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„Ich spare, wo es geht“

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Die Rückmeldungen, die Maria Elisabeth Rieder auf ihren Rundruf erhalten hat, zeigen einmal mehr: Im Wohlstandsparadies Südtirol gibt es immer mehr Menschen, die kein Auskommen mit ihrem Einkommen haben.

von Artur Oberhofer

Für Maria Elisabeth Rieder ist klar: „In Südtirol braucht es Lohnerhöhungen.“

Die Landtagsabgeordnete des Team K hat über die sozialen Medien die Stimmung der arbeitenden Bevölkerung eingefangen.

Das Fazit von Maria Elisabeth Rieder: „In Südtirol ist es mittlerweile so, dass Einzelpersonen und Familien, obwohl sie viel arbeiten, mit dem Lohn nicht mehr auskommen. Sie sind auf Sozialleistungen angewiesen (z.B. Mietbeitrag). Wer arbeitet, muss aber von seinem Lohn leben können und darf nicht auf Sozialleistungen angewiesen sein, um über die Runden zu kommen. Die Menschen wollen in Würde leben und mit dem Lohn auskommen, sie wollen nicht zu Bettstellern werden.

Viele Menschen, so die Team-K-Sozialpolitikerin weiter, würden sich schämen zuzugeben, dass sie mit ihrem Einkommen nicht auskommen. „Wer kann, greift auf die Ersparnisse zurück. Oft helfen Eltern oder Großeltern aus, wenn es zum Leben nicht reicht.

Gehalts- und Lohnerhöhungen seien jetzt unausweichlich, ansonsten entstünden Unzufriedenheit, Frustration und die Menschen würden irgendwann auf die Straße gehen.

Lohnerhöhungen seien auch auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sinnvoll und nötig, um einen Einbruch des Konsums und sozialen Unfrieden zu vermeiden. „Denn die Kaufkraft in Südtirol ist bei den hiesigen Lebenskosten so schlecht wie kaum anderswo“, so Rieder.

Seit Jahren würden die Bediensteten im Öffentlichen Dienst immer wieder mit Einmalzahlungen und Zulagen für einzelne Berufsbilder abgespeist. Im Privatsektor sei die Situation anders, dort gebe es Bereiche, die ihren Mitarbeiter:innen gute Löhne bezahlen, aber auch Bereiche, die sehr niedrige Löhne zahlen.

Das sind die Rückmeldungen auf Maria Elisabeth Rieders Rundruf in den sozialen Medien:

Frau H.

Nun, ich für mich persönlich habe gut vorgesorgt, daher lebe auch so gut. Ich muss aber hinzusagen: Ich habe keine Familie, keine Kinder. Ich kann sehr sparsam sein und mit Geld gut umgehen. Ein kleiner Verzicht gehört halt auch zu einer guten Hauswirtschaft. Meine Herkunftsfamilie, mein Partner und ich, wir waren nie wohlhabend, trotzdem führen wir ein gutes Leben. Und wenn es manchmal bei meinen Geschwistern etwas knapp wird, helfe ich. Ich unterstütze auch meine Mutter, die eine Mindestrente hat.

Frau I.

Es braucht Lohnerhöhungen. Mein Lohn reicht gerade knapp bis ans Monatsende. Mein größter Kostenfaktor sind zur Zeit der Strom und natürlich die Lebensmittel, vor allem das Gemüse. Bei den hohen Rechnungen, die ins Haus flattern, kann ich nichts auf die Seite legen. Momentan spare ich am meisten bei den Heizungskosten. Ich muss auf Einiges verzichten, größer Ausgaben sind nicht drin.

Frau M.

Ich bin so etwas von enttäuscht von der Landesregierung. Der Landeshauptmann verspricht und verspricht, bei den Lehrern tut sich immer schnell etwas, wenn sie schreien, bei uns im Krankenhaus geht gar nichts weiter. Nein, die Löhne sind nicht mehr passend für dieses teure Pflaster Südtirol. Ich zahle auch meine Kredite monatlich ab – und was bleibt? Nicht mehr viel! Es ist traurig. Mir kommt vor, die Mittelschicht ist am meisten betroffen.

Maria Elisabeth Rieder

Frau K.

Ich bin seit 23 Jahren im Landesdienst, sprich in der Schulverwaltung als qualifizierte Sekretariatsassistentin tätig. Der Lohn ist beschämend. Es wäre an der Zeit, die Löhne um einige 100 Euro zu erhöhen, damit man mit dem Lohn in Südtirol gut leben kann. Mein größter Kostenfaktor ist die Wohnung (Mietwohnung). Momentan kann ich kaum etwas zur Seite legen. Ich spare in den verschiedensten Bereichen, damit ich bis ans Monatsende komme.

Frau A.

Lohnerhöhungen wäre schon längst nötig. Ich spare überall, wo es geht: Lebensmittel, da schaue ich auf die Angebote. Ich spare beim Strom. Und ich spare bei mir selbst: bei Friseur keine Färbung. Und auch keine neuen Kleider.

Frau H.

Lohnerhöhungen braucht es in jedem Fall. Monatlich etwas zur Seite legen, ist Moment fast nicht möglich, wenn man Kinder hat. Sparen muss ich beim Lebensmitteleinkauf und bei der Kleidung sowieso. Bei Saisonstellen, so wie ich sie habe, geht es nicht anders, da man das Arbeitslosengeld nicht regelmäßig ausbezahlt bekommt – von den Rentenjahren ganz zu schweigen. Aber ist kein neues Problem.

Frau C.

Mein Lohn ist immer gleichgeblieben, ich arbeite in der Gastronomie und habe nur einen Tag frei. Mir wurde gesagt: „In der Gastronomie steigt der Lohn nicht.“

Herr P.

Im Landesstraßendienst sind die Löhne sehr niedrig, nur mit den ganzen Extrazulagen kommt man auf ein Gehalt, das es einem erlaubt, über die Runden zu kommen. Aber große Investitionen kannst du nicht machen, da braucht es schon alle beide, die arbeiten gehen. Beim Straßendienst machen wir viele Bereitschaftsdienste, die jetzt immer öfter nicht alle Monate ausbezahlt werden, jetzt passiert es öfter, dass zwei und mehr Bereitschaftsdienste nicht ausbezahlt werden. Dieses Geld fehlt dann am Ende des Monats, und dann werden wieder mehrere Bereitschaftsdienste nachgeholt, dann haben wir mehr Abzüge auf unserem Lohnstreifen. Zurzeit können wir nur wenig Geld auf Seite legen. Die letzte Stromrechnung war mit 400 Euro sehr hoch. Und dann kommen noch die anderen Nebenkosten auf uns zu. Ich finde, es ist an der Zeit, dass die Löhne in Südtirol steigen.

Frau A.

Meine größten Ausgaben sind die Wohnungsmiete und die Nebenspesen. Für die Rente zahle ich jedes Monat in den Raika-Fonds, da ich leider nur mit einer Altersrente rechnen kann. Moment spare ich überall, wo es geht.

Herr T.

Ich komme in Moment so grade über die Runden. Der größte Kostenfaktor ist mein Darlehen für das Haus, das zu tilgen ist. Zurzeit kann ich nichts zur Seite legen, sparen muss ich in allen Bereichen.

Ich arbeite als Koch im Krankenhaus, bin aber sehr niedrig eingestuft.

Man müsste dringend die Berufsbilder anpassen, ein Koch sollte in der 6. Funktionsebene gestellt werden, wenn auch eine Verwaltungssekretärin in dieser ist. Leider wird der Bereich Küche immer vernachlässigt.

Es ist mit diesen Hungerlöhnen fast unmöglich, Köche von der Privatwirtschaft für fürs Öffentliche zu begeistern.

Frau H.

Ich bin Pensionistin, bekomme die Mindestrente und ärgere mich, dass den Frauen, die daheim bei den Kindern bleiben, die Jahre nicht anerkannt bekommen.  

Frau E.

Ich komme mit meinem Lohn gar nicht zurecht, kann auch nur 60 Prozent arbeiten, Ich habe Familie und eine Mutter zu betreuen. Ich spare, wo es geht. Am meisten spare ich bei den Kleidern. Ich mache keinen Urlaub. Manchmal spare ich auch beim Essen, wenn es mal nicht bis ans Monatsende reicht. Zur Seite legen kann ich nichts.

Frau A.

Ich komme halbwegs über die Runden mit meinem Gehalt, muss aber dazusagen dass ich viel Verantwortung trage. Der größte Kostenfaktor sind die Raten für das Haus und die Lebensmittel. Wir sparen auch bei der Kleidung und bei der Freizeit. Das heißt: Wir kaufen fast ausschließlich gebraucht, also zweiter Hand. Und wir machen weniger Ausflüge. Eine Lohnerhöhung wäre dringend notwendig.

 

Herr H. :

Ich habe drei Kinder und arbeite seit zwei Jahren in der Schweiz, damit wir als Familie in Südtirol über die Runden kommen. Wir sind mit dem Südtiroler Lohn nicht mehr zurechtgekommen.

Frau G.:

Wir haben zwei Kinder und kommen gerade so über die Runden, obwohl mein Mann ganztags und ich halbtags arbeite. Gestiegen sind besonders die Kosten für Strom, Heizung und die Miete,  aber auch die Lebensmittel. Besonders bei Obst und Gemüse muss ich genau hinschauen, auf eine gesunde Ernährung will ich doch auch achten. Ein großes Problem haben wir jetzt, ich muss zum Zahnarzt, die Behandlung würde über 10.000 Euro kosten, das kann ich mir beim besten Willen nicht leisten. Da bin ich jetzt schon verzweifelt, wie ich mir das bezahlensoll.

Herr G:

Ich lebe getrennt, muss Unterhalt für meinen Sohn zahlen und dann auch noch die Miete für meine Wohnung. Miete und Unterhalt sind ab Jänner gestiegen, aber mein Gehalt im Altersheim bleibt gleich – Lohnerhöhungen sind dringend nötig.

 

 

 

 

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