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„Ein kleines Juwel“

In der Gemeinde Stilfs im Vinschgau wird das Haus Nr. 80 im Dorfkern als bedeutendes Baudenkmal unter Schutz gestellt.

Im Dorfkern von Stilfs wird ein 1895 erbautes Fachwerkhaus künftig als Baudenkmal geschützt. Denkmalpflege-Landesrätin Maria Hochgruber Kunezer hat am Dienstag in der Landesregierung die Unterschutzstellung beantragt, nachdem zuvor das Landesdenkmalamt das kulturelle Interesse festgestellt, das Unterschutzstellungsverfahren eingeleitet und die Zustimmung des Eigentümers eingeholt hatte. „Das Fachwerkhaus in Stilfs ist ein kleines Juwel, das zudem von der Geschichte des Bergdorfes erzählt“, betont Landesrätin Hochgruber Kuenzer, „wir möchten es als Baudenkmal und kulturelles Erbe auch für künftige Generationen erhalten.“ Interessant sei die für Stilfs typische Verbindung zwischen Gasthaus und Kramladen, das in der Vergangenheit nicht nur für die Dorfgemeinschaft ein Treffpunkt war, sondern auch für viele, die aus unterschiedlichsten Gründen das Stilfserjoch überquerten.

Das Bergdorf Stilfs liegt auf 1311 Metern Meereshöhe auf einem steilen Hang unter dem Ortler. Im Altdorf steht derzeit nur die Kirche unter Denkmalschutz. Das Fachwerkhaus ist, zusammen mit der denkmalgeschützten Stilfser Pfarrkirche zu den Heiligen Ulrich und Rochus, eines der wenigen verbliebenen Zeugnisse des Vinschgauer Dorfes, das am 21. November 1862 durch einen Brand fast völlig zerstört wurde. Von den 75 Gebäuden des Dorfes brannten 56 ab, 120 Familien und 600 Dorfbewohner verloren damals ihr Hab und Gut.

Das Denkmalamt bewertet das kleine Fachwerkhaus mit der Hausnummer 80 im Altdorf von Stilfs als „in seinem Kontext bedeutendes Baudenkmal vom Ende des 19. Jahrhunderts“. Erbaut wurde es von Ludwig Angerer als Gasthaus mit Kramladen, dessen Betrieb 1912 eingestellt wurde. Der Fachwerkbau gründet auf einem Steinsockel. Das Innere des Gebäudes ist mit Wandmalereien des Malers Giuseppe Gutgsell (geb. 1877 in Prad, gest. 1956 in Schlanders) ausgestattet. Erhalten sind davon zwei große Landschaftsbilder in den Giebelfeldern, die die Drei Brunnen in Trafoj und eine Almlandschaft vor dem Ortler darstellen, und unter denen sich mehrere Trinksprüche finden. Die bauzeitlichen Fenster, Türen und Böden sind erhalten. „Dieses kleine Fachwerkgebäude aus der Zeit um 1900, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, ist ein wichtiger Erzählfaden in der Geschichte dieses einzigartigen romanischen Haufendorfes Stilfs“, fasst Landeskonservatorin Karin Dalla Torre die Bewertung zusammen.

Mit ihrem Beschluss ermächtigt die Landesregierung die Landeskonservatorin Karin Dalla Torre, im Grundbuchamt in Schlanders die Eintragung der direkten Denkmalschutzbindung zu beantragen. Die Bindung wird nach Veröffentlichung im Amtsblatt der Region rechtswirksam.

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