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„Es gibt keinen Feind in Rom“

In der Pandemie war er eines der bekanntesten Gesichter, nun kandidiert er im Senatswahlkreis Ost am 25. September: Markus Falk. Der Biostatistiker im Interview.

Tageszeitung: Herr Falk, die Infektionszahlen steigen wieder, Experten warnen vor einer Herbstwelle. Haben Sie überhaupt Zeit für eine Kandidatur bei den Parlamentswahlen?

Markus Falk: Das muss sich vereinbaren lassen. Eine Kandidatur ist zunächst nur eine Kandidatur. Die Zeit, die man hineinstecken muss, um den Wahlkampf betreiben zu können, muss sich zusätzlich finden lassen.

Wie ernst nehmen Sie die Kandidatur?

Wenn man kandidiert, dann muss diese klarerweise auch ernst nehmen. Was den Wahlkampf selbst anbelangt handle ich aber passiv. Ich mülle niemanden mit Informationen zu, die man nicht haben will, sondern antworte auf Fragen.

Sie haben bereits bei den Gemeinderatswahlen für den M5S kandidiert. Dennoch verwundert es, dass Sie sich nun auch für die Parlamentswahlen aufstellen…

Der Grund ist einfach: Ich möchte schlichtweg aufzeigen, dass wir für die Bewältigung des Klima- und demografischen Wandels falsch aufgestellt sind. Mit der derzeitigen Streitpolitik, die erst reagiert, nachdem der Schaden schon da ist, wie beispielsweise der Wassermangel, überlange Wartelisten oder etwa ein Krieg, werden wir immer auf der Verliererseite sein. Wir benötigen hingegen eine Politik, die vorausdenkt, antizipiert, die Bürger mit ins Boot holt und eint. Warum es diese Politik noch nicht gibt, hat aber auch damit zu tun, dass wir als Gesellschaft nur bedingt so weit sind.

Warum kandidieren Sie für den M5S?

Ich sehe den M5S nicht als Partei, sondern als Bewegung. Für mich ist sie eine Plattform mit Werten, die man mit jedem teilen kann. Mir ist wichtig, dass man die Partizipation aller sucht. Die Mitglieder entscheiden, wo und wie es lang geht. Natürlich vermischen sich hierbei auch viele Richtungen, aber es handelt sich um eine unverbrauchte Bewegung, die keine Geschichte hinter sich, sondern nur eine Zukunft vor sich hat. Die Grillini waren am Anfang zwar die „Verrückten“, mittlerweile ist es aber eine groß aufgestellte Bewegung, die alle Themen abdeckt, weil sie aus der Mitte der Gesellschaft kommt.

Die Prognosen vor der Wahl rechnen aber mit einem klaren Sieg für Mitte-Rechts und Fratelli d’Italia. Was halten Sie davon?

Wie gesagt, ich halte nichts von einer Hick-Hack-Politik, dementsprechend halte ich auch nichts von Mitte-Rechts. In der Politik werden meistens Behauptungen aufgestellt, die haltlos sind, aber plausibel wirken. Viele laufen solchen Karotten dann nach, da man nicht mehr denken muss. Für mich ist es daher umso wichtiger Alternativen aufzuzeigen. Auch wenn ich mit meiner Kandidatur nur ein Zeichen setzte, könnten andere dem Beispiel folgen und bereits jetzt ist die Auswahl an Kandidaten schon viel breiter als noch 2018 und zudem stehen nächstes Jahr die Landtagswahlen an.

Der M5S ist in Südtirol eine kleine Partei. Rein mathematisch gesehen: Wie hoch rechnen Sie die Chancen ein, dass Sie ins Parlament gewählt werden?

Es wäre vermessen zu behaupten, dass ich Chancen hätte. Politische Wahlen sind aber kein Wettrennen, sondern zeigen auf, wo die Mehrheiten liegen. Wenn mir also jemand die Stimme „schenkt“, dann ist diese nicht verloren, selbst wenn ich keine Chancen habe, sondern sie sagt etwas aus. Egal wem man die Stimme schenkt, verloren ist sie nur für diejenigen, die nicht zur Wahl gehen. Man darf den Wähler ruhig in die Verantwortung nehmen, denn man bekommt schlussendlich immer nur die Politik, die man verdient.

Sie haben vor allem über nationale Themen gesprochen. Wie stehen Sie aber zur Autonomie? Steht diese gut da?

Was Südtirol anbelangt, muss man zwischen einer Mitsprache bei den nationalen Themen und den Besonderheiten der Provinz unterscheiden. Meine Erfahrung ist, dass wir eine enorme Hochachtung genießen, können das Potenzial aber nur bedingt ausschöpfen. Zudem gibt es viele Missverständnisse, sodass Südtirol oft mit dem Trentino verwechselt wird und man sich wundert, dass man hier Deutsch spricht. Wie kann dies eigentlich sein? Der Römer hat verstanden, dass es ein Südtirol ohne Autonomie nicht geben kann und dass man sich wehrt, würde diese beschnitten. Einen Feind in Rom, der uns etwas wegnehmen will, gibt es aber nicht, ist aber für manche als Karotte hilfreich.

Was wird uns im November eher beschäftigen: Die neue Regierung oder die hohen Infektionszahlen?

Im November könnte es mit den Coronazahlen heiß werden, das gilt aber auch für die Regierung. Die Wahl wird dann aber bereits entschieden sein. Ich kann aber die Coronazahlen eher vorhersagen als das Wahlergebnis. Ich gehe also davon aus, dass ich mich auf die Coronazahlen konzentrieren darf.

Interview: Markus Rufin

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (8)

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  • criticus

    „…ist aber für manche als Karotte hilfreich“
    Besonders für eine Partei, deren PolitikerInnen seit vielen Jahren in Südtirol, nur an sich selber denken. Streitereien, Geldgier und Machtgier. Und hinzu kommt, dass einige schon mit den Rechten in Rom „gepacktelt“ haben. Angst einjagen war schon bei Magnago groß geschrieben. Der wollte gegen Ende der 70er Jahren die Schützen und Feuerwehr mit Gewehren ausrüsten, wenn die Kommunisten Wahlen gewinnen. Genau wie die Kirche, alles auf Angst aufbauen.

  • steve

    Wie kann man sich als seriöser Wissenschaftler einem schreienden Clown, der alle und alles beschimpft und dessen Regierung nichts, aber auch gar nicht weitergebracht hat, anschließen.

    Die Regierung Conte musste wegen Inkompetenz zurücktreten, das darf man nicht vergessen!

    Schäm dich Falk einer solchen populistischen Gruppierung anzugehören!

    • leser

      Steve
      Du schätzt das berufsbild falsch ein
      Biostatustiker si d weder wissenschaftler noch mediziner
      Genauso wie bänker keine unternehmer sind

    • klum

      Verfolgen Sie das politische Geschehen Italiens nicht? M5S hat nichts, gar nichts weitergebracht? Ja wo leben Sie denn? Der M5S hat Italiens Politik aufgerüttelt, aufgeweckt, wachgerüttelt.Das war im Prinzip ein politisches Erbeben. Viele Dinge die der M5S weitergebracht hat sind übrigens gar nicht so übel. Viel mehr haben die anderen auch nicht erledigt.Man muss deshalb aber nicht M5S wählen. Noch weniger jene, die wirklich nichts, aber auch gar nichts weitergebracht haben und immer nur die große Klappe aufreißen und unmögliches versprechen.

  • andreas1234567

    Hallo nach Südtirol,

    etwas vermisse ich seit Jahren einmal eine journalistische Fleissarbeit was der werte Herr schon prophezeit und versprochen hat und dem gegenübergestellt was die Geschichte gelehrt hat.

    Erinnerungsstützen:

    Wenn so und so viele zum Massentest rennen haben wir einen unbeschwerte Wintersaison 2020(2021

    Geht es den vielen, vielen Kinder sie seit Januar 2022 im Spital gelandet sind wieder besser? Wieviele waren das nochmal insgesamt?

    Der Anfang 2022 prophezeite Omikronsturm in den Klinken (hat es bis in die RAI-Tagescchau geschafft) kommt vielleicht noch, ist ja noch 3 Monate Zeit.

    Anfang 2020 gab es einen ff-Artikel über diese schillernde Person:

    https://www.ff-bz.com/kultur-leben/leben/2020-17/hofnarr-ist-los.html

    Gruss nach Südtirol

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