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Die Einreise-Bürokratie

Für die Einreise nach Italien ist seit Montag ein digitales Formular verpflichtend, das kompliziert und voller Fehler ist.

von Heinrich Schwarz

Die Einreise nach Italien ist mittlerweile zwar ohne Quarantäne-Pflicht möglich, allerdings ist jetzt eine bürokratische Prozedur nötig, bei der man eigentlich nur den Kopf schütteln kann.

Bis zum letzten Sonntag mussten Einreisende einen Testnachweis besitzen, sich über ein Online-Formular beim lokalen Sanitätsbetrieb melden sowie im Falle von Kontrollen eine Eigenerklärung in Papierform abgeben. Diese Eigenerklärung in Papierform ist seit Pfingstmontag aber nur noch in Ausnahmefällen möglich. Sie wurde vom italienischen Staat durch ein digitales Einreiseformular ersetzt, das schon vor der Einreise ausgefüllt werden muss.

Dieses digitale Formular heißt „Europäisches digitales Passagier-Lokalisierungs-Formular“ (EU dPLF). Nach dem Ausfüllen muss man den Nachweis über die Einreise-Anmeldung digital oder in Papierform mit sich führen und im Falle einer Kontrolle vorzeigen. Nebenbei ist es weiterhin notwendig, sich zusätzlich online beim lokalen Sanitätsbetrieb anzumelden und den Testnachweis mitzuführen.

Das neue digitale Einreiseformular ist alles andere als bürgerfreundlich. So stehen nicht einmal alle europäischen Sprachen zur Auswahl. Die Datenschutzhinweise werden gar nur in englischer und italienischer Sprache angezeigt, auch wenn man Deutsch auswählt.

Im Formular muss der Einreisende unter anderem die „Ankunftsstation“ angeben. Allerdings ist es dabei nicht möglich, etwa den Urlaubsort in Italien anzugeben. Erst bei genauerem Hinschauen wird einem klar, dass mit „Ankunftsstation“ der genutzte Grenzübergang gemeint ist. Für Südtirol scheint in den (rein italienischsprachigen) Auswahlmöglichkeiten aber nur „Tubre“ auf, also Taufers im Münstertal. Es ist somit nicht möglich, Brenner, Reschen oder Winnebach auszuwählen.

Weiters ist es nicht möglich, bei der Wohnsitz- oder Aufenthaltsadresse die Provinz Bozen bzw. Südtirol auszuwählen. Es steht (auch bei der deutschen Sprachversion) nur die Region „Trentino-Alto Adige“.

Der Südtiroler EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann bezeichnet das digitale Einreiseformular als Unsinn. Er sagt: „Italien verwendet als erster EU-Staat dieses europäische Formular. Wer das Formular ausfüllen will, wird den Eindruck nicht los, dass sich Italien hier als Versuchskaninchen missbrauchen lässt. Die digitale Applikation ist nämlich nicht nur äußerst kompliziert, sondern auch voll von Fehlern. Das Ganze wirkt als ein Projekt in Kinderschuhen, das Italien blauäugig übernommen hat.“

Für Menschen, die nach Italien einreisen wollen, sei dieser „Unsinn“ ein weiterer Hemmschuh. „Eigentlich sollte der Staat nun versuchen, die Reisefreiheit wieder herzustellen und nicht weitere Barrieren aufbauen“, betont Dorfmann.

Er bezweifelt, dass viele Einreisende das digitale Formular vorab ausfüllen. Auch weil die Neuerung kaum bekannt sei. In den nationalen Medien sei wenig darüber zu finden.

„Ich habe den Eindruck, da hat jemand ein Dekret geschrieben, ohne an die Konsequenzen zu denken. Jetzt wo täglich zehntausende Touristen einreisen, muss das Meldesystem funktionieren – sonst ist alles umsonst“, meint der EU-Abgeordnete.

Dorfmann kündigt an, eine dringende Anfrage an die EU-Kommission zu schicken, um zu erfahren, wer für die Ausarbeitung dieses Einreiseformulars und besonders für die grob fahrlässigen Fehler darin verantwortlich ist.

„Diese Neuerung wundert mich sehr. Wir haben in Brüssel tagelang über das Grüne Zertifikat geredet, aber von so einem Einreiseformular war nie die Rede. Wenn die EU da mitgezahlt hat und es der Beginn eines europäischen Projektes mit Italien als Versuchskaninchen ist, ist das eine Verschwendung von öffentlichem Geld. Und ich finde es ungeheuerlich, dass hier etwas übernommen wird, ohne hinzuschauen, ob es funktioniert oder nicht“, ist Herbert Dorfmann verärgert.

Völlig unverständlich sei auch die bürokratische, separate Anmeldepflicht über das digitale Einreiseformular sowie beim Sanitätsbetrieb. Es gebe offenbar kein System, wo die Anmeldedaten zusammenfließen.

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