am Besitzer, das Naturell des Hundes zu verstehen und entsprechende Haltungsmaßnahmen zu veranlassen.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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