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Die Ungereimtheiten

Alex Schwazer

Giampietro Lago, Gutachter im Dopingfall Alex Schwazer, benötigt für seine Expertise mehr Zeit. Es wird erst am 12. September am Landesgericht diskutiert.

Es handelt sich offensichtlich um einen Hinweis, dass der Gutachter auf zahlreiche Ungereimtheiten gestoßen ist, die es wissenschaftlich zu vertiefen und zu begründen gilt. Giampietro Lago, Gerichtsgutachter im Beweissicherungsverfahren zu Fall Alex Schwazer, hat, quasi im letzten Augenblick, Richter Walter Pelino um Aufschub gebeten.

Der ihm nun auch gewährt wurde.

Ende Juni hätte Lago, Chef des Carabinieri-Spurensicherungslabors RIS in Parma, sein erweitertes Gutachten abliefern sollen. Als Verhandlungstermin war der 5. Juli vorgesehen. Doch nun verschiebt sich die Diskussion seines Gutachtens auf den 12. September, dem neuen, von Richter Pelino festgelegten Termin.

Lago muss sich in dem Gutachten insbesondere mit den Gründen für die hohe DNA-Konzentration in Alex Schwazers ausgelieferter B-Probe befassen. Laut vertiefenden Analysen war sie außergewöhnlich hoch. Zurückgerechnet auf den 1. Jänner 2016, dem Tag der Entnahme, sogar im Millionenbereich.

Die These von Schwazers Verteidigung dazu lautet: Im Kölner Labor für Biochemie ist die B-Probe mit einer älteren Urin-Probe Schwazers vermischt worden – um eine Manipulation zu vertuschen. Bekanntlich führten das Labor und der Leichtathletikverband IAAF einen auffälligen juristischen Kampf gegen die Auslieferung der B-Probe nach Italien.

Zudem ist inzwischen erwiesen, dass Schwazers Urin in einer höheren Menge als deklariert im Kölner Labor in einem unversiegelten Behälter aufbewahrt wurde.

Allein das müsste reichen, die Ungültigkeit der positiv auf Testosteron getesteten Probe zu erklären (was die Verteidigung über einen Wiederaufnahmeantrag an den CAS erwirken will).

Um die Manipulationsthese zu stützen, dürften aber – neben Lagos sich nun verspätenden Gutachten – auch andere Beweismittel notwendig sein: Zum Beispiel eine Beschlagnahme des Urins im unversiegelten Behälter, aber auch des Mailservers des Kölner Labors. In gehackten E-Mails der IAAF-Antidoping-Abteilung ist von einem „Komplott gegen Alex Schwazer“ die Rede, an dem auch das Labor beteiligt sei.

Doch bisher gibt es diesbezüglich keinerlei Initiativen seitens der Staatsanwaltschaft Bozen, die im Besitz des E-Mail-Verkehrs ist. Sie will offenbar das Ergebnis des Beweissicherungsverfahrens abwarten. Das sich nun verzögert.

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