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Kein Bock auf Impfung?

Foto: Lpa

Im Gegensatz zu den anderen Altersklassen fiel der große Andrang auf die Corona-Impfung am Anfang bei den 16- bis 18-jährigen aus. Die Gründe.

von Markus Rufin

Seit vergangenen Donnerstag dürfen sich in Südtirol alle Personen ab 16 Jahren impfen lassen.

Nahezu jedes Mal nachdem die Impfung für eine bestimmte Altersgruppe freigegeben wurde, konnte der Sanitätsbetrieb am Tag darauf eine Erfolgsmeldung verbuchen, da die Vormerkungen in den ersten Tagen förmlich überrannt wurden. Erste freie Impftermine waren häufig innerhalb weniger Stunden ausgebucht.

Doch in der Altersgruppe der 16- bis 18-jährigen ist das anders. Bis Sonntag – Stand 14.30 Uhr – haben sich gerade einmal 778 Personen für die Impfung gemeldet. Das sind rund sieben Prozent. Am ersten Tag meldeten sich nur 500 Personen dieser Altersgruppe für die Impfung an, am Samstag und Montag waren es je weniger als 50. Zum Vergleich: In der Altersgruppe der 40- bis 49-jährigen entschieden sich 18 Prozent noch am ersten Tag dazu, einen Termin vorzumerken. Auch bei den „Open Vax Days & Nights“waren die ersten 4.800 Termine bereits in wenigen Stunden ausgebucht. Dieser große Anfangsandrang bleibt bei den Jugendlichen erst Mal aus.

Im Sanitätsbetrieb glaubt man, dass der Run aus verschiedenen Gründen ausblieb. Zum einen sei die Impfung für Minderjährige schwerfälliger, da auch ein Elternteil mit dabei sein muss. Zum anderen habe sich nun auch die Atmosphäre im Vergleich zu vor einigen Wochen geändert. Die persönliche Risikoabschätzung falle anders aus, da die Infektionszahlen aktuell niedrig sind und alles öffnet, heißt es aus dem Sanitätsbetrieb.

Das wird teilweise auch von den Jugendlichen selbst bestätigt. Ivan Gufler, Vorsitzender des Landesbeirates der Schüler, zeigt sich angesichts der Daten wenig überrascht: „Es wird immer wieder betont, dass die Impfung für ältere Menschen wichtig ist. Bei jüngeren Menschen heißt es dagegen, dass eine Impfung nicht unbedingt wichtig ist. Vor allem fehlt aber das Bewusstsein dafür, dass die Impfung auch für 16-jährige geöffnet ist und dass diese wichtig ist.“

Gufler hat den Eindruck, dass die „Vax Nights“und die Impfung für andere Altersgruppen deutlich öfter in der Öffentlichkeit beworben worden seien und daher auch besser angenommen wurden: „Man hört zwar immer wieder von Zahlen und Daten, aber allgemein ist es um die Impfung etwas ruhiger geworden. Viele glauben, sie müssen sich nicht impfen lassen, solange sich die älteren Menschen impfen.“

Gufler selbst und auch viele seiner gleichaltrigen Bekannten sehen aber im Impfen sehr wohl einen wichtigen Schritt. Er macht die Impfung deshalb, um andere zu schützen: „Der Nutzen ist auch für uns größer als die möglichen Nachteile.“Ebenso betont er, dass sich immer mehr impfen lassen.

Dass die Jugendlichen „keinen Bock“auf die Impfung haben, stimme nicht. Es sei zwar nicht das große Thema, aber es werde immer wieder darüber gesprochen.

Ähnliches hört man auch aus den Jugendzentren des Landes. Stefano Fiori, Jugendarbeiter im UFO in Bruneck bestätigt, dass die Impfung, nicht das wichtigste für die Teenager sei: „Die Impfung für die 16- bis 18-Jährigen ist nicht ein sehr großes Thema im Gespräch mit unseren Besucher. Einige haben von sich aus gesagt, sie werden sich impfen lassen, um wieder mehr Freiheiten zu haben. Einige sind unsicher – auch bezogen auf gesundheitliche Risiken und einige sind dagegen aus unterschiedlichen Gründen (z.B. ,zuerst sollen sich die Erwachsenen impfen lassen…‘). Die Meinungen sind also ziemlich differenziert und spiegeln den momentanen gesellschaftlichen Diskurs zum Impfen.“

Im Jugendzentrum Jux in Lana heißt es beispielsweise, dass einige der Ansicht sind, dass sie die Impfung nicht brauchen, die Mehrheit sei aber durchaus bereit, habe aber bisher keinen Termin gemacht.

Die Impfung werde bei den Jugendlichen nicht ausgeschlossen, sei aber einfach nicht prioritär. Viele Jugendliche wollen nun erst Mal die wieder errungene Freiheit genießen, um die im Lockdown verlorene Zeit aufzuholen.

Ein weiterer Grund für das noch fehlende Interesse der Jugendlichen seien schlicht und ergreifend Terminüberschneidungen, wie Matthias von Wenzl, Vorsitzender der Südtiroler HochschülerInnenschaft betont: „Viele wollen nun in den Urlaub fahren. Die Zweitimpfung würde dementsprechend genau in die Urlaubszeit fallen, weshalb einige vorerst davon absehen.“

Letztlich darf man aber auch nicht vergessen, dass es bei den 16- bis 18-jährigen die Eltern sind, die darüber entscheiden, ob die Kinder geimpft werden. Daran erinnert Peter Koler vom Forum Prävention. Er glaubt, dass die Risiko-Kosten-Bewertung bei der Impfung für Jugendliche zu mager ausfällt: „Es ist nun Mal so, dass ein geimpfter Jugendlicher nicht viel mehr Vorteile hat: Konzerte und Festivals gibt es kaum und auch Diskotheken sind nach wie vor geschlossen. Es fehlen die Anreize.“

Der Vorsitzende des Landesbeirates der Schüler, Ivan Gufler, ist sich aber sicher, dass man das leicht ändern könne: „Es reicht, Werbung für die Impfung zu machen. Damit meine ich nicht ein Inserat in einer Zeitung, sondern wirklich Präsenz zeigen. Man muss den Leuten klar machen, dass die Impfung für junge Menschen wichtig ist.“

Sonderlich beunruhigt über den verhaltenen Start bei den Teenagern ist der Sanitätsbetrieb aber nicht. Und das aus gutem Grund: Mit den Über-60-jährigen gibt es eine risikogruppe, in der sich 25 Prozent bisher nicht impfen lassen haben. Viel eher bestehe hierbei Handlungsbedarf.

Generaldirektor Florian Zerzer betont aber, dass man die Lage weiterhin im Auge behalten werde. Später werde man sich überlegen, wie man mehr Jugendliche ansprechen kann.  Einige Überlegung, wie die Öffnung der Diskotheken für Geimpfte gibt es bereits. An die konkrete Umsetzung ging es bisher allerdings nicht. Sobald es so weit ist, ist sich der Sanitätsbetrieb aber sicher, dass auch die Jüngeren zur Impfung gehen werden.

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