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„An der Tagesordnung“

Foto: 123rf

Die Feuerwehren in Südtirol rücken heuer häufiger zu Einsätzen aus, um Wespennester zu entfernen. Oftmals wäre eine Alarmierung aber gar nicht nötig. Reinhard Weger, Kommandant der FF Bruneck, klärt auf.

Tageszeitung: Herr Weger, zurzeit ist in Südtirol ein erhöhtes Aufkommen von Wespen festzustellen. Leidet das Land unter einer Wespenplage? 

Reinhard Weger: Tatsächlich beobachten wir derzeit ein verstärktes Aufkommen von Wespen, von einer Plage würde ich jedoch noch nicht sprechen. Zuletzt waren viele Jahre ähnlich wespenintensiv.

Wodurch wird die starke Wespenpräsenz begünstigt?

Die ausschlaggebende Zeit ist immer der Winter. Sind die Winterperioden relativ kurz, fehlen die langen Kälteperioden und fallen wenig Niederschläge, sind für den nachfolgenden Sommer relativ viele Wespen zu erwarten, weil diese Faktoren das Überleben der Tiere begünstigen. Zudem sind heiße Temperaturen im Sommer förderlich für die Vermehrung der Wespen. Somit ist das relativ starke Aufkommen heuer dem besonderen klimatischen Jahr geschuldet. Aufgrund der derzeitigen klimatischen Entwicklungen, nämlich der immer heißer werdenden Sommer und immer milderen Winter, wird das Überleben der Wespen von Jahr zu Jahr begünstigt. Das wird sich in Zukunft wahrscheinlich intensivieren.

Wurde die Freiwillige Feuerwehr Bruneck in diesem Sommer bereits zu mehreren Einsätzen aufgrund von Wespennestern gerufen? 

Ja, Einsätze zur Insektenbekämpfung sind zurzeit an der Tagesordnung. Vereinzelt werden wir bereits im Mai zu solchen Einsätzen gerufen, im Juni dann verstärkt. Das Hoch der Wespeneinsätze ist jährlich im Juli und August zu verzeichnen. Ab September klingen solche Einsätze wieder etwas ab, wobei zu vermerken ist, dass die Wespen insbesondere zu Ende des Sommers gefährlich sind. Das liegt an drei Faktoren: Zum einen sind die Tiere im September zahlreicher, weil sie sich den ganzen Sommer über vermehren konnten und zum anderen sind zu dieser Zeit die Früchte reif, welche die Wespen zusätzlich anziehen. Zudem verbringen die Menschen aufgrund der meist noch milden Temperaturen im September weiterhin viel Zeit im Freien. All diese Komponenten können dazu führen, dass die Wespen tatsächlich zu einer Plage werden.

Sind die Wespen südtirolweit unterschiedlich stark verbreitet? 

In den Ballungszentren sind mehr Einsätze zu verzeichnen, weil die Plage dort größer ist. Jedoch muss man auch ehrlich sagen, dass sich die Menschen dort oft weniger zu helfen wissen.

Die Menschen wissen sich nicht zu helfen? Das heißt, man muss bei einem Wespennest nicht immer zwingend die Feuerwehr rufen? 

Nein, gegen Wespen kann man selbst auch aktiv werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dem Abhilfe zu verschaffen. Einerseits gibt es entsprechende Mittel, meist in Form von Sprays, die man selbst kaufen kann und die gegen Wespen wirksam sind. Andererseits, wenn sich das Wespennest an einer dementsprechenden Stelle befindet, sollte es einfach in Ruhe gelassen werden. Sind die Wespen jedoch im Haus, verursachen dort irgendwelche Schäden, halten sich Kinder oder Tiere in der Nähe auf oder gibt es Personen, die allergisch sind, dann sollte man natürlich die Feuerwehr alarmieren. In solchen Fällen sind drastischere Maßnahmen nötig. Diese reichen von Aussiedlung bis zur Vernichtung. Letzteres ist leider oft nicht vermeidbar, insbesondere wenn sich die Wespen im Haus oder an unzugänglichen Stellen befinden.

Kommt es in diesem Zusammenhang oft zu unnötigen Einsätzen? 

Ob ein Einsatz unnötig ist, liegt natürlich im Auge des Betrachters. Als Feuerwehrmann schätzt man Einsätze oft anders ein als jemand, der zum ersten Mal mit einem solchen Problem konfrontiert ist. Das liegt daran, dass für uns Feuerwehrmänner bestimmte Dinge zur Routine geworden sind. Wenn man als Feuerwehr zu einem Einsatz gerufen wird und nur ein Mini-Nest mit zwei Wespen vorfindet, ist der Feuerwehreinsatz nicht unbedingt gerechtfertigt. In solchen Fällen könnten die Privatpersonen beruhigt selbst Hand anlegen und das Problem mit einem Besen und einem Lappen beseitigen. Grundsätzlich hängt die Notwendigkeit eines Einsatzes immer von der Größenordnung ab. Die Menschen müssen manchmal ihr Gehirn und den Hausverstand einschalten, denn das wirkt wahre Wunder. In einem nächsten Schritt muss man sich fragen: Ist ein Einsatz der Feuerwehr notwendig oder kann ich das Problem selbst beheben? Ich bin überzeugt, dass mit dieser Vorgehensweise viele nicht unbedingt notwendige Einsätze herausgefiltert werden könnten. Zurzeit sind die Wespen aber bereits so lange aktiv, dass sie dementsprechend zahlreich und die Nester dementsprechend angewachsen sind. In diesen Fällen wird in der Regel die Hilfe von Fachleuten benötigt und dann helfen wir als Feuerwehr sehr gerne.

Interview: Franziska Mayr 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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