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„Ein trauriger Sommer“

„Crazy Castle Festival“ in Bruneck im Jahr 2019 (Foto: Fabian Leitner)

Das Alpen Flair in Natz wird abgesagt, die Rock im Ring-Fans müssen sich ebenfalls auf einen Sommer ohne Festival einstellen – und auch andere Open Airs stehen auf der Kippe.

von Lisi Lang

Es wird erneut ein schwerer Sommer für alle Musik-Fans: Einige Festivals wurden in den letzten Wochen und Monaten bereits abgesagt, andere müssen jetzt schweren Herzens die Reißleine ziehen und wieder andere warten noch ab, wohl wissend, dass die Chancen für die Durchführung einer Großveranstaltung mit tausenden Besuchern schlecht stehen. „Wir wissen im Hinterkopf, dass nichts stattfinden wird“, sagt beispielsweise Alexander Hellweger, Geschäftsführer der Veranstaltungsfirma Wingman Events, die unter anderem das „Crazy Castle Festival“ in Bruneck, das „Love Electro“ in Franzensfeste und das „Boom Festival“ in Neumarkt organisieren. „Es schaut momentan wirklich für den ganzen Sommer nicht rosig aus und es werden teilweise leider auch schon Events für Oktober und November abgesagt“, weiß der DJ.

Eine offizielle Absage des „Crazy Castle Festival“ in Bruneck Anfang Juni gibt es momentan noch nicht, laut Hellweger sei es aber eine Utopie zu glauben, dass das Festival mit 5.000 bis 6.000 Besuchern stattfinden kann. „Es ist einfach unmöglich ein Festival in dieser Größenordnung auf die Beine zu stellen“, sagt Hellweger. Ähnlich schwierig sieht der Eventberater die Situation für das „Boom Festival“ in Neumarkt im Juli oder für Events im August. „Es steht einfach alles auf der Kippe und man hat wirklich keine Perspektive“, sagt Hellweger.

Definitiv abgesagt wird das Alpen Flair-Festival in Natz. „Wir mussten aufgrund der Tatsache, dass der Ausnahmezustand in Italien verlängert wurde, das Alpen Flair leider absagen“, sagt Peter Gasser, Mitglied des OK-Teams. Es sei zwar irgendwie absehbar gewesen, dass eine solche Veranstaltung heuer nicht stattfinden kann, dennoch schmerzt die Veranstalter diese erneute Absage – auch weil bereits 10.000 Tickets verkauft waren.

Die finanziellen Auswirkungen dieser Absage halten sich ziemlich wahrscheinlich aber dennoch in Grenzen. Im Vorjahr konnten die getätigten Spesen über eine Ausfallversicherung gedeckt werden. „Heuer konnte man eine solche zwar nicht mehr abschließen, aber wir hatten auch keine Kosten, weil wir keine Investitionen getätigt haben“, erklärt Peter Gasser. Zudem hoffen die Veranstalter, dass wie im Vorjahr nicht mehr als zehn Prozent ihre Tickets stornieren wollen. „Immerhin steht nächstes Jahr das zehnjährige Jubiläum des Festivals an“, unterstreicht Gasser.

Länger abwarten konnte man mit einer Entscheidung in Natz nicht, auch eine Verschiebung des Festivals auf einen späteren Zeitpunkt war keine Option. Ein weiterer Grund für die Absage ist, dass große Bands, die für die diesjährige Ausgabe gebucht waren, bereits abgesagt haben.

Die Rock im Ring-Fans müssen sich heuer ebenfalls wieder auf einen Sommer ohne Festival einstellen. „Wir haben uns in den letzten Wochen intensiv mit der aktuellen Situation und einer möglichen 27. Ausgabe des Rock im Ring beschäftigt“, sagt Martin „Stan“ Stampfer vom Organisationskomitee. „Leider machen es die aktuellen Umstände und der vor einigen Tagen vorgelegte ,Restart-Plan’ auf staatlicher Ebene unmöglich, ein Festival dieser Größenordnung abzuhalten“, bedauert Stampfer.

Nach der coronabedingten Absage des Musikfestivals am Ritten im Vorjahr wurde eigentlich das gesamte Lineup für die diesjährige Ausgabe wieder bestätigt. Auch organisatorisch wären die Veranstalter bereit gewesen. Heuer muss die Veranstaltung aber trotz allem erneut abgesagt werden und die durchschnittlich 6.000 Besucher müssen sich ein weiteres Jahr gedulden. „Mit dem Ticketverkauf hatten wir, in weiser Voraussicht, noch nicht begonnen. Für uns wird es somit eine weitere Nullrunde – die Kosten halten sich, bis auf einige Fixkosten, in Grenzen“, erklärt Stampfer. „Natürlich zehrt die Unsicherheit an den Nerven – man muss jedoch sehen, dass sich die Welt in einer Ausnahmesituation befindet die nicht vorhersehbar war und für welche es kein Patentrezept gibt“, sagt Stampfer, der auf jeden Fall betont, dass Rock im Ring wieder zurückkommt.

Der DJ und Eventberater Alexander Hellweger geht davon aus, dass heuer wie im Vorjahr viele Musikfestivals abgesagt werden müssen. Auch weil die Zeiträume für Planung und Organisation zu kurzfristig sind. „Heuer werden wir sicher nicht viel erleben und es wird sicher wieder ein trauriger Sommer“, bedauert Alexander Hellweger. Ähnlich sieht es Peter Gasser. „Der Notstand in Italien wurde bis Ende Juli verlängert und in diesem Zeitraum werden sicher keine Großveranstaltungen erlaubt sein.“

Die Veranstalter hoffen, dass im Sommer wenigstens kleinere Events organisiert werden können. „Mittlerweile zehrt diese Situation wirklich an den Nerven“, sagt der DJ und Eventberater, „lassen wir einmal den finanziellen Aspekt beiseite – das ist wirklich eine Katastrophe – aber die Passion so zu verlieren, ist einfach traurig“. Und nicht zu wissen, wie es danach weitergeht, mache die Situation auch nicht besser.

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