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Der Puff

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In der Bozner Claudia-Augusta-Straße ist ein chinesischer Massagesalon als Ort der Prostitution enttarnt worden. Auch dank eines verliebten Südtiroler Kunden.

Von Thomas Vikoler

Ende Juni dieses Jahres sind zwei Rumänen in Bozen verhaftet worden.

Der Vorwurf: Zuhälterei und Versklavung von zwei rumänischen Sex-Arbeiterinnen, die von ihnen „wie Tiere“ gehalten worden waren. Eine nicht unwesentliche Rolle bei der Aufklärung des Falles spielte ein Mann aus dem Sarntal, ein ehemaliger Kunde einer der beiden Frauen.

Auch diesmal kommt ein deutschsprachiger Südtiroler in den Ermittlungsakten der Polizei vor.

Er war offenbar mit einer Chinesin eine nähere Beziehung eingegangen, die bis vor kurzem in einem Massagesalon in der Bozner Claudia-Augusta-Straße tätig war.

Der Südtiroler überredete die Frau, bei der Polizei Anzeige gegen ihre bisherige Arbeitgeberin, ebenfalls Chinesin, zu erstatten.

Die Angezeigte betreibt den oben genannten Massagesalon, für den nun eine richterliche Vorbeugebeschlagnahme angeordnet worden ist. Für die Betreiberin wurde hingegen ein Haftbefehl mit Hausarrest verfügt.

Der Vorwurf lautet auf Zuhälterei und gründet auf den Erkenntnissen der Ermittler, dass in dem Massagesalon in der Claudia-Augusta-Straße vornehmlich sexuelle Dienstleistungen erbracht wurden. Also ein Bordell, das es in Italien laut Gesetz bekanntlich nicht geben darf.

Im Haftbefehl ist davon die Rede, dass die Zuhälterei in dem Salon „am Rande der Sklaverei“ betrieben worden sei. Fünf chinesische Frauen, für wenige Stunden am Tage beim INPS als Masseurinnen gemeldet, seien dort finanziell und psychisch ausgebeutet worden. Weil sie offenbar mit der Hilfe der Betreiberin des Salons nach Italien gelangt waren, seien sie auch finanziell in ihrer Schuld gewesen. Von Drohungen, sie nach Hause zu schicken oder sie anzuzeigen, sollten sie gegen sie aufbegehren, ist die Rede.

Für ihre Dienste erhielten die Arbeiterinnen laut Haftbefehl höchstens 500 Euro monatlich, die Kunden zahlten bis zu 200 Euro pro Sex-Kontakt.

Eine der fünf Frauen hat, wie erwähnt, aufbegehrt, indem sie nicht mehr in den Massagesalon zurückkehrte und sich unter den Schutz des Südtiroler Kunden stellte.

Der Massagesalon in der Bozner Claudia-Augusta-Straße war etliche Jahre in Betrieb. Im Jahre 2015 wartete er mit einem bemerkenswerten Aushang im Schaufenster auf: „Wir sind kein Bordell, deshalb schließen wir“.

Die Betreiber sahen sich offenbar dem Vorwurf ausgesetzt, dass dort mehr als Massage angeboten würde.

Ein Verdacht, der sich nun, sechs Jahre später, zu bestätigen scheint.

Eigentümer der Immobilie, in dem sich der Salon befindet, ist ein – offenbar nichtsahnender – Bozner, der sie an eine andere Person als die Betreiberin vermietet hat.

Im Zuge der Ermittlungen setzte die Polizei versteckte Kameras in den Massageräumen ein und befragte zahlreiche Kunden, vor allem deutschsprachige Südtiroler.

Als weiteren Beweis für einen Gesetzesverstoß sieht die Polizei die zahlreichen Werbeinserate des Salons auf Sex-Seiten. Von Massage ist dort nicht die Rede.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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