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Spendenaktion für Erhard

Nach dem Schadenersatz-Urteil: Mehrere Verbände zeigen Solidarität mit Alt-LH Luis Durnwalder und starten eine Spendenaktion für Ex-Amtsdirektor Heinrich Erhard.

Wegen der Abschüsse von Murmeltieren, Steinböcken, Kormoranen und Füchsen wurden Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder und der ehemalige Amtsdirektor für Jagd und Fischerei, Heinrich Erhard, zu hohen Schadensersatzzahlungen verurteilt. Die Abschussdekrete hätten, so die Interpretation, das Staatsvermögen gemindert.

Scharf kritisiert wird das Urteil vom Südtiroler Bauernbund, dem Südtiroler Jagdverband, dem Verband der Eigenjagdreviere und dem Landesfischereiverband Südtirol. Das Urteil sei realitätsfremd und nicht nachvollziehbar, denn die Abschussdekrete hätten nicht Schäden verursacht, sondern große Schäden verhindert. Für Ex-Amtsdirektor Erhard wird eine Spendenaktion gestartet.

„Durch die Abschüsse etwa einiger Murmeltiere wurden Schäden an der Berglandwirtschaft verhindert. Denn in einigen Gegenden richten Murmeltiere erhebliche Schäden an, die sogar die Berglandwirtschaft und die Alpung der Nutztiere in Frage stellen. Die Nagetiere graben Löcher und Gänge, Kühe und Kälber können sich verletzen, wenn diese Hohlräume nahe an der Oberfläche liegen und einbrechen, sobald ein Rind drauftritt“, ärgert sich Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler.

Auch sei durch das Umgraben der Wiesen das Mähen nicht mehr möglich, da die Maschinen und Geräte kaputtgehen.

Zudem seien durch die Abschüsse, wie selbst Gerichte bestätigen würden, keine Schäden am Ökosystem entstanden, da die Populationen zahlenmäßig nicht zurückgegangen seien. „Wir haben in Südtirol beispielsweise mehr Murmeltiere, Steinwild oder Kormorane als noch vor 15 oder 20 Jahren. Diese Arten müssen weiterhin reguliert werden“, sagt Landesjägermeister Günther Rabensteiner.

Interessant sei zudem, dass mit zusätzlichen Gutachten der staatlichen Umweltbehörde ISPRA heute mehr Murmeltiere zum Abschuss freigegeben würden als mit den Abschussdekreten des Landeshauptmannes, für die er verurteilt wurde.

Ein weiterer Kritikpunkt der Verbände ist, dass die Abschüsse im Rahmen des bestehenden Landesjagdgesetzes genehmigt worden seien und Südtirol bei der Jagd die primäre Zuständigkeit habe.

„Durnwalder und Erhard haben versucht, unsere autonomen Bestimmungen in Sachen Jagd gegenüber dem Zentralstaat zu schützen. Die im Urteil festgelegte Schadensbemessung erachte ich als zutiefst willkürlich und unangemessen“, sagt der Präsident des Verbandes der Eigenjagdreviere, Martin Ganner.

Und nicht zuletzt sei das Urteil ein Angriff auf die Südtiroler Autonomie. Durnwalder und Erhard hätten die Zuständigkeiten Südtirols wahrgenommen. Mit diesem Urteil sollten wohl die Grenzen der Autonomie aufgezeigt werden, so die Vermutung.

Ähnlich ungewöhnlich sei auch die Bemessung des Schadens, den der Staat erlitten haben soll, weil Wildtiere zum unverfügbaren Vermögen des Staates gehören. „Die Bemessung des Schadens anhand des Wertes von Tierpräparaten ist absurd“, sagt der Präsident des Landesfischereiverbandes, Markus Heiss.

„Heinrich Erhard stand ein Leben lang im Landesdienst und muss nun sein Erspartes und noch einiges mehr aufwenden, um einen Schaden zu begleichen, den es nicht gibt – und das wegen eines Dekretes, das im Einklang mit dem entsprechenden Landesgesetz stand und im Rahmen seiner Verwaltungstätigkeit unterzeichnet wurde“, betont SBB-Landesobmann Leo Tiefenthaler.

Der Südtiroler Bauernbund, der Südtiroler Jagdverband, der Landesfischereiverband Südtirol und der Verband der Eigenjagdreviere jedenfalls stellen sich klar hinter Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder und den Ex-Amtsdirektor Heinrich Erhard: „Solidarität für Erhard und Durnwalder ist die einzige, gemeinsame und starke Antwort, die wir auf ein solch ungerechtes Urteil geben können.“

Für Erhard starten die vier Verbände eine große Spendenaktion. „Wir schauen nicht tatenlos zu, wie jemand Hab und Gut für Entscheidungen verliert, die ein Nutzen und kein Schaden waren“, unterstreicht Tiefenthaler.

Die vier Verbände haben ein Spendenkonto für Erhard eingerichtet. Darauf zahlen sie selbst ein und rufen alle dazu auf, ebenso Solidarität zu zeigen.

„Daneben soll unsere Aktion auch ein Signal sein. Denn solche Urteile tragen nicht dazu bei, dass Entscheidungen getroffen werden. Entscheidungen sind aber notwendig, das hat spätestens die Corona-Krise uns allen gezeigt“, betonen die Verbände.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (12)

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  • wichtigmacher

    Peinlicher gehts wohl nimmer, gerade diese Tageszeitung hat in den letzten Tagen die Jahresgehälter der Amtsdirektoren veröffentlicht (z.T jenseits der 200k Marke), und bei 40 Dienstjahren im Land, multipliziert mit dem Jahresgehalt, sollte er sicherlich nicht am Hungertuch nagen, da ist der Schadensersatz für die paar Viecherlen auch noch drin…..
    Und sonst wir schon der Luis unbürokratisch aushelfn, so wie er das angeblich immer gewohnt war……
    Es gibt Leute, welche Spenden dringender brauchen würden

  • olle3xgscheid

    Immer by Italy bleiben und kuscheln 😉

  • diplomat

    Habe für keinen Amtsdirektor oder Politiker Mitleid. So fühlt man sich als Bürger, wenn bestimmte, absurde Gesetze sei es im Wohnbau, bei der Konventionierung, Raumordnung oder dergleichen bis auf den letzten Beistrich angewandt werden.
    Liebe Politiker und Beamte, ihr habt die Grube gegraben, in die ihr nun selbst hineinfällt.

  • franz1

    Die Zeit unter Luisns Regentschoft, des wissmo olle, sein Auftreten, do hot er kuane Widerreden ertragen. So auch ba den Ressort Direktoren, Luisns Wort wor Gesetz und die Unterschrift des jeweiligen Direktors war Pflicht!!
    Kein Aufmucksen von Seiten ……….
    Leitlan i konn enk sogn wia do „Bauer vorm Luis af die Knia gongen isch und hat ihm am liabschtn nou die Hond geküsst, so berüh(cht)mt wor der Monn mitn öffentlichn Geldbeitl…….

  • herbifungakarizyd

    Wenn Arroganz und Präpotenz ihre Früchte tragen.

  • luisa1971

    Lieber Luis und lieber Heinrich. Unabhängig wie man zu eurer Politik und/oder zu eurem Lebenswerk steht, ist das Murmeltierurteil aus meiner Sicht eine Gemeinheit und man will damit wohl ein Exempel statuieren. Wenn bei den Gerichtsurteilen hinsichtlich Murmeltiere, den Politiker und Beamte schon Mio Euro Strafen ausgesprochen werden, dann können sich die Politiker und Beamte in Italien sehr warm anziehen wenn sie die Gerichtsurteile zur den Covid-19 Maßnahmen erfahren werden. Welch verrückte Welt.

  • yakari

    Ich spende auch! Und auch für jeden, der einen Wolf oder Bär abknallt!

  • treter

    Wie man hört soll der Durnwalder gar einige Wohnungen besitzen. Dann könnte er ja eine davon verkaufen und den Erlös dem Erhard spenden? Dann würde sich diese neue Spendenaktion total erübrigen?! So sieg holt i es….

  • roger

    @Yakari, bin ganz deiner Meinung!
    Und ganz davon abgesehen: bin kein SVPöer, aber der Luis war ein Super Landeshauptmann!!! Laßt ihn seinen verdienten Ruhestand genießen!

  • sorgenfrei

    Folgendes ist m. E. festzuhalten: 1. verdienen amtsdirektoren lt. Tageszeitung gern bis zu 10000 € im monat. Da müsste es schon drin sein, sich haftpflicht zu versichern, aus dem privaten geldsäckel… 2. Sind die aufrufende verbände ausgewiesene nutznießer von großzügigen steuerlichen zuweisungen und zugleich einflussreiche unterstützer unserer volkspartei 3. Daraus ergibt sich die frage, ob ein spendenaufruf auch im falle einer anderen parteizugehörigkeit erfogte? 4. Maßen sich genannte verbände an, sich über die justiz zu stellen und zu urteilen, ob eine straftat erfolgt ist und ob dem steuerzahler schaden entstanden ist….
    ich finde das verhalten dieser verbände zutiefst lächerlich, opportunistisch, falsch und unangebracht…

  • pingoballino1955

    Was hat das die Verbände zu interessieren???? Hört auf mit euren SVP Werbeveranstaltungen,ist ja „ÄTZEND“

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