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    „Ein Fall von Hochstapelei“

    Der Generaldirektor des Sanitätsbetriebes Südtirol, Thomas Schael, ist ein Meister der Selbstdarstellung. Mit der Wahrheit nimmt es nicht so genau.

    von Artur Oberhofer

    Ein Bozner Primar spricht von einem „krassen Fall von Hochstapelei“ und nennt das Schreiben ein „Zwischending aus PR in eigener Sache und Anbiederung“.

    Um was geht es?

    In dieser Woche fand in München der 16. Europäische Gesundheitskongress“ statt.

    Der Kongress wurde vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) eröffnet. Unter den Referenten war auch der Direktor des Sanitätsbetriebes Südtirol, Thomas Schael.

    Der Kongress stand unter dem Motto „Das Gesundheitssystem gerecht und zukunftsfähig gestalten“. Thomas Schael referiert zum Thema „Integrierte Versorgungsplanung – Wie kann ein solcher Kraftakt bewältigt werden? – Beispiel Südtirol“.

    Im Vorfeld des Kongresses musste Thomas Schael eine Art Curriculum an die Veranstalter bzw. an die PR-Agentur Wiso-Gruppe, die diesen Kongress betreut, schicken.

    Am 26. September dieses Jahres ab 11.00 Uhr ging eine Rundmail an Tausende Ärzte im gesamten deutschen Sprachraum ab.

    In diese E-Mail, die der TAGESZEITUNG vorliegt, ist auch der Text eingeflossen, den Thomas Schael zuvor an die Kongressveranstalter bzw. an die PR-Agentur nach München geschickt hatte.

    Als Südtiroler Ärzte diese Rundmail zu Gesicht bekamen, trauten sie ihren Augen nicht.

    In dieser E-Mail heißt es einleitend, Thomas Schael habe sich „in Italien einen Ruf als Krisenmanager für regionale Gesundheitsstrukturen und Experte für den Aufbau Integrierter Versorgungssysteme erworben“.

    So weit, so gut. „Das mit dem Krisenmanager“, ätzt ein Primar aus dem Südtiroler Westen, „ist nicht gelogen, denn überall, wo der Herr Schael auftritt, gibt es eine Krise.“

    In der Rundmail heißt es allerdings weiter, Schael habe in Südtirol in kürzester Zeit eine einheitliche IT-Infrastruktur aufgebaut.

    Ein Zitat aus dem Rundschreiben:

    „Nach zwei Jahren ist eine einheitliche IT-Infrastruktur bereits umgesetzt: Die Südtiroler haben heute eine elektronische Patientenakte, diagnostische Befunde werden darin vom Labor oder Radiologen gleich digital abgelegt. Die Terminvergabe und Bezahlung für die Arztbehandlung erfolgen nun online.“

    Alles Schmarrn!

    Die einheitliche IT-Infrastruktur gibt es bis heute nicht. Ein Bozner Oberarzt sagt: „Wir haben nach wie vor ganz unterschiedliche Computersysteme im Haus, die sich untereinander nicht lesen können, von einer einheitliche IT-Infrastruktur kann keine Rede sein.“

    Thomas Schael, so der Vorwurf, verkaufe etwas, was für die Zukunft angedacht war, als gegeben. Das System sei an verschiedenen Südtiroler Spitälern an einer Abteilung getestet worden, es sei aber „wegen Impraktikabilität wieder aufgegeben“ worden. Von einer einheitlichen IT-Infrastruktur könne man nicht sprechen, und von einer elektronischen Patientenakte sei man „noch meilenweit entfernt“.

    Warum brüstet sich Thomas Schael mit Dingen, die es nicht gibt? Warum verkauft er heiße Luft?

    Ein Primar kann sich das Schreiben Thomas Schaels nur so erklären: „Er will sich auf diese Art und Weise den deutschen Markt eröffnen mit der Botschaft: Wenn es einer schafft, in Italien aufzuräumen, dann schafft er dies auch in Deutschland.“

    +++ UPDATE +++

    Die Abteilung Kommunikation im Sanitätsbetrieb hat der TAGESZEITUNG folgende Stellungnahme zukommen lassen:

    Ihr Artikel enthält unzutreffende Behauptungen. Es fängt schon damit an, dass der bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) den Kongress nicht eröffnet hat und dies auch niemals vorgesehen war. Seehofer ist allerdings mit Grußworten auf der Homepage des europäischen Gesundheitskongresses vertreten.

    Thomas Schael hat sich in München keineswegs „mit Dingen, die es nicht gibt“ gebrüstet. Der Titel seines Vortrags lautete: „Integrierte Versorgungsplanung – wie kann ein solcher Kraftakt bewältigt werden? – Beispiel Südtirol.“
    Dabei wurde der Landesgesundheitsplan 2016-2020 und der ICT-Masterplan des Südtiroler Sanitätsbetriebes verteilt.

    Der Text des Lebenslaufes von Thomas Schael, der vom Südtiroler Sanitätsbetrieb samt Foto vorab an die Veranstalter gesandt wurde, lautete: „Dr. Thomas Schael. Seit Juni 2015 Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes. Gebürtiger Westfale und Experte für Entwicklung und Verwaltung von komplexen Organisationen mit langer Karriere im italienischen Gesundheitswesen, wo er sein Wissen als Ingenieur, Informatiker und Gesundheitsökonom effizient einsetzt.“

    Die Zitate im von Ihnen verfassten Artikel stammen aus einem Brief des Veranstalters, der auch von diesem ohne Zutun des Südtiroler Sanitätsbetriebes verfasst wurde. Es ist also schlichtweg falsch, diese Zitate Thomas Schael zuzuordnen.

    Mit den besten Grüßen,
    Abteilung Kommunikation, Marketing und Bürgeranliegen.“

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (10)

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    • criticus

      Da Sie Herr Schael lt. Presseberichten öfters mit der Staatsanwaltschaft wegen Anzeigen zu tun haben, könnten Sie ja eine Selbstanzeige wegen Hochstapelei machen. Was sagt eine Frau Stocker zu dieser Angelegenheit?

      • vogel

        Ich finde, er sollte sich vertrauensvoll an einen Psychiater wenden. In der Sanitätseinheit gibt es ja einige davon, die einen sehr guten Ruf haben und ihm sicherlich in seinem Größenwahn beistehen können. Wenn er jetzt um Behandlung ansucht, dann bekommt er mit Sicherheit irgendwann im Frühsommer nächsten Jahres einen Termin beim Spezialisten.

    • rota

      Der Hauptmann von Köpenik – 0hne Uniform aber mit Gurglpropeller !

    • yx

      Würde gerne am Prompeller so lange drehen, dass wenn man danach loslässt, dieser Herr wie ein Flugzeug bis nach Deutschland fliegt, und die Landesrätin auch noch hinten anbinden, dass sie “ gratis“ mitfliegen könnte.
      Somit wären wir 2 Fliegen auf einen Streich los, wie beim Tapferen Schneiderlein

    • josef

      Herr Schael
      In Deutschland wäre das ein Grund für den Rücktritt!
      In Italien (Südtirol) herrscht Narrenfreiheit.
      Vielleicht holt sich unsere SVP deshalb so viele Deutsche als Berater ?

    • franz

      Einzige Hoffnung, dass es bald Neuwahlen gibt, diese linken Postkommunisten des PD und SVP-Vasallen des PD mit Frau Stocker & Genossen gemeinsam mit den Fliegenträger “ thomas-der-schreckliche “ nach Hause schicken.
      ( Alle unfähig zu regieren )
      “Knieprothesen gibt es zu einem Preis von 1.000 oder zu 2.000 Euro. Ist der Patient 70 Jahre alt, könne man die billigere nehmen, er habe nur noch eine Lebenserwartung von 15 Jahren – so ließ sich Direktor Schael zitieren.“ [..]
      http://www.tageszeitung.it/2015/08/17/thomas-der-schreckliche/
      Kein Wunder wenn die Rechten Wahlen gewinnen.

    • goggile

      Vergogna! 1,50euro oro pro stunde besucherparkplatz und an den kassen belaestigt durch rom und hiesige italiene die lotternueneegisch angst zu bekommen. Stocker ind schael eine vergogna! Lh grinsen sie wwiter und tatenlos total

    • pingoballino1955

      Don Quischotte de la mancia,Herr Schael sie sind nicht weit davon entfernt,träumen sie weiter,denn in der Sanität funktioniert gar nichts so,wie es funktionieren sollte!!!! Sie würden besser nach Deutschland passen,weiss nicht wie lange???? Sie verstehen was ich meine?????!!!!!!

    • andreas

      Wenn man die Stellungnahme der Sanität liest, fragt man sich eigentlich schon, was man der TZ eigentlich glauben kann.
      Wenn schon die Aussage falsch ist, dass Seehofer den Kongress eröffnet hat, was jetzt nicht so schwer zu recherchieren wäre, erübrigt sich der Rest eigentlich.

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