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„Heftige Reaktionen“

Das einsprachige Markenlogo der Brixen Tourismus Genossenschaft sorgt für Polemiken. Der Landtag will nun einen Arbeitstisch einrichten. Wie man in Brixen das Logo rechtfertigt.

Von Erna Egger

In Brixen ist man die ständigen Auseinandersetzungen rund um die Ein- und Zweisprachigkeit leid: „Das ist eine Polemik, die allein von italienischen Rechtsparteien geschürt wird. In Brixen ist dies absolut kein Stein des Anstoßes“, will Markus Huber, Präsident der Brixen Tourismus Genossenschaft, betonen.

Worum geht es? Die Brixen Tourismus Genossenschaft verwendet auf ihrer Webseite sowie in den gedruckten Infobroschüren auch für den italienischen Markt ein rein einsprachiges Logo mit der deutschen Bezeichnung „Brixen“.

Alessandro Urzì, Landtagsabgeordneter von Fratelli d’Italia, hat dafür kein Verständnis: „Für diese Entscheidung, die mit fadenscheinigen, marketingstrategischen Argumenten begründet wird, erntete die Genossenschaft massive Kritik“, betont er. „Nicht nur in der Öffentlichkeit gab es heftige Reaktionen – auch in der Politik wurde diese Entscheidung hinterfragt. Selbst aus den Reihen der Landesregierung wurden kritische Stimmen laut.“

Diese Beanstandung hat Urzìin der letzten Landtagssitzung zum Thema gemacht und einen Tagesordnungsantrag deponiert. Darin zitierte er auch Landesrat Massimo Bessone, der sich in Medien zur Thematik wie folgt geäußert hatte: „Was den Fall rund um die Reiseführer der Stadt Brixen angeht, in denen das Brixen-Logo nur in deutscher Sprache verwendet wird, bin ich der Meinung, dass dies nicht nur im Hinblick auf das Zusammenleben, sondern auch für den Tourismus und das Stadtmarketing völlig falsch und kontraproduktiv ist. Wir sollten die Gäste nicht vergraulen, sondern sie mit der Schönheit unseres Landes anlocken. Ich lebe in einer zweisprachigen Familie und bin stolz darauf, in einem Südtirol zu leben, in dem das Zusammentreffen dreier Kulturen und die Kenntnis mehrerer Sprachen einen Mehrwert darstellen. Wir sollten also von der Mehrsprachigkeit profitieren, unseren Geist öffnen und nach vorne schauen, anstatt in die törichten Fehler der Vergangenheit zurückzuverfallen.“

Ein taktisches Vorgehen von Urzì: Indem er auch Bessone in die Polemik involviert hatte, konnte die Mehrheit im Landtag seinen Tagesordnungsantrag nicht einfach versenken.

In seinem Antrag schreibt Urzì weiter: „Das Beispiel aus der Stadt Brixen ist kein Einzelfall. Auch die Dachmarke ‚Südtirol‘ wird von den vom Land finanzierten Institutionen nämlich genauso systematisch nur in deutscher Sprache geführt, und das auch in der Werbung für den italienischen Markt. Solche Praktiken müssen die Politik dazu veranlassen, sich eingehend mit der Frage auseinanderzusetzen, ob das Land und die Gemeinden – in diesem Fall die Stadtgemeinde Brixen – mit öffentlichen Geldern Aktionen finanzieren dürfen, die das ‚Markenzeichen‘ unseres Landes herabwürdigen. Die Rede ist von der Mehrsprachigkeit, einer der Säulen unserer Autonomie, die auch in den touristischen und sozialen Markenzeichen unseres Landes zur Geltung kommen sollte“, so Urzì.

Seine Forderung im Antrag: die Zuweisung öffentlicher Mittel für die Tourismus- und Imagewerbung Südtirols an die Bedingung zu knüpfen, dass die Logos und Markenzeichen Südtirols und der jeweiligen Tourismusgebiete bzw. Gemeinden sowohl in italienischer als auch deutscher Sprache verwendet werden – und das Beispiel aus Brixen zu verurteilen.

Die Mehrheit im Landtag beriet in einer internen Sitzung über den Umgang mit dem Antrag von Urzì. Schließlich einigte man sich mit Fratelli d’Italia, einen Arbeitstisch einzurichten, an dem auch der Landtagsabgeordnete Urzì teilnehmen wird. Letzterer hat daraufhin seinen Antrag zurückgezogen. „Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden werden“, so der Abgeordnete.

In Brixen ist man indes dieser Themen überdrüssig. Eines hat die Polemik bewirkt: Ein Informationsblatt zum Sommerangebot auf der Plose wird nachgedruckt. „Effektiv wurde dort auf dem Titelblatt ‚Brixen‘ nicht übersetzt, was ein Fehler war. Dies wird bei den Neudrucken von 1.000 bis 2.000 Stück revidiert und mit ‚Bressanone‘übersetzt, was jedoch nichts mit dem Logo zu tun hat“, kommentiert Werner Zanotti, Direktor in der Brixen Tourismus Genossenschaft.

Er will klarstellen: „Dies geschieht jedoch nicht, weil jemand geschrien hat, sondern weil bei 40 Drucksorten, die wir jährlich in Auftrag geben, einmal ein Fehler passieren kann.“

Huber zur Polemik: „Mich haben viele Italiener darauf angesprochen, sie sehen alle kein Problem, auch jene in unserem Verwaltungsrat nicht. Es gibt immer wieder Schreier, die Unruhe schüren wollen.“

Er betont: „Wir wollen uns nicht in eine politische Diskussion hineinziehen lassen. Es war eine rein marketingtechnische Überlegung. Und die Fachleute haben uns empfohlen, eine Marke einsprachig zu verfassen. Als Touristiker wollen wir sicherlich nicht einen Gast brüskieren, das liegt uns fern.“

Er stellt klar: „Das Logo wird sicher so bleiben, wie es ist. “

Bürgermeister Peter Brunner fügt hinzu: „Es handelt sich nicht um das Logo der Gemeinde, sondern der Tourismusgenossenschaft, was von einigen verwechselt wird. Es wird dazu touristische Überlegungen geben. Es wird hier wieder mal Polemik gemacht, wobei man genau das Gegenteil tun sollte. Unter diesen Aktionen leidet das friedliche Zusammenleben.“

Er unterstreicht: „Ich werde mich in touristische Entscheidungen und in die Kommunikationsstrategien der Tourismusgenossenschaft nicht einmischen, weil mir das auch nicht zusteht.“

Der Bürgermeister und auch der Brixner Gemeinderat werden sich dennoch mit dieser Thematik auseinandersetzen müssen: Antonio Bova, Gemeinderat von Fratelli d’Italia,hat nämlich zur Polemik eine Anfrage eingereicht.

Brunner betont vorab: „Wir haben für die Entwicklung dieser touristischen Marke keine öffentlichen Gelder gewährt.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (6)

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  • erich

    Die Brixner sind nur der Zeit voraus, auf einigen italienischen Zugbahnhöfen werden die Durchsagen erst in englischer Sprache, dann in italienischer Sprache gemacht. Einfache Hinweise kann man ohne weiteres nur in englischer Sprache machen. Die Leute werden es überdrüssig, in 4 Sprachen anzuzeigen und zu überlegen, welche als erste und welche als letzte geführt wird.

  • rumer

    Bravo Brixen, Werbung mit zwei Namen zu machen ist Unfug.
    Besonders die ladinischen Gemeinden sollten ihren ladinischen Namen verwenden und den deutschen und italienischen ablegen.
    Die italienischen Gäste kommen nicht, weil wir italienisch sind, sondern weil wir deutsch sind. Wir sollten auch jeden Gast in unseren Lokalen und Geschäften auf deutsch ansprechen. So wie jedes italienische Lokal im Ausland die hereinkommenden Gäste auf italienisch begrüßt. Wir müssen das verkaufen, was wir haben und kein Fake.

  • schwarzesschaf

    Ach die ewigen Gestrigen, die noch nicht verstanden haben das eine Dachmarke eine Marke ist und diese unterliegt nicht der zweisprachigkeitspflicht

  • hilti

    Umziehen, sie können ja ruhig wieder dort zurückkehren, wo ihr Vater hergekommen ist.
    Glaube kein einziger Südtiroler wird Ihnen auch nur eine Tränen nachweisen.
    Dort können Sie Ihre Vatersprache sprechen, dennwird sind es Leid, Ihre Wutausbrüche miterleben zu müssen, wenn es nicht genau nach Ihren Denken geht.
    Südtirol wäre sicher, Europamässig viel weiter, wenn wir uns nicht immer mit solchen“ Ewiggestrigen“ rummschlagen müssten.
    Viiiiiele Italienischer Muttersprache, haben ihre dauernden Spaltungsversuche satt.
    Auch diese würden kein Taschentuch zücken, wenn sie richtung Venedig sich Verabsxhieden würden.
    So lieber Urzi, wachen sie doch einmal auf, und sehen auch sie ein, dass der Fachismus schon lange der Vergangenheit angehört.

  • robby

    Ohne das dumme Geplänkel um die Sprache hätte der Urzí Xander keine Existenzberechtigung und kein Einkommen. Was sollte er denn sonst machen, etwa arbeiten?

  • netzexperte

    @robby …etwa arbeiten? Der war gut, ich lach immer noch…. Urzi und auch Bessone betonen immer wieder, wie wichtig ihnen die Zweisprachigkeit ist – aber wenn man so kleinkariert denkt, nutzt das halt wenig. Dieser Nationalstolz (ich frag mich immer, worauf die stolz sind) und dieses faschistoide Gehabe geht einem jedes Mal auf den Sack. Wirklich bedauerlich, dass solche Herrschaften immer (noch) soviele Anhänger haben die wirklich glauben, dass diese Herrschaften zu ihrem Wohle „arbeiten“, derweil sind sie es die ständig Keile reinzutreiben versuchen.

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