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Ärzte ohne Vertrag

Thomas Schael

Jetzt greift das Verbot der Werkverträge in Südtirols Krankenhäusern: Mehr als je zuvor fehlen Fachärzte. Das zeigt sich etwa in Innichen. Dort droht im Juli gar die Schließung der Notaufnahme.

von Silke Hinterwaldner

Am Montag gab es den ersten Vorgeschmack: Die Augenambulanz in den Krankenhäusern von Brixen und Sterzing muss für unbestimmte Zeit geschlossen bleiben. Der Grund: Ärztemangel.

Mittlerweile beklagt Südtirol seit Jahren das Fehlen von Medizinern in beinahe allen Bereichen. Vor allem in den peripheren Krankenhäusern von Innichen, Schlanders und Sterzing hat man das stark zu spüren bekommen. Die Gründe für den Ärztemangel sind vielschichtig – aber in diesen Wochen macht sich ein neues Phänomen bemerkbar, das die Situation prekär werden lassen könnte.

Der Hintergrund: In allen sieben Krankenhäusern wurden über Jahre zahllose Ärzte über Werkverträge engagiert. Sie können so ohne festen Arbeitsvertrag eingesetzt werden, wo Not am Mann oder an der Frau war. Gleichzeitig müssen sie keinen Nachweis der Zweisprachigkeit liefern, sie verdienen gut und können freiberuflich auch andernorts tätig sein. Aber dieses Modell wurde im Herbst per Gerichtsbeschluss praktisch zerschlagen. Gleich nach dem Urteil war klar, dass dies einschneidende Veränderungen für den Sanitätsbetrieb nach sich ziehen wird. Jetzt wird greifbar, was es wirklich bedeutet.

In Innichen etwa: Im Krankenhaus dort muss man stets händeringend nach qualifiziertem Personal suchen. In diesen Tagen ist klar geworden, dass es wieder einmal nicht reichen könnte. Im Juli laufen die ersten Werkverträge aus, die nicht erneuert werden können. Damit steht die Erste Hilfe auf der Kippe. Findet man nicht schnell eine Lösung, kann die Notaufnahme nicht zugänglich bleiben – ausgerechnet mitten in der touristischen Hochsaison. Derzeit laufen die Drähte zwischen Innichen, Bruneck und Bozen heiß, um doch noch einen Ausweg zu finden. „Wir bemühen uns um eine Lösung“, sagt Bezirksdirektor Walter Amhof, „viele Ärzte wären grundsätzlich bereit weiterzuarbeiten. Jetzt geht es darum, eine passende vertragliche Regelung zu finden. In diesen Tagen ist sehr viel in Bewegung.“

Das weiß auch Markus Hackhofer, Fraktionssprecher der regierenden Bürgerliste in Innichen. Er sagt: „Man muss eine Lösung finden! Aber dieses Problem betrifft nicht nur das Krankenhaus von Innichen, sondern alle Spitäler. Wir als Gemeinde tun, was wir können, um Ärzte herzuholen, aber das Problem mit der Anstellung muss auf anderer Ebene gelöst werden.“

In Bozen weiß man selbstverständlich um die Zustände in den peripheren Krankenhäusern, es liegt aber auch in den zentralen Stellen in Bozen oder Meran einiges im Argen. Denn ein Teil der Ärzte mit Werkvertrag möchte ganz einfach nicht in ein festes Arbeitsverhältnis wechseln, weil dies für sie finanziell oder organisatorisch nicht sinnvoll ist. Diese Mediziner werden in den kommenden Wochen und Monaten aus dem Sanitätsbetrieb ausscheiden.

„In manchen Fällen, unter ganz bestimmten Auflagen“, erklärt Lukas Raffl, Presseverantwortlicher beim Sanitätsbetrieb, „können auch weiterhin Werkverträge abgeschlossen werden. Fakt ist, dass wir uns in einer sehr schwierigen Übergangssituation befinden.“ Der Sanitätsbetrieb erstellt deshalb aktuell Rangordnungen, um vielen dieser Mitarbeiter ein befristetes Arbeitsverhältnis anzubieten. Innerhalb der nächsten drei Jahre müssen diese Mitarbeiter den Nachweis der Zweisprachigkeit erbringen, dann können sie unbefristet angestellt werden. „Wir möchten“, sagt Raffl, „die Mitarbeiter in ein kontinuierliches Arbeitsverhältnis aufnehmen, auch um sie enger an den Betrieb zu binden.“

In allen sieben Krankenhäusern laufen nach und nach die Werkverträge aus und damit fallen zusätzlich zum ohnehin beklagten Ärztemangel weitere Mediziner weg. Einen ersten Versuch, neue Fachkräfte zu finden, hat man am Dienstag gestartet. Der Sanitätsbetrieb hat die Veröffentlichung von Rangordnungen für sechs Fachbereiche vorsehen, vor allem solche, die unter hohen Wartezeiten leiden: Dermatologie, Orthopädie, Augenheilkunde, HNO, Neurologie und Innere Medizin. Bereits seit April läuft die Suche nach Fachärzten für Anästhesie und Intensivmedizin, Gynäkologie, Pädiatrie, Notfallmedizin und Unfallchirurgie, die für die Aufrechterhaltung von Notaufnahmen in allen Krankenhäusern besonders wichtig sind.

Generaldirektor Thomas Schael erklärte dazu in einer öffentlichen Verlautbarung: „Es ist notwendig, sämtliche für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung benötigten Fachkräfte im ärztlichen Bereich anzustellen, um eine angemessene Gesundheitsversorgung weiterhin zu gewährleisten. Das ist unsere Aufgabe und wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um dies zu erreichen.“

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Kommentare (4)

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  • ahaa

    Eine solche Misswirschaft zum Umwohle der Bevòlkerung.Fùr was zahlen wir eigentlich Steuern wenn fùr sowas kein Geld da ist?
    Martha wann siehst du es ein?
    Den Wagen an die Wand fahren kann jeder!

  • sepp

    ahaa die Martha siehts nett ein das sie unfähig isch als schnell amol obans zui sperren mehr konn die frau nett die frau muiss schnellstens an obgang mochen bevor leute drafgehen wegen fehlender ärtzte man konn lei sogen alles iletanten an der spitze der Sanität angefangen mit der landesrätin weiter mit den Direktor usw

  • yannis

    ob da so was wie ein „Autonomie-Konvent“ helfen könnte ?

  • sepp

    yannis sicher ober der Bischof muiss a wos sogen terfen hahaha muiss lei mehr lochen wie peinlich die Politik in sütirol isch

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