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Vorurteile. Ängste. Sorgen

Priska Garbin

Zum Aktionstag berichten zwei Mütter über ihre Gefühle nach dem Outing ihrer Kinder. Es geht um Vorurteile und irrationale Ängste gegenüber homosexuellen, transsexuellen und queeren Personen. „Es ist ein unsicheres und wenig sensibles Umfeld, das LGBTQIA+ Menschen erleben“, so Garbin, Verantwortliche der Antidiskriminierungsstelle.

„Als meine Tochter mir mitgeteilt hat, dass sie lesbisch ist, habe ich in einem ersten Moment so reagiert, wie viele Menschen in meinem Alter, was mit dem kulturellen Hintergrund zu tun hat: mit Vorurteilen, Ängsten und Sorgen“, erzählt Patrizia in einer Aussendung der Antidiskriminierungsstelle zum Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie am 17. Mai.

Sie habe sich Fragen gestellt wie: Wie kann ich mit der für mich neuen Situation umgehen? Was sagen die Leute? Und vor allem: Wird mein Mädchen auf Ablehnung oder gar Feindseligkeiten stoßen oder wird sie akzeptiert werden, so wie sie ist? „Ich habe gemerkt“, betont Patrizia, „dass ich mich zuerst mit diesen unbequemen Fragen und Gefühlen auseinandersetzen musste, um meine Tochter unterstützen zu können“.

Das erste Gefühl, das Monica beschlich, als sie von der Homosexualität ihrer Tochter erfahren hat, war ein Gefühl großer Einsamkeit. Mit wem sollte sie reden?

„In meinem Freundeskreis kannte ich niemanden“, erinnert sich Monica, „der in derselben Situation war und mit dem ich mich vertraulich austauschen hätte können“.
Dies war der Grund warum die beiden Frauen die Selbsthilfegruppe Ally zur Unterstützung von Eltern von LGBTQIA+ Jugendlichen in Südtirol gegründet haben. LGBTQIA+ ist eine Abkürzung für die englischen Wörter Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual/Transgender, Queer, Intersexual und Asexual; das Plus steht als Platzhalter für weitere Geschlechtsidentitäten.

Die Selbsthilfegruppe ist nun ein Raum, in welchem Eltern offen und ohne Wertung über ihre Gefühle und Unsicherheiten sprechen können, gegenseitige Unterstützung erfahren und vor allem die Erfahrung machen, dass sie nicht allein sind. Denn sie sind vor allem eines: Eltern ihrer Kinder, die sie lieben.

Auch die Antidiskriminierungsstelle setzt sich für Offenheit und ein Klima der Toleranz gegenüber homosexuellen, transsexuellen und queeren Personen ein. „Menschen, deren Lebensrealität weit davon entfernt ist“, sagt Priska Garbin, Verantwortliche der Antidiskriminierungsstelle, „reagieren oft mit Vorurteilen und irrationalen Ängsten wie: Dann kann jede/e ihr Geschlecht wechseln wie andere Leute Hüte.“

Solche Aussagen seien aber nicht nur unwahr, sondern vor allem schädlich, „denn sie verstärken die Ablehnung gegenüber LGBTQIA+ Menschen“, unterstreicht Garbin. „Die Tatsache, dass der Antidiskriminierungsstelle Diskriminierungen wegen Homo-, Bi- und Transphobie vorwiegend nur gemeldet wurden, sagt viel über das unsichere und wenig sensible Umfeld, das LGBTQIA+ Menschen erleben. Respekt und Würde aber sind unantastbare Menschenrechte, die jedem Menschen unabhängig von seiner Identität zustehen.“

Oft wissen Menschen nicht, ob sie sich an jemanden wenden sollen, und wo sie Hilfe bekommen können, wenn sie eine diskriminierende Erfahrung zum Beispiel aufgrund ihres Alters, Geschlechts, ethnischen Zugehörigkeit oder sexueller Orientierung gemacht haben. Die Antidiskriminierungsstelle informiert – auch im Rahmen einer juristischen Erstberatung – über Rechte und Möglichkeiten in Fällen von Diskriminierung. Wer mit Patrizia oder Monica bzw. der Selbsthilfegruppe Ally in Kontakt treten möchte, kann sich ebenso an die Antidiskriminierungsstelle wenden.

Die Antidiskriminierungsstelle befindet sich in der Cavourstraße 23 c in Bozen und ist von Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr erreichbar, telefonisch unter 0471/946020, per E-Mail unter [email protected].

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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