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Umkämpfter Gebetsraum

Ein Bozner Unternehmer kämpft gegen einen Gebetsraum des Vereins Famiglie Magrebine im Stockwerk über seinem Betrieb. Auch mit einer Strafanzeige, die nun zu einer Frage führt: Wurde die Personen-Einschränkung laut Flughafen-Risikoplan eingehalten?

Von Thomas Vikoler

Es gab eine längere politische Diskussion und am Ende eine Baukonzession im Sanierungswege: Im Jahre 2016 erhielt der Verein Famiglie Magrebine die Erlaubnis der Stadt Bozen, in einem Gebäude in der Voltastraße 1/F einen Vereinssitz mit Gebetsraum zu betreiben. Am 7. November 2016 wurde die Bewohnbarkeitserklärung ausgestellt.

Einem Nachbar, dem Inhaber einer Klein-Druckerei im Stockwerk darunter, gefielen die Aktivitäten des Vereins überhaupt nicht. Er machte im Jahre 2017 eine Eingabe bei der Staatsanwaltschaft: Darin brachte er zur Kenntnis, dass in dem Gebäude die urbanistischen Voraussetzungen für den Betrieb einer Kulturellen Einrichtung/Gebetsraumes fehlten. Wennschon müsste die Räumlichkeiten für den terziären Sektor umgewidmet werden, denn eigentlich ist die Gewerbezone in Bozen Süd der gewerblichen Nutzung (wenn auch mit Ausnahmen) vorbehalten.

Im Grunde genommen ein Vorwurf gegen die Gemeinde Bozen, welche die Bau- und Benutzungsgenehmigng ausgestellt hatte. In der Eingabe bemängelte der Druckerei-Unternehmer einen zweiten Umstand: Der Vereinssitz werde regelmäßig von mehr als Personen genutzt.

Tatsächlich enthält Baukonzession Nr. 414/2016 die Auflage, dass die Räumlichkeiten von höchstens zehn Personen genutzt werden dürften. Wegen der Vorgaben des Flughafen-Risikoplanes, Zone C, zur Einschränkung der „anthropischen Belastung”.

Die Staatsanwaltschaft leitete in der Folge ein Strafverfahren gegen den Vorsitzenden des Vereins Famiglie Magrebine, ein. Im Oktober vergangenen Jahres beantragte sie dessen Archivierung. U.a. mit der Begründung, dass der Präsident „im guten Glauben”, auf der Grundlage einer von der Gemeinde Bozen ausgestellten Baugenehmigung, gehandelt habe.

Der Druckerei-Unternehmer stellte sich gegen den Archivierungsantrag, am Donnerstag fand am Landesgericht die dazugehörige Verhandlung statt.

Dabei beklagte sein Anwalt, dass die Staatsanwaltschaft den Aspekt der „antrophischen Belastung” in ihrem Archivierungsantrag weitgehend unberücksichtigt gelassen habe. Denn laut Artikel 44 des staatlichen Einheitstexte zum Bauwesen stellt die Missachtung einer Baukonzession eine Straftat dar. Geahndet mit einer Geldstrafe von bis zu 20.658 Euro.

Zur Untermauerung lieferte der Unternehmer Beweismaterial: Fotos und Videos, die angeblich zeigen, dass sich zeitweise – während des Ramadans und beim Freitagsgebet – wesentlich mehr als die erlaubten zehn Personen in den Vereinsräumen aufhielten. Von 50 bis zu 400, wie es im Einwand zum Archivierungsantrag heißt. Dadurch seien auch Bestimmungen zum Feuerschutz und zum behindertengerechten Zugang verletzt worden.

Die Carabinieri führten im Juni vergangenen Jahres eine Kontrolle durch. Da waren allerdings weniger als zehn Personen im Gebetsraum. Der Nachbar wendet ein, dass die Überprüfung zum falschen Zeitpunkt (mittags) stattgefunden habe. Am Abend war der Parkplatz vor dem Gebäude, wie mit Fotos dokumentiert, voll.

Voruntersuchungsrichter Peter Michaeler muss nun entscheiden, ob das Verfahren gegen den Vereinspräsidenten eingestellt wird oder die Staatsanwaltschaft zusätzliche Ermittlungen zum weiterhin genutzten Vereinssitz durchführen muss.

Bemerkenswert ist dennoch die restriktive Vorgabe der Gemeinde in der Baukonzession mit der erlaubten Anwesenheit von gerade zehn Personen. Wohl eine Reaktion auf die politischen Polemiken um den Gebetsraum. Für das Einkaufszentrum Twenty, das in der selben Flughafen-Risikozone liegt, wurden 500 Personen erlaubt. Rekurse der Twenty-Eigentümer dagegen behängen.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (35)

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  • watschi

    macht die kontrolle mal beim freitagsgebet

  • wisoiundnetderfranz

    Des gibs jo net…
    Mit der Nos ba die Fias von Vordermonn – hoffntlich hobn de olle die Fias gwaschn und saubere Sockn un…

  • besserwisser

    ich bin für die moschee. für jede mosche die gebaut wird die gleich grosse kirche im herkunftsland. so einfach ist das mit der toleranz.

  • tiroler

    Wir werden überrannt vom Islam. Die Träumer checken das eben nicht

  • ahaa

    Ein Gebetshaus muss keine Moschee sein.Wenn sie sich treffen wollen um zu beten,warum nicht?In Italien ist es verboten,sich unangemeldet als Gruppe zu treffen.Altes Kriegsrecht.
    Wùrde mal das ùberdenken!

  • iceman

    es ist ein Armutszeugnis, den gläubigen Moslems nicht eine würdige Gebetsstätte anzubieten. Das Menschenrecht der Religionsfreiheit beinhaltet doch auch die Möglichkeit seinen Glauben im passenden Umfeld auszuüben.

  • thefirestarter

    Für das Einkaufszentrum Twenty, das in der selben Flughafen-Risikozone liegt, wurden 500 Personen erlaubt.

    Wieso wohl, weil Podini Christ ist????
    oder einfach nur die größere Brieftasche hat?

    La legge è uguale per tutti!

  • tff

    Wir könnten ihnen ja eine nicht mehr gebrauchte Kirche überlassen. Da wären wenigstens wieder Leute drin. Nur Hinterwäldler möchten Menschen verbieten
    zu beten.

  • cif

    Beten kann man auch zu Hause und bitte den Islam nicht mit dem Katholizismus vergleichen, welcher die Aufklärungsphase schon einige Jahrhundert hinter sich hat. Es gibt zu viele Estremisten ,welche die in Europa errungenen Menschenrechte nicht anerkennen. Ein Blick in unseren muslimischen Nachbarländern reicht aus um zu verstehen, dass Anderdenkende oder auch Andersgläubige nicht akzeptiert werden.

  • zufall

    Warum sollen Moslems keinen Platz zum Beten haben? Das Problem finde ich, liegt allerdings daran, daß keiner weiß ob da wirklich alles so abläuft wie es sein soll, weil keiner den Wortlaut versteht.

  • alexbozen

    Bei uns herrscht Glaubensfreiheit. Die Ausländer müssen sich bemühen, sich im neuen Staat (Region/Provinz) zu integrieren. …haben ihre Rechte und Pflichten…das Recht zum beten darf man niemandem nehmen. (auch Gebetsräume usw)
    Viel schlimmer sehe ich die Doppelmoral der eierlo..n Gesellschaft hier im Lande…nimmt Straßennamen von panitalienischen, bzw Irrendentisten in Städten wie zB. Bozen und Meran einfach hin…passt alles, weil man ja keinen Mut hat. ..verstehe nicht, weil man dann den schwecheren immer was verbieten will, und gegen den vermeintlich stärkeren immer so untertänig ist. …diese Mentalität ist einfach sch…e und führt direkt in den Abgrund.

  • alexbozen

    Bei uns herrscht Glaubensfreiheit. Die Ausländer müssen sich bemühen, sich im neuen Staat (Region/Provinz) zu integrieren. …haben ihre Rechte und Pflichten…das Recht zum beten darf man niemandem nehmen. (auch Gebetsräume usw)
    Viel schlimmer sehe ich die Doppelmoral der eierlo..n Gesellschaft hier im Lande…nimmt Straßennamen von pan-italienischen, bzw Irredentisten in Städten wie zB. Bozen und Meran einfach hin…passt alles, weil man ja keinen Mut hat. ..verstehe nicht, weil man dann den schwächeren immer was verbieten will, und gegen den vermeintlich stärkeren immer so untertänig ist. …diese Mentalität ist einfach sch…e und führt direkt in den Abgrund.

  • yannis

    Die Gebildeten und Klugen wenden sich ab. Ich habe mich lange nicht entmutigen lassen und mir immer einen Weg gesucht, mich aktiv einzubringen, weil ich mich der Gemeinde verbunden fühle. Doch irgendwann hatte auch ich keine Lust mehr, mich noch weiter an verkrusteten Strukturen aufzureiben…………

    …….sagt ein Muslim, damit ist dann wohl alles gesagt

  • alexbozen

    @Yannis: …ja stimmt ja alles. …aber da ist die Politik gefordert. Die euroäischen Länder müssen eben bessere Rahmenbedingungen geben. Dass Menschen ihre Rechte nutzen, ist ja ihr Recht. …nur wär es auch längst an der Zeit dass nicht jeder tun und lassen darf was er will, weil ihm sowieso nichts passiert…dann werden die Herrschaften (alle) auch ihre Pflichten ernster nehmen. …aber da sind unsere Obrigkeiten noch Lichtjahre weit davon entfernt. …daran zu glauben ist vielleicht auch nur eine Utopie, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. …jeder von uns kann ein kleines bisschen dazu beitragen, zB durch mehr Zivilcourage, weniger Gleichgültigkeit usw…
    Außerdem können verschiedene Kulturen voneinander profitieren, sich befruchten und sich gegenseitig bereichern, das zu nutzen liegt alleine an uns. …es ist so ähnlich wie bei der Globalisierung, man kann davor angst haben, oder eine Chance darin sehen und versuchen sie zu nutzen.
    …das größte Problem der westlichen Gesellschaft ist meines Erachtens dass es vielzuviele Opportunisten gibt, negativdenker und von denen die übrig bleiben, haben die meisten zu wenig Mut. Mut kritisch zu denken, Mut zur Erneuerung, Mut um im Leben richtig voran zu kommen.
    Wir brauchen mutige politiker, nicht schleimige, symphatische und taugenichts.

  • alexbozen

    PS: möchte nicht falsch rüber kommen, ich bin für strengere Regeln und vor allem für ihre Anwendung…..für mehr Disziplin…unsere Gesellschaft muss mit gutem Beispiel vorangehen…und die Ausländer müssen sich als gute Neuankömmlinge auch gleich von beginn daran halten…sonst wird das nichts.

  • mannik

    @cif: Ich lese fünf Pauschalurteile aus Ihrem ersten sechs Zeilen langen Kommentar, aber ist ja egal.

    • kurt

      @mannik
      Wie Gehabt ,andere verstehen nichts,haben nur Pauschalurteile ,können nicht schreiben ,sind Grammatik-Banausen, nur sie und der andreas ragen vom Sumpf der Ignoranten heraus und nehmen sich heraus andere zu beleidigen ,verspotten , verhöhnen um von euren Provokationen gar nicht zu reden.
      Habt ihr euch einmal die Mühe gemacht euer Niveau zu hinterfragen ,statt immer die anderen in Frage zustellen ???.

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