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Die revitalisierte Au

Die Revitalisierung der Stegener Ahr-Auen ist nun abgeschlossen. Damit wurden der Hochwasserrückhalt verbessert und ein Zugang zum Fluss geschaffen.

„Die Revitalisierung der Stegener Ahr-Auen“, unterstreicht der Direktor der Landesagentur für Bevölkerungsschutz Rudolf Pollinger, „ist für einen langfristig vitalen Auwaldvon großer Bedeutung. Damit wird der Hochwasserrückhalt verbessert und das Lebensraumangebot für mittlerweile seltene Tierarten und Pflanzenarten der Auen erhöht.“

Die Stegener Ahr-Auen teilten das Schicksal vieler Auen-Reste der Talböden: Infolge massiver Schotterentnahmen bis Ende der 1970er Jahre verloren die einstigen Auwälder die Verbindung zum Wasser, über die Jahre wurden Erlen und Weiden fast vollständig von Nadelhölzern verdrängt, mit negativen Auswirkungen für die bedrohte auentypische Tier- und Pflanzenwelt. Im mittlerweile intensiv genutzten Talraum ist es nicht möglich, den Schotter einfach wieder in das Flussbett einzubringen: Die auentypischen Höhenverhältnisse von Wasserspiegel zu Umland könnten wieder erreicht werden, aber das daraus resultierende Hochwasserrisiko außerhalb der Auen wäre zu groß. Daher wurde für die Stegener Ahr-Auen eine Kombination von Maßnahmen zur Revitalisierung erarbeitet.

Teil des Gewässerbetreuungskonzeptes Untere Ahr

Bauleiter Thomas Gamper vom Landesamt für Wildbach- und Lawinenverbauung Ost hat mit Gewässerökologe Peter Hecher das Konzept der Revitalisierungsmaßnahmeals Teil des Gewässerbetreuungskonzeptes Untere Ahr erstellt: Im Jahr 2006 begannen die Arbeiten, indem ein Teil der Nadelhölzer aus dem Auwald-Biotop entfernt und Auwald-typische Laubhölzer gepflanzt wurden. Im Bereich des Gleitufers wurde ein Grundwasserteich angelegt. Als besondere Attraktion wurde die Aussichtsplattform Ahrblick an der Terrassenkante hoch über der Ahr errichtet. Im Jahr 2008 wurde am gegenüberliegenden Ufer die Ahr auf einer Länge von rund 150 Metern aufgeweitet und eine Schotterinsel geschüttet.

Die große Aufweitung konnte erst im Herbst 2019 beginnen, im Vorfeld wurde mit einer wissenschaftlichen Studie und zusätzlichen Grundwasserpegeln nachgewiesen, dass die Auswirkungen der geplanten Geländeanpassungen auf den Grundwasserstand in Dorfbereich von Stegen keine negativen Folgen haben. Insgesamt wurde entlang der Gleitufer-Bereiche auf einer Fläche von nicht ganz einem Hektar das Gelände um eineinhalb Meter abgesenkt und damit ein überflutbarer Au-Standort angelegt, der von einem Seitenarm mit Wasser versorgt wird.

Am linken Ufer wurden die Nadelhölzer großteils entfernt und der Laubholzbestand gefördert. Gegenüber dem Schotterwerk wurde ein Totarm gegraben, um im vertrockneten Areal wieder Feuchtzonen und Wechselfeuchtzonen zu schaffen. Vom bestehenden Eisvogel-Spazierweg aus wurden Zugangsmöglichkeiten für die Bevölkerung geschaffen. Vor drei Monaten wurden die Baggerarbeiten abgeschlossen.

Finanziert wurde diese Revitalisierungsmaßnahme mit Gesamtkosten von 150.000 Euro durch Umweltgelder des Kraftwerks Bruneck und Wassergebühren.

Mit dem Gewässerbetreuungskonzept Untere Ahr hat die Agentur für Bevölkerungsschutz im Jahr 2000 das von der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie vorgeschriebene Flussraummanagement an der Unteren Ahr zwischen Mühlen in Taufers und Bruneck erstmals in Südtirol als Pilotprojekt angewandt. „Wesentliches Ziel dabei war und ist es nach wie vor, Hochwasserschutz und Naturschutz gemeinsam zu verbessern“, betont Sandro Gius, Amtsdirektor der Wildbachverbauung Zone Ost.

Weitere Hintergründe und zusätzliche Informationen können in der Broschüre „20 Jahre Gewässerbetreuung Untere Ahr. Eine Erfolgsgeschichte“ nachgelesen werden; diese ist bei der Agentur für Bevölkerungsschutz in der Drususallee 116 sowie am Sitz der Wildbachverbauung in der Cesare-Battisti-Straße 23 in Bozen erhältlich und steht auch als Download zur Verfügung.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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