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„ … das juckt keine Sau“

Mehr als zwei Geschlechter und unterschiedliche sexuelle Orientierungen: Eine Aktion der Südtiroler Jugendarbeit setzt Zeichen für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt.

„Rosa oder Blau ist viel zu Grau – Sei laut und mach‘ halt für Geschlechtervielfalt“ unter diesem Motto lief eine von Mitarbeitenden der Jugendzentren, Jugendtreffs und Jugenddienste initiierte Aktion.

Begleitet wurde die Aktion von netz, dem Dachverband der Offenen Jugendarbeit. Auf den sozialen Netzwerken wurde dazu aufgerufen digitale „Sticker“ mit einer Botschaft zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt zu versehen und zu veröffentlichen. netz fertigte dafür die passenden Vorlagen an.

Aus allen Veröffentlichungen wurden vier als Aufkleber gedruckt und am Freitag den engagierten Menschen hinter den Entwürfen feierlich übergeben. In den nächsten Tagen werden die Aufkleber auch an alle Jugendzentren, Jugendtreffs und Jugenddienste verteilt.

Im „Handbuch der Offenen Jugendarbeit in Südtirol“ – einem Grundlagendokument für die Arbeit mit jungen Menschen – sind Vielfalt und Gendersensibilität als wichtige Arbeitsprinzipien definiert. netz setzt sich daher für die Gleichberechtigung und Chancengerechtigkeit aller Geschlechter und für Menschen mit vielfältigen sexuellen Orientierungen ein.

Was unser Geschlecht ausmacht ist vielfältig. „Hormone, Chromosomen, innere und äußere Geschlechtsorgane sprechen dafür das Geschlecht eher als Kontinuum zu verstehen, anstatt als zwei, exakt voneinander unterscheidbare Kategorien“, erklärt die Aktionsgruppe.

In einer aktuellen repräsentativen Befragung, durchgeführt vom deutschen Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, waren 2,1 % der Befragten nicht-binär. Wenn man diese Zahlen auf Südtirol umrechnet, wäre das potenziell jede 48. Person. Einige Wissenschaftler*innen vermuten noch eine viel höhere Zahl. Andere Kulturen kennen schon lange mehrere Geschlechter. Seit 2019 kann man sich in Deutschland auch als „divers“ eintragen lassen.

„Dies ist nur als erster Schritt zu verstehen, der versucht, der Realität gerecht zu werden“, unterstreicht Birgit Schwarz, sie begleitet die Mitarbeitenden in den Jugendeinrichtungen in Fragen zu Gender- und Sexualpädagogik, „denn unsere Vorstellungen über ein Leben in einer zweigeschlechtlichen Ordnung bewirken, dass viele Menschen dadurch einen langen Leidensweg gehen müssen.“

Mit der Aktion wurde laut Schwarz auch verdeutlicht, dass es in Bezug auf die sexuelle Orientierung noch Vorstellungen gäbe, die historisch und gesellschaftlich geprägt seien und die im Sinne der europäischen Menschenrechtskonvention und der UN-Menschenrechtskonvention dem Recht der Menschen auf freie Entfaltung nicht gerecht würden.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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