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    „Das ist ein Wahnsinn“ 

    Die Firma „Wolf System“ in Freienfeld hat sich auf erdbebensicheres Bauen spezialisiert – und sich rund 40 Aufträge für Bauten in den Abruzzen gesichert. Doch man beißt sich an den bürokratischen Hindernissen die Zähne aus. Der Geschäftsführer Robert Stafler über die Schwierigkeiten.

    Tageszeitung: Herr Stafler, Ihr Betrieb hat sich auf erdbebensicheres Bauen spezialisiert. Beim Wirtschaftsstammtisch in Freienfeld haben Sie eindrucksvoll ein Erdbeben simuliert und die Auswirkungen auf ein vierstöckiges Wolf Haus auf einer Rüttelplatte vorgeführt…

    Robert Stafler: Wir wollten den Anwesenden das erdbebensichere Bauen nicht nur mit dem Simulator vorführen, sondern wirklich das Haus zum Beben bringen und somit alles praktisch vorführen. Beim Erbeben in Aquila im Jahr 2009 wurde eine Stärke von 6 auf der Richterskala gemessen, wir haben ein weit stärkeres Erdbeben simuliert (siehe VIDEO).

    Beim Erbeben in den Abruzzen im heurigen Winter wurden viele Gebäude zerstört. Sie werden dort nun erdbebensichere Gebäude aufstellen…

    Diese Projekte sind ein Wahnsinn. Eigentlich hätten wir schon seit Monaten Aufträge von Privaten, mehrere Dutzend Stallungen aufzustellen.

    Aber?

    Seit sechs Monaten schieben die Beamten die Unterlagen von einem Büro in das andere. Einige Unterkünfte für Tiere wurden indes im Gebiet mit diesen sogenannten Rundbögen und Zeltplanen realisiert. Diese sind zwölf Meter breit und 20 Meter lang. Diese Installationen halten aber keinen Schnee aus, die Belüftung, die Belichtung und auch die Isolierung fehlen komplett. Wir haben zwar nicht um denselben Preis, aber um akzeptable Kosten vorgeschlagen, Stallungen zu errichten, die eine jahrelange Garantie haben und erdbebensicher sind. Die Besitzer haben zugesagt, aber es ist verrückt, wie langsam die Mühlen der Bürokratie mahlen.

    Wie viele Aufträge haben Sie mittlerweile?

    Wir haben einige Verträge im Haus. Mittlerweile haben wir Beauftragungen, Industrie- und Gewerbehallen, landwirtschaftliche Hallen, kleinere Käsereien und auch Häuser zu bauen. Aber es geht nichts weiter. Für rund zehn Strukturen  haben wir die Teile bereits lagernd, aber wir warten immer noch auf die Bewilligungen, diese auch liefern zu können. Insgesamt haben wir im Moment Aufträge, zwischen 30 und 40 Gebäude im Erdbebengebiet zu bauen.

    Ärgerlich?

    Schon etwas. In Italien gibt es ein allgemeines Problem: Die Beamten haben vor dem Rechnungshof Angst. Somit werden die öffentlichen Gelder nicht zielführend und schnell eingesetzt. Die Privaten wissen nicht, was sie tun dürfen und was nicht und ob sie eine finanzielle Unterstützung erhalten.

    Einige Bauten machen Sie aber bereits?

    Wir realisieren zurzeit gemeinsam mit der „Fondazione La Stampa-Specchio dei tempi“ eine öffentliche Schule in Arquata del Tronto, die Gemeinde mit 1.178 Einwohnern liegt in der Provinz Ascoli Piceno in den Marken. Hingegen in Cascia, eine Gemeinde mit 3.217 Einwohnern in der Provinz Perugia in der Region Umbrien, bauen wir wiederum gemeinsam mit einer Stiftung eine Turnhalle. Bei letzterem Vorhaben sind zwar auch noch ein paar bürokratische Hindernisse zu nehmen, aber im Laufe des Sommers startet das Projekt.

    Interview: Erna Egger

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