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„Über die Maßen belastet“

Herbert Dorfmann

Um den Gütertransport verstärkt von der Straße auf die Schiene zu verlagern setzt die EU will auf eine effizientere Bahn. Und sie fördert emissionsfreie Lkws.

Wartungsarbeiten abstimmen, die Digitalisierung vorantreiben, Bürokratie abbauen, Kapazitäten koordinieren: Um den Gütertransport verstärkt von der Straße auf die Schiene zu verlagern, setzt das EU-Parlament bei Problemen im Alltag an und hat in dieser Woche einen Vorschlag gutgeheißen, der für eine bessere grenzüberschreitende Zusammenarbeit sorgen soll. „Das Ziel ist ein effizienter und damit konkurrenzfähiger Gütertransport per Bahn“, erklärt der Südtiroler EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann.

Ebenso gutgeheißen wurde ein Vorschlag, emissionsfreie Lkws zu fördern. Allerdings ist auch das Thema Gigaliner wieder auf dem Tisch.

Die Ausgangssituation ist klar: Waren werden in Europa immer noch zum allergrößten Teil auf der Straße transportiert. „Dabei ist es oft nicht einmal die Kapazität, an der es fehlt“, so Dorfmann. „Vielmehr scheitert der Güterverkehr auf der Schiene oft genug an alltäglichen Problemen.“ Gerade in einem Transitland wie Südtirol seien die Folgen dieses Scheiterns evident: „Es genügt ein Blick auf die Brennerautobahn, um zu verstehen, dass die Straße an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt ist und die Bevölkerung entlang der Transitstrecken über die Maßen belastet wird“, so der EU-Parlamentarier.

Um die praktischen Probleme im Schienengüterverkehr anzugehen, hat das EU-Parlament nun den Infrastrukturbetreibern und der Europäischen Eisenbahnagentur mehr Freiräume zugestanden. So soll die Agentur verstärkt in die Verkehrssteuerung und den Bürokratieabbau eingreifen. „Zudem soll der grenzüberschreitende Austausch massiv gefördert werden, um die Nutzung der Kapazitäten auf der Schiene zu optimieren, die Koordinierung zu verbessern und Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit zu steigern“, erklärt Dorfmann. Gerade die Pünktlichkeit leide heute oft unter einer fehlenden Koordination, etwa von Wartungsarbeiten an den Strecken.

Ein zweiter Vorschlag, für den es heute vom EU-Parlament grünes Licht gab, betrifft dagegen den Güterverkehr auf der Straße, genauer: die Förderung emissionsfreier Lkws.

„Lastwagen, die mit Batterien oder Brennstoffzellen angetrieben werden, dürfen künftig die Gewichtsgrenzen von bis zu 4 Tonnen überschreiten, die derzeit für Verbrenner gelten“, so der EU-Parlamentarier, der diese Regelung als positiv erachtet, während ein zweites Vorhaben der EU bei Dorfmann auf heftige Kritik stößt. „Dass man diese Regelung nutzt, um durch die Hintertür Gigaliner, also besonders schwere konventionelle Lkws auf Europas Straßen zu bekommen, ist das falscheste Signal, das wir geben können“, so der EU-Abgeordnete.

Gerade für sensible Gebiete wie den Alpenraum seien Gigaliner absolut ungeeignet, die Infrastruktur sei darauf nicht ausgelegt, die Wartungskosten stiegen beträchtlich. „Und nicht zuletzt widerspricht die Erleichterung des Gütertransports auf der Straße der Verlagerungspolitik, der sich die EU mit Blick auf den Klimaschutz verschrieben hat“, so Dorfmann.

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