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Zehn Jahre danach

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In der Nacht vom 4. Auf den 5. August 2012 hat ein Unwetter im Wipptal enorme Schäden angerichtet. Zehn Jahre danach zieht die Wildbachverbauung Bilanz.

Ein verheerendes Unwetter ging in der Nacht vom 4. auf den 5. August vor genau zehn Jahren nieder: Bis zu 86 Liter Niederschlag pro Quadratmeter wurden zwischen 17 Uhr und 3 Uhr Früh verzeichnet, als Starkregen oder als Hagelschlag. Nahezu alle Gemeinden des Wipptales waren von Murabgängen und Überschwemmungen betroffen, neben Brenner, Freienfeld und Sterzing hauptsächlich Pfitsch.

Es war dies eines der größten Unwetter der vergangenen 30 Jahre, berichtet der heutige Direktor des Landesamtes für Wildbach- und Lawinenverbauung Nord Philipp Walder. Besonders tragisch, erinnert er sich, war der Tod von zwei Frauen in Gebäuden in den Pfitscher Fraktionen Afens und in Tulfer, deren Häuser von abrutschenden Erdmassen vermurt worden waren. Es gab viele kritische Situationen, die aber zum Großteil glimpflich für die Betroffenen ausgegangen sind, etwa für die Menschen in den eingeschlossenen Autos im Tunnel am Eingang des Pfitschertales.

Auch die Sachschäden waren enorm, neben Wohngebieten – Teile von Wiesen, Sterzing und Thuins mussten zeitweise evakuiert werden – war vor allem die Infrastruktur betroffen: Die Brennerbahnstrecke war in mehreren Abschnitten vermurt, auch die Brennerstaatsstraße und die Landesstraßen nach Pfitsch, Ridnaun und Telfes waren übersart und zeitweise gesperrt.

„Mit mehreren Sofortmaßnahmen im Ausmaß von nicht ganz drei Millionen Euro haben wir das Leben wieder ermöglicht und eine absolute Krisensituation entschärft“, fasst Amtsdirektor Walder zusammen: „Wir haben die Wasserläufe wieder in ihre ursprünglichen Bachbette gelenkt, Häuser ausgegraben, Straßen und Felder frei geräumt und innerhalb von zwei bis drei Monaten alles so aufgeräumt, dass man fast nichts mehr gesehen hat.“

Die Aufräumarbeiten erfolgten unter Aufbietung aller Ressourcen, der Notstand wurde ausgerufen, an die 500 Einsatzkräfte mit Feuerwehren, Rettungsorganisationen, Zivilschutz (wie der Bevölkerungsschutz damals hieß), Wildbachverbauung, Sicherheitskräfte standen im Einsatz. „Über eine halbe Million Kubikmeter Geschiebe galt es zu beseitigen“, erinnert sich Walder: „Es war erfreulich, dass wir schnell und unbürokratisch vielen Menschen helfen und fast alle Erwartungen auch erfüllen konnten.“

„Bereits vor dem verheerenden Unwetter hatte die Landesabteilung Wasserschutzbauten mit dem damaligen Direktor Rudolf Pollinger Schutzbauten in diesem Gebiet errichtet. Erst 2010/2011, also knapp vor dem Unwetter, war ein neues Rückhaltebecken samt Sperren in Fußendraß fertiggestellt worden. Ohne die bereits bestehenden Schutzbauten wäre das Ausmaß der Schäden wohl noch um einiges größer ausgefallen“, unterstreicht der Direktor der Agentur für Bevölkerungsschutz Klaus Unterweger. „Aber trotz aller Vorsorge und Schutzmaßnahmen wird es wohl nie eine hundertprozentige Sicherheit vor Naturgefahren in einem Berggebiet wie Südtirol geben.“

Nach dem Unwetter, ab dem Jahr 2013, begann die Wildbachverbauung mit der Umsetzung neuer Projekte, Investitionen im Ausmaß von circa 15 Millionen Euro wurden in Folgeprojekte wie Rückhaltebecken, Ufersicherungen, Konsolidierungssperren im Pfitscherbach, im Burgumerbach, im Afenserbach, im Tulferbach und im Großbergbach investiert. „Die Verbauungen waren zum Teil sehr aufwändig und haben sich entsprechend in die Länge gezogen“, erklärt Walder. Im Großbergbach im Weiler Fußendraß etwa wurde ein Gesamtkonzept mit neuer Zufahrt, neuer Brücke, neuen Dämmen um rund 5,5 Millionen Euro angelegt.

Bis in das nächste Jahr hinein sind somit insgesamt 18 bis 19 Millionen Euro nach dem verheerenden Unwetter von vor zehn Jahren investiert worden.

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