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Postbus statt Drohnen

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Die Verbraucherschutzorganisation Robin meint: Eine Renaissance des guten alten Postbusses könnte öffentlichen Nahverkehr zukunftsfähiger machen

Tagtäglich, teilweise auch am Sonntag, seien in Südtirol Lieferfahrzeuge für die Pakete der Online-Händler unterwegs und verstopften zusätzlich die Straßen. Das wachsende Paketaufkommen sei ur schwer durch die Lieferdienste zu bewältigen. Kunden sieien unzufrieden, Zusteller oft schlecht bezahlt und dadurch unter beträchtlichem Druck, so schreibt die Verbraucherschutzorganisation Robin.

Die Arbeitsbedingungen seien oft prekär. Dies alles wirke sich auch auf oft gefährliche Fahrgeschwindigkeiten und Fahrsicherheit der Auslieferer aus.

Unterdessen nähmen Beschwerden von Online-Kunden zu. „Sie beklagen beschädigte oder verschwundene Pakete, verspätete Lieferung, einfach am Hauseingang oder im Hausflur abgestellte Pakete oder Benachrichtigungskarten im Briefkasten, die Sendung selbst abzuholen oder eine Bezahlnummer anzurufen, obwohl jemand zu Hause ist“, so Robin.

Und weiter:

„Bei der zukünftigen Paketzustellung denken viele Menschen an den Einsatz von Drohnen. Doch bei der riesigen Menge an Auslieferungen wäre der Luftraum ziemlich überlastet. Außerdem ist der Aufbau einer eigenen Infrastruktur eine Jahrzehnteaufgabe. Leichter wäre es doch, etwas zu nutzen was schon da ist. Noch bis in die 60er-Jahre beförderte in Österreich und Deutschland der Postbus Personen, Post und Waren.

Tatsächlich könnte der Postbus, auch wenn die Idee auf den ersten Blick altmodisch und wenig spektakulär klingt, das Problem mit den Paketen lösen – und zusätzlich einige weitere.“

Der ländliche Raum profitiert, wenn der City-Bus zum Paketdienst wird

Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens einzuhalten, müssten in den kommenden Jahren auch im Verkehrssektor große Mengen an Treibhausgasemissionen eingespart werden, so Robin. Durch den Umstieg auf alternative Antriebsmittel allein werdedas jedoch nicht funktionieren. „Die gefahrenen Kilometer an sich müssen reduziert werden, indem Fahrten intelligent gebündelt werden. Dabei spielt auch der öffentliche Nahverkehr (ÖNV) eine wichtige Rolle.“

Die Lösung, die auch das Südtiroler City-Bus-Modell aufwertet:

Damit sich der ÖNV auch auf dem Land finanziell lohnt, brauche es neben der Personenbeförderung weitere Einnahmequellen. So könnten die Busse ihre freien „Ladesflächen“ zu Zeiten der geringeren Auslastung Dritten zur Verfügung stellen, meinen die Verbraucherschützer von Robin. „So könnten Kombi-Busse Pakete, Post und Menschen befördern – die Busanbindung des ländlichen Raums lohnt sich so in vielerlei hinsicht.“

Der Geschäftsführer des Verbraucherschutzvereins Robin, Walther Andreaus, sieht vor allem dass für die »vorletzte Meile« im ländlichen Raum die Verknüpfung von ÖPNV und Logistik einige Vorteile mit sich bringt.

„Finanziell können Bus (und Bahn) besser abgesichert werden. Für die Unternehmen im ländlichen Raum ergeben sich neue Geschäftsmodelle und es sind beispielsweise Lieferungen am gleichen Tag möglich. Treibhausgase und Feinstaub sinken durch die Reduzierung der Fahrten. Das System ländlicher Raum wird durch das Entfallen doppelter Wege, der besseren Nutzung der Infrastruktur und der besseren Anbindung aufgewertet.“

Das Konzept könnte auch in den Städten funktionieren

Das Problem der vollen Straßen sei in den Städten um ein Vielfaches größer und der Lieferverkehr verschärft das Platzproblem beträchtlich. „Die Verknüpfung von Nah- und Lieferverkehr würde in Städten vermutlich finanziell keine Vorteile bringen, könnte dort allerdings die allgemeine Lebensqualität der Menschen erhöhen. Oft stehen hier neben Bussen noch weitere Verkehrsmittel zur Verfügung, die ebenfalls zum Warentransport herangezogen werden können. So könnten Pakete aus einem Logistikzentrum per Bus in die Stadt befördert werden – wo der Empfänger sie vielleicht in einem Micro Hub abholt, oder aber sie werden von dort aus per Lastenrad zum Empfänger transportiert“, so Robin.

Abschließend heißt es in der Aussendung:

„Es ist nicht wünschenswert zu einer Lebensweise wie vor 100 Jahren zurückzukehren.  Doch das Beispiel Postbus zeigt, dass es sich lohnt, ab und zu einen Blick in die Vergangenheit zu werfen – und gute alte Ideen zu guten neuen weiterzuentwickeln.

Gerade mit den Mitteln des staatlichen Planes für Aufbau und Resilienz (PNRR) und dem vorgesehenen Ankauf von neuen umweltfreundlichen Bussen und für die Modernisierung und Potenzierung der Mobilität auf Schiene ist es notwendig neue Strategien für einen attraktiven, nachhaltigen und umweltfreundlicheren öffentlichen Nahverkehr in Südtirol zu verwirklichen.“

 

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Kommentare (1)

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  • sougeatsnet

    Aber hallo, diese Idee der Paketzustellung muss wohl nochmals gründlich überdacht werden. Ich habe heuer eine Studie zur Paketzustellung gelesen und dabei wurde festgestellt, dass der Paketzustelldienst im ländlichen Raum den Verkehr reduziert und nicht erhöht. Im städtischen Raum ist es genau anders herum. Also lieber Robin-Verein informiert euch besser. Das Problem ist der Individualverkehr. Sicher wäre eine bessere Koordination unter den Paketzustelldiensten sehr hilfreich und würde Verkehr vermeiden helfen. So müsste nur ein Liferauto 1-2-mal täglich eine Landgemeinde abfahren. Besser wäre eine eigene Paketabholstation je Dorf, wo jeder dann sein in einem Schließfach lagerndes Paket mit einem Code zu jeder Zeit abholen könnte. Gerade im Winter wäre dies ein großer Vorteil, da der zu Beliefernde selbst entscheiden kann, wann das Abholen gut geht. Bei vorhandenen Paketabholsationen könnte ich mir auch eine Zulieferung mit Bus vorstellen, aber da muss zuvor die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden. Also da müsste noch einiges passieren.

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