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Die Mobilitäts-Umfrage

Mehr zu Fuß gehen und mehr Radfahren wollen die Menschen in Südtirol, zeigt das Stimmungsbild einer Online-Umfrage im Mai mit über 11.000 Teilnehmern.

Im Mai wurde die landesweite Umfrage zur Zukunft der Mobilität in Südtirol gemacht. 11.364 Menschen haben dabei ihre Meinung kundgetan. Das sich ergebende Stimmungsbild und Schlussfolgerungen haben Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider, Generaldirektor der STA – Südtiroler Transportstrukturen AG Joachim Dejaco und Markus Dörflinger von der Firma apollis, Institut für Sozialforschung und Demoskopie in Bozen vorgestellt.

Austausch über die Mobilität für künftige Weichenstellung

Der Lockdown aufgrund des Coronavirus hat das Mobilitätsverhalten in Südtirol verändert. „Wir wollen diese Chance nutzen, um über die Mobilität, die wir künftig in Südtirol haben wollen, nachzudenken und geeignete Rahmenbedingungen dafür schaffen“, betonte Mobilitätslandesrat Alfreider. Deshalb sei es wichtig, die aktuellen Mobilitätsgewohnheitender Menschen in den Städten und Dörfern zu kennen und mit ihnen in Austausch zu bleiben.

„Mobilität der Muskeln“ ist angesagt

„Laut Stimmungsbild wird die ‚Mobilität der Muskeln‘ die Mobilität der Zukunft sein“, brachte es STA-Chef Dejaco auf den Punkt. 42 Prozent der Befragten gaben an, künftig häufiger das Fahrrad nutzen zu wollen. 41 Prozent wollen öfters zu Fuß gehen. Gleichzeitig ziehen 36 Prozent der Befragten wieder den eigenen Pkw den öffentlichen Verkehrsmitteln vor. „Abgesehen davon sind alternative Arbeitsformen wie Homeoffice und flexible Arbeitszeiten für 44 Prozent der Befragten entscheidend für ihr individuelles Mobilitätsverhalten (+25 % bzw. +19 %)“, fasste Dejaco zusammen.

Dementsprechend haben die Umfrageteilnehmer angegeben, dass Fußgängerwegeausgebaut, barrierefreie Zufahrten geschaffen sowie das Radwegenetz (87 %) zu vergrößern sei. Auch der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs (85 %) wird als wichtig bzw. sehr wichtig empfunden und soll umgesetzt werden. Weiter wird gewünscht, dass Radschnellwege (78 %) gebaut werden und weiter im Homeoffice (75 %) gearbeitet werden kann.

Großes Potenzial für E-Bikes und Radmobilität

„Es ist interessant, dass der Großteil der Fahrradfahrer, die das Rad vor allem im Alltagnutzen, öfter in Städten als auf dem Land zu finden sind. Personen, die das Rad nur in der Freizeit oder gar nicht nutzen, wohnen hingegen häufiger auf dem Land“, berichtet Dörflinger von der Forschungseinrichtung apollis. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer absolvieren weniger als zehn Kilometer für ihren täglichen Weg vom Wohn- zum Arbeitsort. Diese Distanz eignet sich sehr gut für die Nutzung des Fahrrades. Rund 53 Prozent der Umfrageteilnehmer wären aus diesem Grund auch bereit, diese Distanz mit einem E-Bike zu bestreiten, wenn sie eines besitzen würden. Daraus lässt sich laut Dörflinger ein großes Interesse und Potential dieses Fortbewegungsmittels in Südtirol ausmachen.

Die Hauptgründe für die Nutzung des Fahrrades sind Gesundheit (58 %), Umweltschutz (50 %), Spaßfaktor (44 %) und flexibler Einsatz des Rades (42 %) weiters geringere Kosten (32 %) und  Zeitersparnis (28 %).

Was Südtirolern wichtig ist

Die Umfrageteilnehmer konnten auch Vorschläge einbringen. 27 Prozent möchten, dass die Radinfrastruktur ausgebaut wird, 17 Prozent sind für Zuschüsse für die Radmobilität (auch die E-Radmobilität). 16 Prozent wollen mehr Verkehrssicherheit und 15 Prozent einen besseren öffentlichen Nahverkehr. Auch der Schutz vor Raddiebstahl und sichere Fahrradabstellplätze (9 %), weniger motorisierter Verkehrs (7 %) sowie eine bessere Kombination unterschiedlicher Verkehrsträger (Intermodalität) sind den Befragten wichtig.

In Kürze neues Mobilitätsportal und Verbesserungen für Radmobilität

„Wir arbeiten bereits daran, die Bereiche weiter zu verbessern, vor allem bei den öffentlichen Verkehrsmitteln“, sagte der Mobilitätslandesrat. In Kürze werde ein neues übergeordnetes Mobilitätsportal, das Infos zu sämtlichen Mobilitätsformen enthält, freigeschalten ebenso wie die dazugehörige App. Ein neues Ticketingsystem solle in eineinhalb Jahren aktiv werden.

In Bruneck, Brixen und Bozen Süd laufen laut Alfreider Pilotprojekte zur Radmobilität an und Leitlinien für die Radinfrastrukturen sind in Ausarbeitung. Auch ein Vormerksystem für Radlboxen mittels Südtirol Pass und neue Richtlinien für sichere Radabstellplätze seien in Projektierung. In den Mobilitätszentren Bruneck und Brixen sollen außerdem neue Fahrradabstellplätze beim Bahnhof entstehen und das Bikesharings südtirolweit einheitlich organisiert werden.

Die Umfrage

Der Bereich Green Mobility in der STA – Südtiroler Transportstrukturen AG hat die Online-Umfrage eingeleitet. Die Kommunikationsagentur Helios hat die Daten erhoben und gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut apollis ausgewertet. Nach einer Überprüfung auf Doppelungen und nicht vollständig ausgefüllten Fragebögen ergibt sich eine Teilnehmerzahl von 11.365 Personen. Diese haben auf 28 allgemeine und 45 Detailfragen geantwortet. Auch 2555 freie Anregungen wurden in die Auswertung miteinbezogen.

Die Ergebnisse der Umfrage sind unter diesem Link einsehbar.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (6)

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  • wurzelsepp

    Sehr gut, es geht in die richtige Richtung!

  • zusagen

    Es soll endlich klar vermittelt werden müssen, welche Gefahr von Autofahrern ausgeht. Fußgänger und Radfahrer sollen ihre Rechte einfordern. sich nicht weiter von Autofahrern einschüchtern und bedrohen lassen. Nicht Fussgänger haben sich Autofahrern zu unterwerfen, sondern umgekehrt. Autofahrer die nicht vom Gas gehen nur damit der Fussgänger nicht zu ihrem Recht kommen sind hart zu bestrafen usw.

  • bernhart

    Das Kurzeitgedächtnis der Politiker.
    In Coronazeiten war weniger Verkehr, um diese Aussagen zu verbreiten braucht es keine Politiker.
    1. Büros waren geschlossen
    2. Schulen Kindergärten waren geschlossen.
    3. Betriebe waren geschlossen und so weiter, niemand brauchte zur Arbeit, also kein Verkehr.
    Es gibt nicht nur Bozen und Meran wo alles flach ist , in den Täler wie Pustertal und Vinschagu ist es schwierig die Arbeitstelle mit den Rad zu erreichen.
    zusagen ihre Aussage verstehe ich nicht,sie beschuldigen Aurtofahrer ohne Grund, das gehört gestaft. ausserdem Autofahrer zahlen Steuern Fahrradfahrer nicht .
    PÜolitiker denkt an die Arbeiter welche nicht 1 stunde Fahrradfahren können um die Arbeitstelle zu errreichen,abends das selbe , heute fährt nur mehr der mit dem AUTO;WENNER ES BRAUCHT:

  • bernhart

    ORONA HAT DIE GERHIRNZELLEN DER POLITIKER ANGEGRIFFEN; DESHALB DIESE UNÜBERLEGTEN AUSSAGEN:
    HERR LANDRAT SIE DÜRFEN NICHT NUR AN DIE RADFAHRER DENKEN
    DENKEN SIE AN DIE ARBEITER UND DEN ZEITAUFWAND;

  • thefirestarter

    Hoffe es bleibt nicht nur alles Papier garniert mit heißer Luft.

    Den Bahnhf in St.Jakob mit angeblichen Boxen für das sichere Abstellen von Fahrräder sehe ich aber als Augenauswischerei, sagt doch gleich ihr baut den für den Flughafen!

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