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Neues Vintage-Kino

Martin Kaufmann über Filmstreifen und Festplatte. 

von Renate Mumelter

Jetzt sei der richtige Moment für einen neuen Blick aufs Kino gekommen, meint Martin Kaufmann. Angesichts des derzeit eher schwachen Filmmarkts und der steigenden Verleihkosten, wäre Platz für Kaufmanns Idee des Vintage-Kinos. 

Streifenkino

Der ehemalige Kinobetreiber, Mitbegründer und Motor des Filmclubs ist mit Filmstreifen aufgewachsen. Er mag diese Streifen noch immer. Junge Leute, entdecken sie gerade, dennVintage-Kino ist weniger global, weniger glattgebügelt, weniger konsumistisch, und es fühlt sich anders an.  Eine gute Ergänzung zum Normalangebot.

„Im Filmclub gibt es in jedem Saal einen 35mm-Projektor“, sagt Kaufmann, und es gibt noch ein paar wenige Menschen, die wissen, wie man das Gerät bedient. 

Die kleineren 16-mm-Projektoren sind seltener. Dabei haben der Filmclub und viele andere Clubs mit 16mm-Filmen begonnen. Heute ist so eine Vorführung etwas Besonderes. Wer einmal dabei war, weiß das. Vor einigen Jahren lief im ersten Stock des Capitol-Cafè ein Film, bei dem der 16mm-Projektor im Raum ratterte und alle gebannt auf die Leinwand schauten. Zu sehen war Fassbinders „Angst essen Seele auf“. Ein besonderer Kinomoment.

Sehgewohnheiten

„Für das ältere Publikum kehren Sehgewohnheiten zurück. Für Jüngere ist’s was Neues, wenn der Film vor allem am Rollen-Ende Kratzer hat. Beim Wechsel der Filmrolle muss es eine Überblendung oder eine Pause geben. Solche Pausen werden im neuen Kino oft künstlich eingelegt, damit die Toilette aufgesucht oder Trinknachschub geholt werden kann. Technisch notwendig sind sie nicht.

70mm

„Neben den 16mm-Filmen und denen in 35mm gibt es auch 70mm-Filme“, betont Kaufmann. In Innsbruck werden sie vorgeführt, in Bozen fehlen die Gerätschaften. „Jeden Herbst findet in Karlsruhe sogar ein 70mm-Festival statt. Die Vorführungen sind etwas Besonderes“, sagt Kaufmann.

Archivmaterial

Für eine eigene Vintage-Schiene im Kino ist übrigens genug Material da. „Zwischen meinem Filmarchiv und dem des Filmclubs kommen wir auf über 500 Filme insgesamt. Da ist natürlich auch viel Schrott dabei, aber Kinoperlen sind in den Kartons auch versteckt“, sagt Kaufmann. 

Es ist noch gar nicht lange her, dass bewegte Bilder nicht einfach via Smartphone erzeugt und gezeigt werden konnten. Analoge Streifenfilme geben Einblick in die Entstehung dieser Welt der bewegten Bilder. 

Kinotipps

„Tenet“, der Thriller, der das globale Kino retten soll

„Enkel für Anfänger“, gut gespielt zum Schmunzeln

„Cosa resta della rivoluzione“, französische Komödie 

Live: Eröffnungsveranstaltung der 77. Mostra del Cinema in Venedig (MI 18.45)

Special: „Fellini degli spiriti“ über Federico Fellini MO, DI 20.30)

Und: Trento Film Festival bis 2. September

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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