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Urlaub an der Straße

kiensKiens bekommt 600 neue Gästebetten. Ob das gutgeht? In Kiens selbst will man keine großen, neuen Hotels, sondern vor allem bestehende Betriebe ausbauen.

von Silke Hinterwaldner

Kiens ist nicht unbedingt eine Gemeinde, die für den Tourismus geschaffen wurde. Die Orte liegen an der Straße, in der Talsohle, ohne direkten Zugang zu großen Attraktionen.

Und trotzdem: Hier wird Urlaub gemacht. Kiens verzeichnet über 300.000 Nächtigungen und genießt eine Bettenauslastung von überdurchschnittlichen 56,2 Prozent.

Grund genug, das Geschäft weiter auszubauen, haben sich die Gastwirte in Kiens gedacht. Nachdem einige Hotelbetriebe den Wunsch geäußert hatten, sich vergrößern zu wollen, wurde in Kiens eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die das Tourismusentwicklungskonzept vorbereitet hatte. Die Schlussfolgerung: Kiens brauche 600 neue Gästebetten, 400 davon in bestehenden Betrieben. Das ist eine stattliche Zahl. Ob das gut gehen kann?

Die Landesregierung geht davon aus, dass dies der richtige Weg ist. Am Dienstag wurde das Entwicklungskonzept genehmigt. Damit fällt der Startschuss für Umbau-, Ausbau- und Neubauprojekte.

Die Grünen Abgeordneten Brigitte Foppa, Hans Heiss und Riccardo Dello Sbarba warnen aber: „Südtirol ist mit Tirol alpenweit das Land mit der höchsten Tourismusintensität. Nirgendwo sonst kommen so viele Gäste auf einen Einwohner wie südlich der Alpen. Mit weiterem Wachstum droht daher auch eine Überlastung von Natur, Landschaft und Mobilität, auf die das touristische Wachstum bereits jetzt belastend wirkt. Angesichts des enormen Bettenpotenzials und des allenthalben sichtbaren Baubooms im Tourismus ist eine Überprüfung der jüngsten Entwicklung vorrangig, auch eine Wachstumsbremse denkbar.“

Andreas Falkensteiner, Bürgermeister und selbst erfolgreicher Touristiker, ist hingegen sehr zufrieden. „Einheimische Betriebe“, sagt er, „möchten erweitern oder auch ein neues Hotel schaffen, das von den Kindern geführt wird. Zwei, drei Unternehmer haben bereits nachgefragt.“ Sie können jetzt ihre Projekte vorlegen. Er betont, dass kein großes, neues Hotel gebaut werden soll, zumindest nicht in nächster Zeit.

Das unterstreicht auch Gerd Tauber. Der Vizepräsident im Tourismusverein Kiens erklärt: „Von großen, neuen Hotels und Investoren von auswärts kann nicht die Rede sein. Das wäre auch nicht gut für das Dorf.“ Im Konzept wurde deshalb sogar festgeschrieben, dass dies gegebenenfalls zu verhindern sei.

Obwohl Kiens nicht prädestiniert scheint für den Tourismus, ist dieser mittlerweile neben der Landwirtschaft und dem Handwerk einer der wichtigsten Erwerbszweige in der Gemeinde. „Der Tourismus“, sagt der Bürgermeister, „ist wichtig für uns.“ Und er soll noch wichtiger werden, wenn es nach ihm geht: „Wenn in fünf Jahren die Umfahrungsstraße kommt, dann wird die Zahl der Nächtigungen sicher noch einmal steigen.“ Die Hotels direkt an der Hauptstraße würden derzeit sehr unter der Verkehrsbelastung leiden.

Aber wie konnte Kiens trotzdem zu einem Tourismusort werden? „Wir haben hier“, sagt Gerd Tauber, „einige sehr gute Betriebe, die fleißig arbeiten.“ Im Winter kommt der Kronplatz als Touristenmagnet hinzu. Obwohl nicht unmittelbar angrenzend an das Skigebiet, nutzen viele Wintersportler die Nähe zum Kronplatz und steigen in Kiens oder Ehrenburg ab, um von dort mit dem Skibus oder dem Skizug das Skigebiet zu erreichen.

Dass der Kronplatz wichtig für Kiens ist, zeigt sich auch an den Zahlen: Während in den 90ger Jahren noch rund 80 Prozent der Gäste im Sommer kamen, hat sich mittlerweile viel verändert. Fast 45 Prozent der Touristen in Kiens sind heute Wintergäste.

 

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