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Elektrisch geladen

Wer in Südtirol Elektroauto fährt, muss genau wissen, wie er sein Fahrzeug aufladen kann. Alperia bietet zwar ein gutes Netz an Ladestationen, aber Information und Service lassen manche Nutzer verzweifeln.

von Silke Hinterwaldner

Peter Auer fährt aus Überzeugung Elektroauto. So wie rund 300 andere Südtiroler auch. Das ist nicht besonders viel, wenn man bedenkt, dass es abertausende Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor im Land gibt, aber die Zahl der Umsteiger ist im Steigen begriffen.

„In diesem Bereich“, sagt Harald Reiterer, Bereichsleiter von Green-Mobility bei der STA, „gibt es eine rasante Entwicklung. Die Wachstumsrate ist hoch, aber auch die Technik ist ständig im Wandel, die Reichweite der Fahrzeuge wird immer größer.“ Das mag bedeuten, dass es gar nicht mehr so viele Ladestationen braucht, wie man noch vor einigen Jahren glaubte, aber andererseits muss das Netz dicht genug sein, damit niemand auf der Strecke bleibt.

In Südtirol ist der lokale Energieriese Alperia zuständig für die Ladestationen und man zeigt sich durchaus bemüht, in diesen Sektor zu investieren. Johann Wohlfarter, Generaldirektor von Alperia erklärte unlängst: „Wir wollen einen rundum sorglosen Service anbieten, um den Umstieg auf Smart Mobility so einfach wie möglich zu gestalten.“ Derzeit verfügt Alperia über 35 Ladestationen auf das gesamte Land verteilt, wer diese nutzen möchte, muss aber doch gut informiert und ausgerüstet sein.

Das weiß Fahrer Peter Auer freilich. Er hat wie wohl alle Nutzer selbst eine Ladestation zu Hause in der Garage, aber wenn er unterwegs ist, muss er ab und an auch auswärts laden. „Hier wird es schwierig“, sagt er. Denn: Wer keinen Fixvertrag mit dem Anbieter Alperia für immerhin 23 Euro abschließen möchte, muss auf ein System mit Prepaid-Karten ausweichen. Die Bezahlung über Kreditkarte und Smartphone – was sich viele Fahrer von Elektrofahrzeugen seit langem wünschen – funktioniert noch nicht. Aber auch das Aufladen mit Prepaid-Karten hat sich für Peter Auer zur echten Herausforderung gemausert.

Diese Karten kann man normalerweise in den Büros von Tourismusvereinen erwerben, freilich ausschließlich zu deren Öffnungszeiten. „Außerdem“, sagt Peter Auer, „gibt es dazu keinerlei Infos an den Ladestationen selbst. Was macht also jemand, der nur auf der Durchreise ist?“ Er hatte deshalb bereits vor einigen Jahren den Vorschlag gemacht, sich an europäischen Zahlungsmodalitäten zu orientieren. Das hätte den Vorteil, dass man auch außerhalb der jeweiligen Landesgrenzen unproblematisch tanken könnte: Wer mit dem Elektroauto durch Europa fährt, muss einen ganzen Packen Karten bei sich tragen und genau darüber informiert sein, wo die Ladestationen wie funktionieren.

In Südtirol kommt jetzt noch hinzu, dass selbst ein findiger Nutzer wie Peter Auer an seine Grenzen stößt. „Wochenlang“, sagt er, „habe ich versucht, neue Prepaid-Karten zu erwerben, aber sie waren ausverkauft, auch in der Verkaufsstelle in Bozen. Was ist das für ein Service?! Ich habe mich jedenfalls sehr geärgert.“ In diesen Wochen war Peter Auer besonders erleichtert, dass er seine Ladestation zu Hause hatte und keine längeren Fahrten planen musste.

Wer es schafft, sein Auto an einer Ladestation anzudocken, kann sich glücklich schätzen. Der Strom kostet nicht viel und das Aufladen dauert mit neuen Elektrofahrzeugen gar nicht mehr lange. Neben den 35 halböffentlichen Ladestationen von Alperia gibt es noch rund 100 Ladestationen in Restaurants, Hotels, oder Bars, die auch von Kunden benutzt werden können: Manchmal reicht eine Kaffeepause, um das eigene Auto wieder aufladen zu können. Dazu kommen noch andere Anbieter: So etwa hat Tesla für die eigenen Kunden eine große „Tankstelle“ am Brenner errichtet. Und einige Elektrogenossenschaften bieten ebenfalls Ladestationen an: Für ihre Mitglieder stellt die Genossenschaft in Mauls sogar über ein Car-Sharing-Modell ein eigenes Fahrzeug zur Verfügung.

Das ist in den Augen von Peter Auer durchaus löblich. „Aber“, fügt er kritisch hinzu, „was nützt ein gutes System und ein dichtes Netz, wenn die Nutzer darüber nicht ausreichend informiert werden? Vor allem Alperia sollte ihre Hausaugaben besser machen.“

Für den Experten Harald Reiterer ist völlig klar, wie die E-Mobility der Zukunft ausschauen muss. „Der Zugang zu den Ladestationen muss niederschwellig sein“, sagt er, „dazu gibt es auch eine europäische Richtlinie, die darauf hinweist, dass Ladestationen spontan nutzbar sein müssen.“ Ihm sind in Südtirol keine gravierenden Probleme mit dem Aufladen von Elektrofahrzeugen bekannt, trotzdem kommen von Nutzern immer wieder Anregungen und Beschwerden. Man könnte eben doch einiges besser machen.

„Wir hatten einige Probleme mit der Rechnungslegung“, sagt Massimo Minighini, Leiter Technischer Bereich der Gesellschaft Alperia Smart Mobility, „aber innerhalb Weihnachten sollte es möglich sein, mit der eigenen Kreditkarte zu laden.“ Er weist außerdem drauf hin, dass Südtirol in Sachen Elektromobilität sicherlich eine Vorreiterrolle in Italien einnehme, kaum eine andere Region ist so gut mit Ladestationen versorgt. Außerdem könne man mittlerweile auch über das Ladenetzwerk „New Motion“ an den Alperia-Säulen tanken, das ist mit rund 100.000 Klienten der größte Anbieter in Europa. Und auch die Prepaid-Karten sollten mittlerweile wieder an sämtlichen Verkaufsstellen verfügbar sein.

„Und trotzdem“, erklärt Peter Auer, „täte Südtirol gut daran, sich stärker an europäischen Lösungen zu orientieren und nicht ein eigenes Inselsystem zu schaffen, das für Gäste nur schwer durchschaubar ist.“ Vor allem aber sollte man die Informationen für die Nutzer besser zugänglich machen. Denn was nützt das beste Ladesystem, wenn die Betroffenen nichts davon wissen?

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